14/04/2026
Schon als Kind hasste ich es, wenn Menschen über die "Schwere des Lebens" sprachen. Besonders die bei einigen übliche Antwort „Es muss …“ auf die Frage „Wie geht’s?“ empfand ich als unerträglich. Das fühlte sich für mich vollkommen falsch an! Ich erinnere mich, wie ich dies sogar körperlich spürte, eine Enge einzog und ich erstarrte. Gleichzeitig machten sich Wut und Trotz in mir breit - und der Drang, mächtig zu widersprechen oder zu fliehen.
Es geht nicht um meine Eltern, aber im Umfeld, in der Schule, überall hörte man diese bedrückende Rhetorik. Vielleicht war das auch einer der Gründe, warum ich nach dem Abitur sofort auf Weltreise ging. Deutschland in den späten 80ern kam mir grau und langweilig vor. Ich brannte darauf, andere Kulturen kennenzulernen, mehr Buntheit, Leichtigkeit, Lebensfreude.
Ich versuchte, mein Leben bewusst bunt und lichtvoll zu gestalten – und das ist mir auch lange Zeit sehr gut gelungen. Bis die Schwere mich – krankheitsbedingt – wieder einholte. Und ich musste feststellen: Diese Schwere hat sich auch in meinem System festgesetzt – nicht nur als eigene Last, sondern als etwas, das Generationen vor mir geprägt hat. Und eigentlich fühle ich sie auch über dem ganzen Land hängen: diese Mischung aus Härte, Misstrauen und Angst.
Ich möchte nicht in Abrede stellen, dass sich das Leben manchmal auch schwer zeigt, und ich möchte die schwierigen Seiten weder verharmlosen noch wegdrücken.
Im Gegenteil: Die Lösung liegt darin, diese Seiten wirklich anzunehmen, uns zu erlauben, sie ganz und gar zuzulassen und zu fühlen. Dann können sie durch uns hindurchfließen und auch wieder gehen. Sie möchten gesehen und gefühlt werden – dann machen sie Raum für Leichtigkeit, Freude und Vertrauen.
Aber wenn wir aus den Schwierigkeiten des Lebens ein Programm machen, unbefangenen Kindern von der "Schwere des Lebens" erzählen, dann bleiben wir in dem Programm gefangen - und es gibt so viele Erzählweisen des gleichen Narrativs!
Lassen wir sie los! Und erlauben uns ein Leben in Leichtigkeit und Freude! Dann können wir auch besser auf die vermeintlichen Härten reagieren.
Wo spürst du Schwere in deinem Leben – und wie gehst du damit um?