13/04/2026
Wie würdet Ihr entscheiden?
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Ein Autofahrer, nennen wir ihn Peter, wurde während einer Fahrt unter Drogeneinfluss von der Polizei kontrolliert. In seinem Blut fanden sich 2,4 µg aktives THC, 21 µg Cooh (Abbauwert), sowie 232 µg Amphetamin.
In der MPU-Vorbereitung bei mir gibt er zu, regelmäßig Cannabis konsumiert zu haben, zuletzt auf einer Party am Abend vor der Fahrt. Er erklärt mir, dass Cannabis von ihm zur Selbstmedikation eingesetzt wurde. Aufgrund einer Herzerkrankung leidet er unter Angst, Nervosität und Schlafstörungen. Das regelmäßige abendliche Rauchen geringer Mengen Ma*****na hatte einen beruhigenden, schlaffördernden Effekt.
Den wissentlichen Konsum von Amphetaminen streitet Peter jedoch vehement ab und vermutet, dass diese irgendwie in sein Getränk geraten sein könnten. Er begründet die Angst vor allen anregenden Stoffen damit, dass er stark auf sein Herz und dessen Funktion fokussiert ist und daher alles vermeidet, was hier eine Gefahr darstellen könnte. Sogar auf Kaffee verzichtet er, weil dieser den Blutdruck steigern und das Herz beeinträchtigen kann. Der Konsum von Amphetaminen wäre also in seinem Falle ziemlich selbstzerstörerisch. Peter ist nicht lebensmüde und käme daher niemals auf die Idee, Amphetamine zu nehmen. Im Laufe des Gespräches stelle ich außerdem fest, dass Peter außer der Angst vor möglichen schädlichen Wirkungen, keine Ahnung von Amphetaminen hat. Er erwähnt, dass er sich an dem Abend merkwürdig unruhig gefühlt habe und Kreislaufprobleme auftraten, was er sich nicht erklären konnte. Nach anfänglichem Misstrauen, schätze ich Peter als glaubwürdig ein und glaube ihm seine Version der unbeabsichtigten Einnahme.
Nun zur Frage, was man Peter in Bezug auf seine MPU raten sollte (was ich ihm tatsächlich geraten habe und wie die MPU dann gelaufen ist, erfahrt Ihr später).
1. Die Wahrheit sagen, dass er nicht wissentlich Amphetamine genommen hat? Diese Version kann er aufgrund seiner Krankheitsvorgeschichte gut begründen. Allerdings erscheint die unwissentliche Aufnahme einer Droge meist als sehr unglaubwürdig, vor allem wenn jemand bereits als Cannabiskonsument in Erscheinung getreten ist.
Trotzdem: Im Allgemeinen gilt ja, dass man in der MPU unbedingt die Wahrheit sagen muss, da der Gutachter geschult ist, Lügen zu entlarven. Die Wahrheit ist immer gleich, wer lügt, braucht ein gutes Gedächtnis. Peter geht davon aus, dass der Gutachter seine Ehrlichkeit zu schätzen weiß. Er kann ein Jahr Abstinenz nachweisen und über seine Cannabis-Konsumgewohnheiten und Konsummotive muss er sowieso Rede und Antwort stehen, wozu er offen und ehrlich bereit ist.
2. Da die unwissentliche Einnahme selten geglaubt wird (das besagen auch zahlreiche Gerichtsurteile), wäre es vielleicht besser, einen einmaligen (oder gelegentlichen ?) Konsum von Amphetaminen einzuräumen, also in diesem Fall zu lügen? Dann sollte Peter seine Herzkrankheit verschweigen oder verharmlosen, um nicht als selbstzerstörerisch dazustehen. Er müsste sich theoretisches Wissen über Amphetamine, deren Wirkung und Abbau und die Gefährdung im Verkehr aneignen, über praktische Erfahrungen verfügt er ja nicht.
Über Kommentare würde ich mich sehr freuen.