13/11/2025
Bei mir sein – das war lange einer der schwersten Wege, die das Leben mir gezeigt hat. Immer wieder stand ich vor der stillen Frage: Wirst du heute auf deiner eigenen Seite stehen? Und so oft tat ich es nicht. Ich stellte andere über mein eigenes Herz, glaubte ihren Stimmen mehr als meiner inneren Wahrheit. Besonders in meiner Arbeit habe ich mich selbst verlassen – wenn ich tat, was andere von mir erwarteten, wenn ich ihre Urteile über meine eigenen Gefühle stellte, wenn ihre Kritik lauter wurde als mein Vertrauen in mich.
Erst heute beginne ich zu begreifen, dass das wahre Bei-sich-Sein ein Akt tiefer Zärtlichkeit ist. Es bedeutet, mir selbst die Hand zu reichen, auch dann, wenn niemand sonst es tut. Es bedeutet, leise zu sagen: Ich gebe mein Bestes – und das reicht. Es bedeutet, mir mit Milde zu begegnen, statt mich zu verurteilen, und darauf zu vertrauen, dass mein Weg, so unperfekt er manchmal wirkt, genau der richtige ist.
Lange dachte ich, ich müsste es allen recht machen, müsste Erwartungen erfüllen, mich fügen, anpassen, beweisen. Doch die Wahrheit ist viel sanfter: Ich muss nichts von alledem. Ich darf einfach ich sein – ungeschönt, wahrhaftig, unvollkommen und doch ganz.
Bei sich zu sein heißt, dem eigenen inneren Kompass zu folgen, der manchmal flüstert und manchmal schweigt, aber immer weiß. Es heißt, Verantwortung für das eigene Herz zu übernehmen und den Mut zu finden, auch dann bei sich zu bleiben, wenn andere eine andere Vorstellung haben.
Und während ich lerne, mich selbst nicht mehr zu verlassen, spüre ich, wie der Widerstand der Welt kleiner wird. Je stärker ich hinter mir stehe, desto weniger fühlt sich etwas gegen mich an. Es ist, als ob das Leben genau darauf gewartet hätte, dass ich mich endlich selbst wähle.
Heute danke ich all jenen, die mich kritisiert, in Frage gestellt oder in Richtungen schieben wollten, die nicht die meinen waren. All diese Begegnungen haben mich wachsen lassen. Sie haben mich gelehrt, klarer zu sehen, deutlicher zu spüren, mutiger zu entscheiden.
Ich weiß jetzt, was mir guttut, was meinen Weg stärkt, was meinem Herzen entspricht. Ich weiß, aus welchem inneren Raum ich handle. Und ich weiß, dass ich nur das tun werde, was sich wahr anfühlt – oder gar nicht.
Bei mir zu sein ist kein Kampf, sondern ein Geschenk. Ein leises Nach-Hause-Kommen. Und ich nehme es liebevoll an.❤️