27/03/2026
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Wir müssen uns heute einmal etwas von der Seele schreiben.
Die letzten Tage haben uns wieder gezeigt, wie sehr wir im Tierheim an unsere Grenzen stoßen – emotional, organisatorisch und ganz real, was unsere Kapazitäten betrifft. Wir sind voll. Mehr als voll. Und trotzdem hören die Abgabeanfragen nicht auf. Im Gegenteil: sie werden mehr. Und sie werden belastender.
Wir liegen nachts wach, weil wir nicht wissen, wohin mit all den Tieren, die Hilfe brauchen.
Die letzten zwei Tage allein haben uns sprachlos gemacht:
Ein schwer kranker Welpe, viel zu jung, wurde ursprünglich aus dem Ausland nach Österreich geholt. Dann war er plötzlich ungewollt. Eine Dame wollte helfen und hat den Hund zu sich genommen – ohne zu wissen, wie krank er tatsächlich ist. Schlussendlich hat sie den Hund bei uns abgegeben, weil sie die tierärztlichen Kosten nicht stemmen konnte. Und wir? Wir stehen da, sollen sofort einspringen – für ein Leben, das dringend Hilfe braucht.
Eine weitere Anfrage: Eine Hündin „passt nicht mehr“, weil sie nicht so sportlich und aktiv ist wie gewünscht. Die Vorstellung? Den Hund einfach „eintauschen“ gegen einen passenderen. Wir sind keine Tauschbörse. Tiere sind weder Gegenstände, noch Produkte, noch Sportgeräte, die man einfach austauscht, wenn sie nicht ins aktuelle Leben passen.
Und dann ein Hund, der quasi auf Knopfdruck aus dem Ausland „bestellt“ wurde – ohne ausreichende Information, ohne Vorbereitung. Es hat nicht funktioniert. Der Hund zeigt Probleme. Und jetzt soll er wieder weg.
Ein vierter Fall, der uns besonders wütend macht: Ein Herdenschutzhund wird uns als lieb, brav und völlig problemlos beschrieben. Doch durch Umwege erfahren wir ein ganz anderes Bild – der Hund ist alles andere als unkompliziert und bringt große Herausforderungen mit sich. Uns wird hier bewusst ein falsches Bild vermittelt, nach dem Motto: aus den Augen, aus dem Sinn – Hauptsache, das Problem ist schnell ausgelagert und man wird den Hund los.
Und eines wird dabei immer wieder deutlich: Viele dieser Hunde stammen aus dubiosen Quellen. Denn ein verantwortungsvoller Züchter oder ein seriöser Tierschutzverein würde nicht einfach wegschauen. Sie würden unterstützen, beraten und im Notfall auch Verantwortung übernehmen – anstatt Probleme weiterzuschieben und sich ihrer Verantwortung zu entziehen.
Das ist die Realität.
Und ja, es gibt immer wieder echte Notfälle. Menschen, die unverschuldet in Situationen geraten, in denen sie Hilfe brauchen. Dafür sind wir da. Dafür arbeiten wir.
Aber was aktuell passiert, ist etwas anderes.
Unüberlegte Entscheidungen. Spontankäufe. Hunde „auf Bestellung“. Keine Information, keine Beratung, keine Verantwortung. Und wenn es schwierig wird, sind wir die, die es auffangen sollen.
Und das Schlimmste ist: Die Leidtragenden sind immer die Tiere.
Wir wissen, dass dieser Beitrag vermutlich vor allem von Menschen gelesen wird, die sich ohnehin Gedanken machen, die verantwortungsvoll handeln und denen Tiere am Herzen liegen. Aber wir müssen es trotzdem sagen – laut, deutlich und ehrlich:
Bitte informiert euch. Bitte lasst euch beraten. Bitte überlegt euch genau, ob ein Tier wirklich in euer Leben passt – heute, morgen und in vielen Jahren.
Ein Tier ist kein Projekt. Kein Wunschobjekt. Kein Produkt.
Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Und wir wissen aktuell wirklich nicht mehr, wohin.
Und ja – wir sind frustriert. Frustriert, weil wir tagtäglich versuchen aufzuklären, zu informieren und Bewusstsein zu schaffen – und trotzdem das Gefühl haben, viel zu wenige Menschen zu erreichen. Während wir reden, passiert im Hintergrund immer weiter das Gleiche. Immer wieder werden dieselben Fehler gemacht. Immer wieder sind es die Tiere, die dafür bezahlen.
Und genau deshalb hören wir nicht auf, laut zu werden.
Euer Tierheim-Team 🐾