25/11/2025
Die Universitätsklinik für Orthopädie setzt auf innovative Ansätze in der Gelenkchirurgie. Die Arbeit des Teams um Max Ettinger spannt dabei den Bogen von hochmoderner, digitaler Planung bis hin zur Grundlagenforschung zur Entwicklung der menschlichen Anatomie.
Präzision durch 3D-Druck: Bei komplexen Fällen, insbesondere nach Voroperationen oder bei Knochendefekten der Hüfte reicht eine Planung anhand herkömmlicher Röntgenbilder oft nicht aus. Hier setzt das Pius-Hospital im Rahmen seiner universitären Forschung auf eine neue Methode: die Erstellung patientenindividueller 3D-Modelle des Beckenknochens.
Basierend auf einer Computertomografie (CT) wird ein digitales Modell erstellt und anschließend mittels 3D-Drucker exakt in Größe und Form gedruckt. Dieses physische Modell ermöglicht es den Chirurgen, die geplante Operation im Voraus zu simulieren. Der Nutzen ist enorm: Das optimale Implantat kann identifiziert, seine Position präzise festgelegt und der gesamte OP-Ablauf sicherer geplant werden. Für Patienten bedeutet dies ein Höchstmaß an Sicherheit und die Gewissheit, dass der Eingriff bereits einmal am Modell „live“ geprobt wurde.
Ermöglicht wird dieser effiziente Prozess durch die Forschungsarbeit von Hendrik Pott, der einen semi-automatisierten Workflow entwickelte, um die Datensegmentierung von vielen Stunden auf wenige Minuten zu verkürzen. Die Methode wurde aktuell im „Journal of Experimental Orthopaedics“ veröffentlicht (https://doi.org/10.1002/jeo2.70547).
Eine weitere Forschung befasst sich mit der robotischen Kniegelenkschirurgie. Hierbei spielt das Verständnis der individuellen Beinachse eine entscheidende Rolle. In Kooperation mit dem renommierten Senckenbergmuseum in Frankfurt am Main hat das Team die Beinachsen menschlicher Vorfahren, einschließlich der Neandertaler, analysiert. Diese Erkenntnisse verändern das Verständnis davon, was in der Anatomie als „normal“ oder „krankhaft“ gilt, und fließen direkt in moderne OP-Verfahren ein.