18/11/2025
Kinderschutz beginnt früher, als viele denken
In letzter Zeit kommt es bei mir in der Praxis vermehrt zu Begutachtungen für Jugendämter und Familiengerichte. Ein zentrales Thema ist - leider viel zu oft - das lange Wegsehen wenn es um das Thema Gewalt an Kindern geht: physische und psychische Gewalt an Kindern und Jugendlichen ist eine schwere Straftat, die bei den Betroffenen zu Entwicklungsstörungen, Angsterkrankungen, Panikattacken, Depressionen, Dissoziation und Trauma führen können - weit in das Erwachsenenleben hinein. In sehe täglich Kinder und Jugendliche, die schweren körperlichen und psychischen Gewalttaten ausgesetzt waren. Schaut nicht weg - als PädagogInnen, FreundInnen, NachbarInnen und Fremde.
🧡 Doch Kinderschutz ist nicht nur ein großes Wort für extreme Fälle.
Kinderschutz beginnt jeden Tag — im Kleinen. 🧡
Als Klinische Kinder- und Jugendpsychologin sehe ich häufig Situationen, in denen Eltern sagen:
„Ich weiß nicht, ob das schon schlimm genug ist, um etwas zu tun…“
Die Wahrheit ist:
Kinderschutz beginnt lange bevor ein Kind körperlich verletzt wird.
Kinderschutz heißt, ein Auge auf die seelische Gesundheit zu haben.
💛 Kinder brauchen Schutz vor:
– Überforderung, die sie überrollt
– Abwertenden Worten, die Spuren hinterlassen
– Ständiger Kritik ohne Wärme
– Emotionen, die sie allein tragen müssen
– Erwachsenen, die ihre Grenzen missachten
– Situationen, die Angst statt Sicherheit erzeugen
Manchmal sind es nicht die lauten Gefahren.
Oft sind es die leisen.
✨ Was Eltern konkret tun können:
1. Grenzen ernst nehmen
Wenn ein Kind „Nein“ sagt — zu Körperkontakt, zu einem Witz, zu einer Situation —
dann ist dieses Nein wichtig.
Das stärkt ihre spätere Fähigkeit, sich selbst zu schützen.
2. Gefühle nicht kleinreden
„Stell dich nicht so an“ ist kein Schutz.
„Ich sehe, dass es dir schwerfällt“ ist echter Halt.
3. Verlässlichkeit leben
Kinder brauchen das Gefühl:
„Ein Erwachsener ist da, wenn ich ihn brauche.“
Das schafft innere Sicherheit.
4. Überlastung erkennen
Ein Kind, das ständig „brav“ wirkt, kann innerlich brennen.
Kinderschutz heißt auch:
achtsam sein bei Rückzug, Schlafproblemen, plötzlicher Wut, Bauchweh.
5. Hilfe holen, bevor es eskaliert
Ein Kind muss nicht am Boden liegen, damit Unterstützung gerechtfertigt ist.
Manchmal reicht ein kurzer professioneller Blick, um viel Leid zu verhindern.
💬 Und vielleicht das Wichtigste:
Kinder müssen spüren, dass sie wertvoll sind —
nicht, weil sie funktionieren,
sondern weil sie existieren.
Kinderschutz heißt:
Wir sehen die Kinder.
Wir hören ihnen zu.
Wir glauben ihnen.
Wir stehen vor ihnen —
und hinter ihnen.
Jeden Tag ein bisschen mehr. 🧡