12/10/2024
Ärztemangel - Lange Wartezeiten - Kürzer werdende Gesprächszeiten - Notwendige Reformen
Solange die Rahmenbedingungen nicht besser werden, werden immer weniger Ärzte gewillt sein als Selbständiger Arzt tätig zu werden oder tätig zu bleiben.
Bereits jetzt sind tausende Arztsitze nicht besetzt.
Niedergelassene Ärzte machen in EBM und GOÄ seit Jahren (Jahrzehnten) Minusrunden bei gleichzeitig steigenden Kosten für Mitarbeiter und laufende Praxiskosten.
EBM Punktwertanhebung 2009-2021: 12,24 % (Quelle KVB, ältere Daten waren von der KVB nicht zu bekommen) - Inflation kumuliert 2009-2021: 27,2% (Quelle Statistisches Bundesamt) = 27,2 - 12,24 = -14,96 % in 12 Jahren oder im Durchschnitt -1,25 % pro Jahr!
GOÄ Entwicklung 1983 - 2021: 14% - Inflation kumuliert 1983-2021: 99,8% (Quelle Statistisches Bundesamt) - Defizit 99,8-14 = -85,8 %! in 38 Jahren oder im Durchschnitt -2,26% pro Jahr!
Seit 1996 hat es KEINEN Inflationsausgleich in der privaten Krankenversicherung gegeben. Eine Behandlung kostet immer noch genau so viel wie vor 28 Jahren!
Wegen des aktuell weiter fehlendem Ausgleiches der Inflation in GOÄ und EBM wird sich die Situation von Einzelpraxen in Deutschland in Anbetracht der aktuellen Kostenentwicklung weiter verschlechtern.
In Gegenden ohne ausreichende Einnahmemöglichkeiten aus privatärztlicher und sonstiger Tätigkeit, wird auch eine noch höheres Engagement nur begrenzt die Kostenentwicklung auffangen können.
Bereits jetzt ist die einzige Möglichkeit für niedergelassene Ärzte die Mehrausgaben für Personal, Energie, Miete, Arbeitmittel zu kompensieren durch Mehrarbeit. Mehr Patienten in immer kürzer werdenden Terminen.
Selbst ein Gutachten der GKV sieht den Anstieg der Personal-/Aufwendungen für die Jahre 2015-2019 ("Ambulante Versorgung - Die wirtschaftliche Situation der Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten in Deutschland - Autorenbeitrag von Dr. Ronny Klein")
"Die Aufwendungen sind um 4,9 % pro Jahr (2015-2019 = 5 Jahre -> 24,5 %!) gestiegen. die Personalaufwendungen um 6,8 % pro Jahr (2015-2019 = 5 Jahre -> 34 %!), die Einnahmen aus der GKV um Durchschnittlich 0,2 % pro Jahr bzw insgesamt um 1% über den gesamten Zeitraum der 5 Jahre!"
Die niedergelassenen Ärzte machen lt Angaben des BMG lediglich 17,7% der Gesundheitskosten aus.
Zuletzt Abschaffung der Regresse.
Mit verbesserten Einnahmen und der Abschaffung der Regresse wird eine attraktive Vergütung für anspruchsvolle und fordernde Arbeit einen Anreiz für die Arbeit als niedergelassener Arzt / Ärztin schaffen. ÄrztInnen mit einer Abiturnote von 1,0-1,3 werden alternative und besser vergütete Tätigkeitsfelder finden.
Ohne diese Maßnahmen wird die ärztliche Versorgung in die Hand von Investoren fallen, die nach ökonomischen Interessen die Behandlung steuern werden.
Portalpraxen / Medizinische Versorgungs Zentren an zentralen Klinikstandorten werden ihre örtliche Versorgung nicht verbessern und gerade in ländlichen Regionen lange Fahrzeiten und Wartezeiten bedeuten.
Wir alle sehen aktuell die folgen der verfehlten Gesundheitspolitik, immer länger werdende Wartezeiten auf Termine und kürzer werdende Zeiten für Patientengespräche, da mehr Patienten in immer kürzer werdender Zeit behandelt werden müssen.
Dies ist für die Patienten aber auch für uns Ärzte frustrierend.
Wir brauchen die Unterstützung aller Patienten. In 2025 wird Bundestagswahl. Kontaktieren Sie ihre Regionalen Bundestags- und Landtagsvertreter. Schauen Sie sich die Wahlprogramme auch unter dem Gesichtspunkt der Gesundheitsversorgung an.
Ihr
Dr. med. Dirk Sieber