08/11/2020
Alkoholabhängigkeit
Schätzungen zufolge geht man in Österreich davon aus, dass etwa 14% der Bevölkerung in einem gesundheitsschädigenden Ausmaß Alkohol konsumieren. Diese Zahl ist zum Glück seit Jahren konstant rückläufig. Dennoch verursachen Menschen unter Alkoholeinfluss jährlich Verkehrsunfälle mit knapp 3000 Verletzten und immerhin über 30 Toten. Tendenziell sind immer noch mehr Männer als Frauen von dieser schweren Erkrankung betroffen (19% der Männer gegenüber 9% der Frauen). (1)
Wie bei anderen Suchterkrankungen auch, sind bestimmte Kriterien definiert, von denen mindestens drei vorhanden sein müssen, um eine Alkoholabhängigkeit diagnostizieren zu können:
- ein starkes Verlangen, Alkohol zu konsumieren (Craving),
- Kontrollverlust hinsichtlich Beginn, Beendigung und Menge des Alkoholkonsums,
- Körperliche Entzugssymptome nach Absetzen oder Reduktion des Alkohols, typischerweise Zittern, Schwitzen und Schlafstörungen,
- Zunehmende Toleranzentwicklung (immer größere Mengen Alkohol sind notwendig, um die gleichen Symptome hervorzurufen),
- Vernachlässigung anderer wichtiger Vergnügen oder Interessensbereiche wegen des Alkoholkonsums,
- Die Substanz wird weiter konsumiert, obwohl bereits nachweisbare Folgeschäden vorhanden sind (2)
Die Folgen chronischen Alkoholkonsums sind mannigfaltig und können den gesamten Körper betreffen. Da Alkohol ein Zellgift ist, schädigt es nicht nur die Leber und verursacht die alkoholische Leberzirrhose. Auf Dauer fördert Alkohol Herz-Kreislauf-Erkrankungen, führt zum Verlust von Nervenzellstrukturen was einerseits zur Schmerzen, Gefühllosigkeit und Lähmungen der Beine und andererseits zu dementiellen Symptomen mit Gedächtnisverlust und allgemeinem intellektuellen Verfall führen kann (3).
Die Schäden durch Alkohol betreffen aber nicht nur den Patienten selbst: Alkohol ist die Droge mit dem höchsten fremdschädigenden Potential. Häusliche Gewalt, familiäre Instabilität und chronischer Stress für Kinder alkoholkranker Eltern können für Probleme in der Folgegeneration verantwortlich gemacht werden. (1)
Bei entsprechendem Abstinenzwunsch kann der Patient heutzutage auch medikamentös unterstützt werden, sei es um Entzugssymptome zu mildern, oder aber auch das Verlangen nach Alkohol selbst zu reduzieren. Wichtig ist, auch andere eventuell vorhandene psychische Erkrankungen zu erkennen und zu behandeln. In der Psychotherapie lernen Patienten, Motivation aufzubauen und zu halten, entsprechende Ressourcen – auch in der Angehörigenarbeit – zu akquirieren und Notfallpläne zu erarbeiten. (3)
(1) Handbuch Alkohol – Österreich, Band 1 (2019)
(2) Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen
(3) S3-Leitlinie “Screening, Diagnose_und_Behandlung alkoholbezogener_Störungen”, AWMF 2016