28/01/2026
Therapiebegleithunde brauchen mehr als gute Absichten
Vor Kurzem bin ich über einen Social-Media-Post gestolpert, in dem eine Psychotherapeutin beschreibt, dass sie ihren unausgebildeten Hund mit in die Therapie nimmt.
Das hat mich ehrlich gesagt beunruhigt, vor allem weil dieser Post extrem viele Likes bekommen hat.
Gerade in Österreich gibt es klare gesetzliche Vorgaben, dass Hunde, die im therapeutischen Setting eingesetzt werden, eine Therapiebegleithundeausbildung benötigen. Wenn diese Vorgaben nicht bekannt oder eingehalten werden, deutet das für mich weniger auf fehlende Sorgfalt als vielmehr auf eine Wissenslücke hin – und genau das ist problematisch.
Aus meiner Sicht stellt die Therapiebegleithundeausbildung einen zentralen Qualitätsstandard dar. Sie ist kein formaler Selbstzweck, sondern eine fachliche Grundlage für verantwortungsvolle tiergestützte Arbeit. Dazu gehört auch die klare Erkenntnis, dass nicht jeder Hund für den therapeutischen Einsatz geeignet ist, unabhängig davon, wie gut erzogen oder wie „lieb“ er ist.
Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Gesundheit des Hundes.
Im Rahmen einer fundierten Therapiebegleithundeausbildung gibt es regelmäßige, meist jährliche Gesundheitsüberprüfungen, um sicherzustellen, dass der Hund körperlich und psychisch für diese Arbeit geeignet bleibt. Das schützt Klient:innen und vor allem den Hund selbst.
Therapiebegleithunde sind zudem keine Familienhunde, die einfach mitgenommen werden, sondern Hunde, die neben der Grunderziehung und dem Alltagstraining eine dritte, spezialisierte Ausbildung absolvieren und von einer externen Kommission geprüft werden.
Die Therapiebegleithundeausbildung ist fachlich zentral, weil sie
• rechtliche Absicherung für Therapeut:innen schafft,
• den Schutz und das Wohl des Hundes sicherstellt,
• die Wahrnehmung feiner Stress-, Regulations- und Kontaktsignale schult,
• und therapeutisches Material zugänglich macht, das sonst oft ungenutzt bleibt.
Denn gerade in der Therapie passiert viel in passiven Begegnungen.
Der Hund ist im Raum, reguliert, reagiert, spiegelt Dynamiken. Damit diese Prozesse therapeutisch sinnvoll genutzt und gemeinsam mit Klient:innen reflektiert werden können, braucht es eine fundierte Ausbildung der psychotherapeutischen Fachkraft.
Tiergestützte Therapie bedeutet Verantwortung, für Klient:innen, für den Hund und für unseren Berufsstand.