02/04/2025
Die Sache mit unangeleiteten Tools und Therapieübungen:
Tools und Therapieübungen, die man zu Hause eigenständig durchführen kann, sind in großer Zahl vorhanden, was an sich eine nützliche Gelegenheit ist, um eigenverantwortlich an sich zu arbeiten. Soweit meine Meinung.
Jedoch gibt es bei dieser Form der Selbsterfahrung auch so manche Herausforderungen, die vielen nicht bewusst sind.
In bestimmten Situationen können Übungen äußerst förderlich sein. Sie bringen jedoch auch Veränderungen mit sich und können verschiedene Reaktionen hervorrufen.
Diese Prozesse sind positiv und eröffnen Möglichkeiten für Klarheit, Einsicht, Verarbeitung und Entwicklung. Bei diesen Erfahrungen spielt die Nachbesprechung aber eine entscheidende Rolle. Nur so kann das, was ausgelöst wurde, tatsächlich zu einem (Entwicklungs-)Prozess, Beruhigung, Regulation,… führen. Oft sind die Übungen so angelegt, dass eine professionelle Begleitung (!) notwendig ist, um ihr volles Potenzial zu entfalten.
Wenn wir eine im Internet gefundene Übung eigenständig durchführen oder von Person, die nicht vom Fach sind, einfach nur „empfohlen“ werden, bleibt oft ein wichtiger Teil ihrer möglichen Wirksamkeit ungenutzt. Wird dieselbe Übung später in einem therapeutischen Umfeld wiederholt, kann der Effekt deshalb oft schwächer ausfallen, da bereits zu viel „unreflektiert reflektiert“ wurde, wodurch ein Entwicklungsprozess gehemmt oder verzerrt werden kann.
Besonders instabile Personen, die sich in belastenden Phasen befinden oder an psychischen Erkrankungen oder bestimmten Persönlichkeitsstörungen leiden, könnten durch die eigenständige Durchführung solcher Übungen möglicherweise Panikattacken, Flashbacks, Dissoziationen, psychotische Episoden bis hin zu einer Dekompensation erleben. Behandler sollten deshalb immer sorgfältig auswählen, welche Methoden sie anwenden und dabei:
*den Belastungsgrad,
*die Diagnosen,
*die therapeutische Phase und
*die aktuelle Situation berücksichtigen.
Sollte es dennoch zu kritischen Situationen kommen – die sich nicht vollständig vermeiden lassen – müssen die Behandler wissen, wann sie unterstützend einzugreifen.
Manche Übungen lassen sich hingegen gut selbstständig durchführen. Hier können Behandler beratend zur Seite stehen, um zu entscheiden, welche Übungen unbedenklich genutzt werden können.