18/09/2025
Wie Achtsamkeit in der Physiotherapie hilft und warum sie ein Gewinn für Patient*in und Therapeut*in sein kann. Teil 2.
Achtsamkeit ist vielleicht keine schnell wirksame Wunderpille, aber nachweislich hilft sie- bei regelmäßiger Übung- gegen Stress, Schmerz und depressive Symptome (und wird noch bei einer Menge anderer Probleme erfolgreich eingesetzt). Der Modus des achtsamen Gewahrseins bringt uns in eine Position, in der wir unseren emotionalen oder körperlichen Schmerz eher beobachten und uns damit in gewisser Weise davon distanzieren können. Das verändert vielleicht nicht den Schmerz an sich, aber es entsteht dadurch die Chance…
… wahrzunehmen, wie der Schmerz wirklich ist
… dass er vielleicht nicht so gefährlich ist, wie wir denken
… dass er von Gedanken begleitet wird, zum Beispiel von Ängsten über die möglichen Konsequenzen (und das kann zusätzlichen Stress verursachen)
… dass wir unseren Fokus darauf, aber auch davon weglenken können
Hier eine einfache Übung dazu: „Fokus lenken“
Nimm eine bequeme Position ein. Schließ die Augen, nimm ein paar Atemzüge und komm in der Position zur Ruhe. Lenke deine Aufmerksamkeit auf deinen Körper und nimm wahr, ob du irgendwo Schmerz, Spannung, Unruhe, Ziehen oder etwas Anderes spürst. Versuche, deine Wahrnehmung zu ergründen: Wie fühlt sich das genau an? Kribbelt, brennt oder pulsiert es? Breitet es sich aus, ist es punktuell? Welche Gedanken und Gefühle begleiten das Körpergefühl?
Dann lenke deinen Fokus auf eine neutrale Körperstelle, zum Beispiel dein linkes Ohrläppchen, den rechten kleinen Finger oder woanders, wo du gerade nichts Besonderes spürst. Schenke diesem Bereich deine ganze Aufmerksamkeit und stelle dir dieselben Fragen- wie genau fühlt es sich hier an, und welche Gefühle und Gedanken begleiten diese Wahrnehmung?
Wann immer deine Wahrnehmung woanders hinwandert, kannst du dich entscheiden, ob du dorthin deinen Fokus lenken willst, oder ob du deine Aufmerksamkeit auf eine andere Körperstelle lenken willst.
Diese Übung hilft dabei, zu erkennen, dass wir- wenn auch erst nur für kurze Momente- in der Lage sind, unseren Fokus aktiv zu wählen, und dass es Bereiche in uns gibt, die in diesem Moment in Ordnung sind. Du kannst sie für dich selbst einsetzen oder im therapeutischen Kontext deinen Patient*innen anleiten.
Wie bei jedem Training wächst die Fähigkeit zur Achtsamkeit mit jeder einzelnen Wiederholung.