10/04/2026
Immer wieder aktuell!!
Vielleicht ist das hier kein Text für alle.
Vielleicht aber genau für dich.
Für die, die funktionieren – obwohl innen längst alles brennt.
Man sieht mich.
Und genau da beginnt das eigentliche Missverständnis.
„Du siehst doch gut aus.“
„So krank kannst du gar nicht sein.“
„Gestern ging es dir doch noch besser.“
Diese Sätze sind meist nicht böse gemeint.
Aber sie treffen. Tief.
Weil sie all das auslöschen, was man nicht sieht.
Chronisch krank zu sein bedeutet nicht, jeden Tag reglos im Bett zu liegen und offensichtlich zu leiden.
Es bedeutet, jeden einzelnen Tag mit dem eigenen Körper zu verhandeln.
Morgens aufzuwachen und zu spüren:
Wie laut ist der Schmerz heute?
Wie viel Energie habe ich überhaupt?
Was kostet mich jede Bewegung, jeder Gedanke, jedes Gespräch?
Der Schmerz ist nicht weg.
Er ist nur leiser.
Manchmal so leise, dass man ihn nach außen übertönen kann.
Mit einem Lächeln.
Mit Funktionieren.
Mit diesem Satz: „Ich krieg das schon hin.“
Und genau das ist das Problem.
Denn von außen sieht es dann so aus, als wäre alles gut.
Als wäre man gesund.
Als würde man übertreiben, wenn man später sagt: Ich kann nicht mehr.
Nur weil ich koche, heißt das nicht, dass mein Körper nicht brennt.
Nur weil ich einkaufe, heißt das nicht, dass ich danach nicht zusammenbreche.
Nur weil ich laufe, rede, lache, heißt das nicht, dass ich schmerzfrei bin.
Es heißt oft nur: Heute manage ich.
Mehr nicht. Und manchmal ist selbst das schon zu viel.
Chronisch krank zu sein heißt, ständig Entscheidungen zu treffen, die niemand sieht:
Gehe ich jetzt darüber hinaus – und zahle morgen den Preis?
Oder schütze ich mich – und gelte als faul, schwierig oder kompliziert?
Es heißt, sich immer wieder erklären zu müssen.
Warum man absagt.
Warum man langsamer ist.
Warum man Pausen braucht.
Warum Dinge, die für andere selbstverständlich sind, einen an die absolute Grenze bringen.
Das Schwerste ist oft nicht der Schmerz selbst.
Es ist das Nicht-Glauben.
Dieses subtile Augenrollen.
Dieses „Ach komm, so schlimm ist es doch nicht.“
Weil Krankheit offenbar sichtbar sein muss, um ernst genommen zu werden.
Unsichtbare Krankheit macht einsam.
Weil man sich ständig rechtfertigt.
Weil man sich schuldig fühlt, obwohl man nichts falsch gemacht hat.
Weil man lernt, stark zu wirken, um niemandem zur Last zu fallen.
Und während der Körper kämpft, kämpft die Seele gleich mit.
Gegen Zweifel.
Gegen Erwartungen.
Gegen den Druck, zu funktionieren, um akzeptiert zu werden.
Ich wünsche mir so sehr, dass wir aufhörenau, Gesundheit am Aussehen festzumachen.
Dass wir lernen zuzuhören, statt zu bewerten.
Dass wir Menschen glauben, wenn sie sagen: Es geht nicht.
Denn gut aussehen heißt nicht gesund sein.
Lächeln heißt nicht schmerzfrei sein.
Und funktionieren heißt nicht, dass alles okay ist.
Manchmal bedeutet „es geht mir gut“ einfach nur:
Ich bin noch da.
Ich halte durch.
Heute.
Und wenn du dich hier wiedererkennst:
Fühl dich gesehen.
Fühl dich verstanden.
Und fühl dich ganz fest umarmt. 🤍
MvM