"Geh Du vor", sagte die Seele zum Körper, "auf mich hört er nicht. "Ich werde krank werden, dann wird er Zeit für Dich haben",
sagte der Körper zur Seele.
© Ulrich Schaffer
(*1942), Fotograf und Schriftsteller
Der Schamanismus ist die älteste ganzheitliche Methode, derer sich Menschen über lange Zeiträume hinweg bedient haben. In der schamanischen Weltsicht ist der Mensch Teil des Kosmos und die
Wechselbeziehungen zwischen Mensch und den Mitgeschöpfen steht im Mittelpunkt des Interesses. Schamanen nehmen vor allem eine Vermittlerfunktion zwischen dem Diesseits und dem Jenseits, den Menschen und den Geistmächten, den Lebenden und jenen die bereits gegangen sind (Ahnen) wahr. Das ist existenzunabdinglich, da die Welten ein komplementäres Ganzes bilden, Wohl- und Fehlverhalten in ihren Auswirkungen niemals lokal auf einen beschränkt bleiben, sondern immer die anderen, das heißt die gesamte Natur mit beeinflussen. Im Schamanismus ist die Wissenschaft nur ein Erklärungsfaktor unter vielen. Sie steht mit anderen Erklärungsfaktoren in Beziehung, um Phänomene verschiedener Wissensebenen und miteinander verknüpfte Formen menschlicher Erfahrung, Wahrnehmung und Gefühle zu begreifen. Auch der Kosmos, in seinen Teilen wie als Ganzes, verfügt nach diesen Vorstellungen über einen Willen, ein Bewusstsein und über Empfindungen. Alle Erscheinungen dieses schamanischen Universums beeinflussen sich gegenseitig in unterschiedlichem Maße und mit unterschiedlicher Kraft. Der Schamanismus bietet die notwendige Verbindung zur Erde, zur ursprünglichen, lebendigen Erde (die Erde begriffen als Lebewesen), zum Lebensraum, in dem der Mensch nur eine der Möglichkeiten ist. Der Schamane arbeitet für eine harmonische, friedliche Welt von Mensch und Natur bzw. Die Natur braucht den Menschen nicht, aber der Mensch braucht die Natur.