30/08/2025
Sehr geehrter Herr Ambrosy,
sehr geehrte Frau Hohmann,
sehr geehrte Mitglieder des Aufsichtsrates,
die Schließung des Krankenhauses in Varel ist noch nicht gänzlich abgewendet. Das Bündnis für das Krankenhaus Varel mit seinen politischen und gesellschaftlichen Akteur:innen, sowie die Bevölkerung kämpfen weiterhin für den Erhalt des Klinikstandortes. Auch die Petition: „Rettet das St.-Johannes-Hospital Varel – Für eine sichere, wohnortnahe Gesundheitsversorgung“ unter https://chng.it/bm7bNFV5kD zeigt den Willen der Bevölkerung auf. Es wurden mittlerweile fast 17.000 Unterschriften online und 2000 handschriftliche Unterschriften abgegeben.
Im Kreistag Friesland wurde am 02.07.2025 durch die ehrenamtlichen Abgeordneten entschieden, dass ein gemeinsames Zentralklinikum mit Wilhelmshaven als starke Lösung für eine moderne und wohnortnahe Gesundheitsversorgung in der Region errichtet werden soll. Die bestehenden Krankenhausstandorte in Wilhelmshaven, Sanderbusch und Varel werden dort zusammengeführt. Diese Arbeit wird voraussichtlich mindestens zehn Jahre dauern. Daher wurde ergänzend beschlossen, dass es bis zur Inbetriebnahme dieses Zentralklinikums ein verbindliches Krankenhauskonzept für die Übergangszeit geben müsse. Die Verwaltung und Geschäftsführung wurden laut Kreistagsbeschluss beauftragt, unverzüglich tragfähige und finanzierbare Modelle zur Sicherung der medizinischen Versorgung vor Ort zu erarbeiten, damit der Kreistag diese schnellstmöglich beschließen könne. Bis dahin werde es keine wesentlichen Veränderungen bezüglich der Standorte geben[1]. Die Ehrenamtlichen im Kreistag haben somit aufgrund des klar und beeindruckend zum Ausdruck gebrachten Bürgerwillens und der ihnen vorliegenden Daten die notwendigen Entscheidungen getroffen.
Damit diese Entscheidungen von allen Beteiligten auch als Ziel anerkannt werden, bedarf es einer transparenten, auf Vertrauen aufbauenden Kommunikation und gemeinsamen Planung verbunden mit einer abgestimmten Zeitachse. Dies betrifft vor allem die Mitarbeitenden, die aktuell aufgrund mangelnder Perspektiven individuell den Standort zu verlassen planen. Das Klinikteam braucht nun verlässliche Fakten. Hörensagen und verschlossene Türen sind nicht förderlich.
Die Mitarbeitenden wurden bisher ohne klare Perspektive sowie ohne eine offen kommunizierte Zeitachse in der Sommerpause allein gelassen. Das St. Johannes-Hospital und seine Beschäftigten haben sich über Jahre einen exzellenten Ruf erarbeitet, der weit über die Stadt- und Kreisgrenzen hinausgeht. Diese Fachkompetenz und auch das Vertrauen der Patient:innen und ihrer Familien in diese Klinik wurde erschüttert. Dem Fachpersonal wurde eine verlässliche Perspektive genommen, denn momentan werden offene Personalstellen nicht besetzt. Auch ehemaligem Personal, das gerne in die Klinik zurückkommen möchte, fehlt diese. Maßnahmen zum Abbau der entstandenen Unsicherheit und des gegenseitigen Misstrauens sind jetzt unbedingt notwendig. Eine transparente Kommunikation ist erforderlich. Ziele müssen gemeinsam abgestimmt werden. Dieses entspricht dem zum Ausdruck gebrachten Bürgerwillen. Dieses ist die gewünschte politische Kultur.
Mit dem Beschluss des Kreistags ist nun der erklärte Wille der Region, die Versorgung zu erhalten und Wirtschaftlichkeit zu ermöglichen. Wirtschaftlichkeit lässt sich nur gemeinsam durch erbrachte Leistung und gutes Management erreichen. Das Engagement und die Motivation der Mitarbeitenden ist hierfür der entscheidende Punkt, den es unbedingt zu erhalten gilt. Misstrauen bzw. Gefühle der Machtlosigkeit und Unsicherheit müssen dringend wieder abgebaut werden.
Wir weisen weiterhin darauf hin, dass durch eine mögliche Schließung der Gynäkologie, der Geburtenstation sowie des ambulanten OP-Zentrums und des MVZ:
Folgen für die Beschäftigten der Friesland-Kliniken am Standort Varel sowie für sämtliche Betriebe aus den Bereichen Zulieferung und Dienstleistung, die mit dem St. Johannes-Hospital zusammenarbeiten, entstehen
die Sicherung der geburtshilflichen Versorgung entfällt und dies somit auch Auswirkungen auf die Ansiedlung von Familien hätte
Der Hebammenverband Niedersachsen e.V. gibt außerdem zu bedenken: „Aus der Erfahrung der Kreißsaalschließungen anderer Orte wissen wir, dass das Personal nicht notwendigerweise an den neu angedachten Klinikstandort zieht oder pendelt. Abgewandertes Personal wechselt häufig die Tätigkeit, z.B. Hebammen gehen in die Freiberuflichkeit und stehen somit der Klinik ggf. nicht mehr zur Verfügung.“
In dieser Situation befindlich, haben wir folgende Forderungen an den Aufsichtsrat:
1. Sofortiger offizieller Beginn der Erstellung eines tragfähigen Konzeptes für die Übergangszeit bis zum Zentralneubau
2. Die zeitnahe Umsetzung der durch Herrn Ambrosy gemachten Zusage der Ausschreibung und Nachbesetzung der offenen Personalstellen und das Angebot der Wiedereinstellung an bereits abgewandertes Personal
3. Öffentliches Bekenntnis zum Klinikstandort Varel
4. Transparentes Vorgehen mit Einbeziehen der Bediensteten
Mit freundlichen Grüßen im Namen des Bündnisses für das Krankenhaus Varel
Hilke Schauland