24/02/2026
Hebamme Eva Schranz erzählt:
Ich warte auf eine ganze besondere Geburt: Mein Bruder und seine Frau erwarten ihr 2. Kind. Damals beim 1. Kind gab es das Geburtshaus noch nicht und ich war ihre Wahlhebamme im KH.
Um 5:02 am Faschingdienstag bekomme ich eine Nachricht von A. - genau am Geburtstermin. Sie spürt seit 1,5h immer wieder mal eine leichte Wehe, inzwischen alle 6-8min. Schlafen kann sie so nicht mehr, wir bleiben in Kontakt.
Nachdem ich noch schnell meine Kinder geschminkt und verkleidet habe, treffe ich die werdenden Eltern schließlich um 8:00 im Geburtshaus. Ihr Sohn wurde von Oma abgeholt. Auch Hebammenstudentin Josephine haben wir wieder dabei. Inzwischen kommen die Wehen alle 3min und sind so intensiv, dass A. sie schon konzentriert veratmen muss. Ihr Blutdruck und die Herztöne des Babys sind wunderbar und sie setzt sich auf die Bettkante. Falls sie später ins Wasser möchte, lasse ich schon mal die Badewanne ein.
Mal veratmet sie ein paar Wehen stehend, hängt sich ans Tuch und bewegt sich intuitiv, mal setzt sie sich wieder aufs Bett. Lebhaft bewegt sich das Baby im Bauch, man sieht es deutlich von außen.
Ihre 1. Geburt war sehr lang und schwierig. Diesmal habe ich einen anderen Eindruck, denn die Wehen werden rasch immer intensiver. Bald fühlt sie sich in keiner Position mehr richtig wohl, in die Badewanne möchte sie auch nicht. Eine Weile geht sie im Gang herum, dann aufs WC. Zurück im Geburtszimmer sagt sie ihrem Mann plötzlich, er soll die Musik abdrehen. Die Wehen verlangen mittlerweile volle Konzentration. Sie beginnt ein bisschen zu zweifeln, ob sie das schafft. Ich glaube, dass sie schon ganz viel geschafft hat und schlage ihr deshalb eine Untersuchung vor. Es ist 10:20 Uhr. Sie stimmt zu und freut sich sehr über 8cm. Sie kann kaum glauben, dass es diesmal so viel schneller geht.
Wenig später spürt sie auch schon, wie das Baby mit jeder Wehe nach unten drückt, aber noch kann sie veratmen. Alle 2min meistert sie eine neue intensive Wehe. Um 11:30 glaubt sie, sie kann nicht mehr - typisch Übergangsphase. Trotzdem arbeitet sie weiter, ich motiviere sie. Manchmal spürt sie schon einen kurzen, unwillkürlichen Schiebeimpuls während der Wehe. Um 12:20 kommt Valeria als 2. Hebamme dazu. A. schiebt immer mehr mit, beim 2. Kind kann es jetzt schnell gehen. Doch wir müssen uns noch gedulden. A. kniet auf der Matte, ich gebe ihr in der Wehe Gegendruck am Kreuzbein. Valeria kontrolliert regelmäßig die Herztöne.
Um 13:08 ist der Muttermund 10cm offen - ein Meilenstein! Aber A. plagt sich immer mehr. Das Mitschieben ist so anstrengend, langsam verzagt sie und fühlt sich erschöpft. Zwischendurch trinkt sie immer wieder und isst ein paar Bissen Banane. Sie möchte, dass das Baby jetzt endlich kommt! Daher versuchen wir ein paar Wehen in der tiefen Hocke. Sie schiebt mit aller Kraft, sie kann gar nicht anders. Da das Baby trotzdem kaum tiefer kommt, was mich wundert, und A. sich so sehr wünscht, dass sie es bald geschafft hat, biete ich ihr an, die Fruchtblase zu öffnen, wenn sie das möchte. Sofort stimmt sie zu. In der nächsten Wehe um 13:40 ritze ich die Fruchtblase leicht an und sie platzt spektakulär, mein Bruder ist beeindruckt. Jetzt geht es schneller voran, sofort rutscht der Kopf tiefer. A. wechselt wieder in eine kniende Position und stellt ein Bein auf. Das Baby hat weiterhin einwandfreie Herztöne und ist kein bisschen gestresst. Schon kann ich den Hinterkopf des Babys erahnen und motiviere A., genau so weiterzumachen. Wir sind auf der Zielgeraden! Kraftvoll schiebt sie das Köpfchen tiefer und tiefer, immer mehr vom Kopf wird sichtbar. Um 14:00 beginnt in der Stadt wenige Meter weiter der Faschingsumzug - und das Köpfchen wird geboren. Ein letztes Mitschieben von A. und eine Minute später fange ich ein kräftig schreiendes Bündel auf. Ich lege das große Baby vor ihr auf die Matte. Es sieht seinem Bruder sehr ähnlich! Die Freude ist riesig, auch ich vergieße ein paar Freudentränen. Willkommen auf der Welt, kleiner Neffe! A. schließt ihr Baby in die Arme und pures Glück herrscht im Geburtszimmer. Dass das Baby eher schwer ist, sieht man auf den 1. Blick, aber als wir es ca. 2 Stunden später auf die Waage legen und diese 4400g anzeigt, sind wir doch alle sehr überrascht. So ein Schwergewicht! A. hat die Geburt trotzdem perfekt gemeistert. Du kannst sooo stolz auf dich sein! Herzlichen Glückwunsch! 🥰