04/02/2018
"Mami Muh nam nam Eu" - Mami schau die Kuh frisst Heu -
Die Logopädin in der Mutter
fast 4 Monate sind vergangen, seit ich davon berichtet habe, dass meine Tochter in der Lage ist 57 „Wörter“ zu sprechen. Mir ist schon klar, dass nur wenige die Begeisterung für den Spracherwerb meiner Tochter teilen werden – dennoch – mein Enthusiasmus zwingt mich dazu zu erwähnen, dass sie sich im Moment in einer besonders spannenden Phase des Spracherwerbs befindet.
All jene, die mich persönlich näher kennen, werden sich jetzt nicht wundern, wenn ich sagen kann, dass meine Tochter bis zum Erreichen der magischen 50-Wort-Grenze eine Erwerbsgeschwindigkeit von Durchschnittlich einem Wort alle 6,58 Tage hatte.
Allen anderen, die sich womöglich wundern, kann ich keine Erklärung bieten.
So, nun zu etwas Theorie. Kinder lernen Sprache, wie ich schon mehrfach berichtet habe, ja sozusagen nebenbei. Der Anstieg des Lexikonerwerbs verläuft zu Beginn sehr langsam. Zirka mit 12 Monaten beginnen Kinder die ersten Wörter zu sprechen. Dann lernen sie etwa 2 bis 3 Wörter im Monat.
Und dann passiert etwas, dass ich, schon als ich nur theoretisch davon gehört habe, äußerst erstaunlich und für nur wenig realistisch hielt. Der sogenannte Wortschatz-Spurt setzt ein. Und dieser beschreibt sozusagen eine Phase, in der Kinder rezeptiv bis zu 20 neue Wörter am Tag lernen. Rezeptiv meint dabei die Fähigkeit Wörter zu verstehen. Außerdem sollen Kinder in dieser Phase mehr als 5 neue Wörter pro Tag sprechen.
Unmöglich! Völlig ausgeschlossen, dachte ich mir. Bis zu dem Zeitpunkt, da meine Tochter mit dem Vokabelspurt loslegte. Und das passierte ziemlich zeitgleich mit dem Erreichen der 50-Wort-Grenze. Dann lernte sie an einem Tag mal 3 neue Wörter, mal 5 neue Wörter und dann waren es plötzlich 24 neu gelernte Wörter an einem Tag. Unfassbar! Was für eine Leistung! Ich freue mich jeden Tag darauf, was ich heute wieder Neues zu hören bekomme. Und täglich staune ich über diese Leistungsfähigkeit. Wie ein Schwamm saugt sie alles, was um sie herum gesprochen wird auf. Und nicht nur, dass sie sich sofort merkt, was da so gesprochen wird, nein sie kann das Gehörte auch gleich selbst verwenden.
Heute ist der 04.02.2017, 13:22 Uhr und meine Tochter spricht, auf das Wort genau 200 Wörter. Am Ende des Tages wird sich die Zahl vermutlich wieder erhöht haben. Und ich liebe es ihr zuzuhören und zu beobachten, wie ihre Erzählfähigkeit von Tag zu Tag wächst. Das man mit einem aktiven Wortschatz von „nur“ 200 Wörtern schon Geschichten erzählen kann, mag einige von euch verwundern. Aber so ist es. Nicht nur, dass sie erzählen kann, was sie bei Oma und Opa erlebt hat, sie kann auch Bücher, die wir gelesen haben „nacherzählen“ und das alles, obwohl sie derzeit maximal in der Lage ist 3-Wort-Sätze zu bilden. Wenn ich mein Kind dann aber nach einem Besuch von Oma und Opa abhole und sie mir erzählt: „Opa Amma, bum bum putt“, dann weiß ich als Mutter mit geübtem Ohr, dass Opa wohl wieder am Arbeiten war. Dabei hat er wohl mit dem Hammer Tätigkeiten ausgeübt, die meiner Tochter den Eindruck vermittelten, er würde etwas kaputt machen. Ich weiß freilich auch, dass Opa bestimmt versucht hat etwas zu reparieren. Ob das auch gelungen ist kann ich wiederum nicht mit Sicherheit sagen.
Am Ende dieses aktuellen Sprachstandberichtes meiner Tochter folgt nun noch eine kurze Information zum Thema frühkindliche Sprachentwicklung. Ab wann verläuft die Sprachentwicklung womöglich nicht altergemäß. Ich möchte darauf hinweisen, dass es auch im Spracherwerb eine sehr starke Variabilität gibt. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo und entwickelt sich nach seinen eigenen Fähigkeiten. Ich möchte Eltern auch ermutigen, ihrer elterlichen Intuition zu vertrauen und ihre Kinder nicht laufend mit anderen zu vergleichen.
Aber trotz allem gibt es bestimmte Fixpunkte in der sprachlichen Entwicklung, die Kinder zu einem bestimmten Zeitpunkt erreichen sollen. Im Regelfall erreichen Kindern um das 18 Lebensmonat die 50-Wort-Grenze. Spricht das Kind mit 24 Monaten noch keine 50 Wörter, dann ist dies ein Hinweis auf eine mögliche Sprachentwicklungsverzögerung. Ein weiterer Hinweis ist das Ausbleiben des oben beschriebenen Wortschatz-Spurts. Wenn also nach den ersten 50 Wörtern das schnelle Wachstum des Wortschatzes ausbleibt. In diesen Fällen empfiehlt es sich mit dem Kinderarzt oder einem Logopäden/Logopädin Kontakt aufzunehmen.
Liebe Grüße Denise