26/04/2026
**ADHS, Autismus und Hochsensibilität – wirklich mehr geworden oder nur besser sichtbar?**
„Heute hat doch plötzlich jeder ADHS.“
„Autismus ist doch inzwischen eine Modediagnose.“
„Hochsensibel heißt doch einfach empfindlich.“
Solche Sätze hören wir immer wieder.
Und ja: Die Begriffe sind heute viel präsenter als früher. In Familien, Schulen, sozialen Medien, in der Arbeitswelt – und auch in der therapeutischen Praxis.
Aber daraus zu schließen, dass alles nur ein Trend ist, wäre zu einfach.
ADHS und Autismus sind keine Modebegriffe. Sie gehören zu den neuroentwicklungsbedingten Störungsbildern. Das bedeutet: Es geht nicht um „zu wenig Disziplin“, „schlechtes Benehmen“ oder „sich wichtig machen“.
Es geht um Unterschiede in Aufmerksamkeit, Impulssteuerung, sozialer Kommunikation, Wahrnehmung und Reizverarbeitung.
Warum werden heute mehr Menschen diagnostiziert?
Nicht einfach, weil plötzlich mehr Menschen „krank“ sind. Sondern auch, weil wir heute genauer hinschauen.
Diagnostische Kriterien haben sich verändert. Fachpersonen sind besser geschult. Eltern, Lehrer:innen und Betroffene erkennen Anzeichen früher. Und viele Menschen, die früher als „schwierig“, „verträumt“, „stur“, „überempfindlich“ oder „komisch“ galten, bekommen heute zum ersten Mal eine Erklärung für etwas, das sie oft schon ihr Leben lang begleitet.
Gleichzeitig braucht es Differenzierung.
Nicht jede Unruhe ist ADHS.
Nicht jede soziale Unsicherheit ist Autismus.
Nicht jede Reizüberforderung ist Hochsensibilität.
Genau deshalb ist eine sorgfältige Abklärung so wichtig.
Hochsensibilität ist noch einmal anders einzuordnen. Sie ist keine klinische Diagnose wie ADHS oder Autismus. Eher beschreibt sie ein Persönlichkeitsmerkmal: eine erhöhte Empfindsamkeit gegenüber Reizen, Stimmungen und inneren Eindrücken.
Für manche Menschen ist dieses Konzept sehr entlastend. Endlich gibt es Worte für das Gefühl, schnell überreizt zu sein, Stimmungen stark wahrzunehmen oder nach sozialen Situationen völlig erschöpft zu sein.
Aber: Hochsensibilität ersetzt keine Diagnostik.
Denn hinter Erschöpfung, Rückzug, Überforderung oder Reizempfindlichkeit kann vieles stehen: ADHS, Autismus, Angst, Depression, Traumafolgen, chronischer Stress – oder eben eine sensible Verarbeitungsweise ohne Krankheitswert.
Die entscheidende Frage ist also nicht:
„Ist das jetzt Mode oder echt?“
Sondern:
Was erlebt dieser Mensch wirklich?
Seit wann besteht es?
Wo zeigt es sich?
Wie stark belastet es den Alltag?
Und welche Unterstützung wäre tatsächlich hilfreich?
Manchmal ist eine Diagnose entlastend.
Manchmal braucht es gar kein Etikett, sondern ein besseres Verständnis.
Und manchmal zeigt sich erst in einer sorgfältigen Abklärung, was wirklich hinter den Beschwerden steht.
Ein Label allein heilt nicht.
Aber Verstehen kann entlasten.
Es kann Scham reduzieren.
Es kann erklären, warum jemand trotz großer Anstrengung immer wieder an Grenzen stößt.
Warum Schule, Arbeit oder Beziehungen so viel Kraft kosten.
Warum Reize zu viel werden.
Warum jemand sich jahrelang „falsch“ gefühlt hat.
Unser Ziel sollte nicht sein, Menschen vorschnell einzuordnen.
Aber auch nicht, ihr Erleben abzutun.
Zwischen „Das ist alles nur Mode“ und „Ich habe mich in einem Video wiedererkannt, also ist es sicher ADHS“ liegt der wichtigste Raum:
der Raum für sorgfältiges Hinschauen.
Für Diagnostik.
Für Differenzierung.
Für Verständnis.
Und für Begleitung, die nicht beschämt, sondern stärkt.
Dieser Beitrag entstand auf Basis einer KI-gestützten Recherche und wurde von unserer fachlichen Leitung umfassend geprüft, ergänzt und redaktionell überarbeitet.