29/10/2023
Mein Favorit bei Erkältungen: Mädesüss- Tee
Aspirin, welch ein Welterfolg der Pharmazie!
Schmerzen? Unseren Vorfahren blieb damals nichts anderes, als sich Linderung aus der Natur zu beschaffen. Und genau eine dieser Pflanzen war der Ausgangspunkt zur Synthese des Aspirins, das heute noch den Namen dieser Blume in sich birgt:
Das Mädesüß…
…kein süßes Mädchen!
Die Ursprünge und Herleitungen unserer deutschen Pflanzennamen sind oftmals vordergründig nur schwer nachvollziehbar. Was mag etwa unser allseits bekanntes Mädesüß mit dem süßen Liebreiz eines Mädchens zu tun haben? In diesem Falle gar nichts! Vielmehr ist hier ein alter skandinavischer Name der Pflanze (nordisch: meduwurti) über das niederdeutsche medesoet im Deutschen zu Mädesüß verballhornt worden.
Eigentlich bedeutet der nordische Name zu deutsch Metwurz, haben doch die alten Nordmänner die stark duftenden Blüten ihrem Honigwein (Met) zugesetzt, um diesem einen angenehmen Geschmack zu verleihen. In England kam man auf diesem Wege zur ähnlich klingenden Abwandlung Meadowsweet (wörtlich: Wiesensüß) für unsere schöne Blume.
Blätter wie Ulmen…
Unser Mädesüß ist ein europäisch-asiatisches Florenelement, im Mittelmeerraum allerdings zu antiken Zeiten nicht verbreitet, weshalb es in den antiken Schriften keine Erwähnung findet. In unserer Region kommt die an Bodennässe gebundene Pflanze recht häufig in Auwäldern, an Ufern und in feuchten Wiesen vor. Ihr weiterer Name Rüsterstaude bezieht sich vermutlich auf die Ähnlichkeit der Zähnung ihrer Blattfiedern mit derjenigen von Ulmenblättern (Ulme = Rüster). Jedenfalls nimmt ihre wissenschaftliche Bezeichnung Filipendula ulmaria auf diesen deutschen Namen Bezug.
Der Ursprung des Gattungsnamens Filipendula basiert allerdings auf einer anderen Art, nämlich der Knolligen Rüsterstaude oder Erdeichel (Filipendula hexapetala), wegen deren an langen Wurzelfäden hängenden Knollen (an Fäden hängend: lateinisch: filipendula).
Wichtig (vgl. unten): Vor Jahren kannte die Wissenschaft unserer Blume noch unter dem Synonym: Spiraea ulmaria.
Ein Frauenkraut…
Der süße Duft der Blüten war unseren Vorfahren neben dem Aromatisieren von Met, Bier und Wein auch zum Einreiben ihrer Bienenstöcke von Nutzen, damit die Bienen ihr neues Zuhause leichter annehmen sollten. Alte Namen, wie Allerweltheel (Allerweltsheil) oder Föiwerkraut (Fieberkraut), belegen, dass das Mädesüß bereits seit langer Zeit als Heilpflanze genutzt wird. Insbesondere bei den so genannten Frauenleiden fanden die Blüten ihre Anwendung, vom Volksmund festgehalten durch alte Namensgebungen wie Frauwenkrud oder Bärmutterstrauss.
Aspirin, der Name der Blume…
Wenn sie auch heute nur noch eine recht unbedeutende Rolle in Schul- und Volksmedizin bei grippalen und rheumatischen Beschwerden spielt, so war sie doch der Ausgangspunkt für die außergewöhnliche Erfolgsgeschichte eines weltberühmten Arzneistoffes. Im Jahre 1839 wurde aus den Blütenknospen des Mädesüßes die Salicylsäure isoliert, benannt nach dem Salicin, einem ähnlichen Inhaltsstoff aus der Rinde einiger Weidenarten (botanische Gattung: Salix). In dem Wissen um die schmerzlindernde Wirkung des Mädesüßes und der Weidenrinde erkannte man diese Substanz schließlich als deren eigentlichen Wirkstoff.
Allerdings hatte die Salicylsäure einige unangenehme Nebenwirkungen. Eine kleine chemische Abwandlung dieses Stoffes im Hause der deutschen Chemiefirma Bayer ergab die Acetyl-Salicylsäure, welche sich als pharmakologisch noch wirksamer und mit weniger Nebenwirkungen behaftet erwies. 1899 brachte Bayer dieses Produkt als neues Schmerzmittel unter der Bezeichnung „Aspirin“ heraus, ein Markenname, der weltweite Beachtung erlangen sollte. Seine Zusammensetzung aus dem „A“ des Wirkstoffs Acetylsalicylsäure und „Spirin“ von Spiraea, soll an diesen alten botanischen Namen der Ausgangspflanze, unser Mädesüß, erinnern.
Fotos und Text: Wolfgang Stein, Saarbrücken
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