Psychologische Praxis Stadtneurotiker

Psychologische Praxis Stadtneurotiker Die Psychologische Praxis Stadtneurotiker bietet eine Anlaufstelle für Menschen mit psychischen Belastungen sowie Erkrankungen.

Das Angebot umfasst psychologische Therapie und Beratung, Traumatherapie, Diagnostik, Supervision und Coaching.

Affektverflachung - normal oder auffällig? Manche fühlen intensiv. Andere leise. Dann gibt es diese Phasen, in denen all...
07/04/2026

Affektverflachung - normal oder auffällig?

Manche fühlen intensiv. Andere leise. Dann gibt es diese Phasen, in denen alles irgendwie...flach wirkt. Kein richtiges Hoch, kein richtiges Tief.
Wann ist es ein normaler Teil meiner Persönlichkeit und wann ein ernst zu nehmendes Zeichen?

Unser Temperament führt zu einem unterschiedlichen Reaktionsniveau. Manche reagieren intensiv & schnell, andere ruhiger & langsamer. So reagiert auch unser Gehirn je nach Verschaltung der Netzwerke (für Stress & Emotionen) auf Reize mit stärkeren/schwächeren Emotionen. Werden Emotionen in unserer Entwicklung kaum gespiegelt oder abgelehnt, lernen wir, unsere Gefühle runterzuregulieren. Affektverflachung kann als Selbstschutz dienen um überwältigenden Emotionen oder Unsicherheit entgegenzuwirken. Der Fokus richtet sich dann auf Kognitionen statt Emotionen.

Sind meine Emotionen mir grundsätzlich zugänglich, auch wenn schwach ausgeprägt? Können sie je nach Situation variieren? Bin ich dazu in der Lage, Beziehungen einzugehen und zu halten? Ist es mir möglich, längerfristig einer Arbeit nachzugehen? Kann ich meinen Alltag organisieren und auf meine Selbstfürsorge achten?
Dann handelt es sich vermutlich um einen Persönlichkeitsstil und darf so sein, wie er sich zeigt.

Sind meine Emotionen hingegen schwer greifbar bzw. gedämpft...
Beziehungen unterschiedlicher Art irreführend oder distanziert...
Führt Stress zu emotinaler Leere oder Taubheit...
Ist dies alles neu für mich und belastend?
Dann sollte es ernst genommen werden, da es Anzeichen einer psychischen Belastung darstellen könnte. Anhaltender Stress, Überforderung, Verlust, Schutzmechanismus,...die Gründe können unterschiedlich sein.

Hält die Affektverflachung an und ist intern sowie extern wahrnehmbar? Kann ich meinen Alltag kaum bewerkstelligen? Bin ich nicht mehr dazu in der Lage, Sozialkontakte zu pflegen und Beziehungen zu halten?
Dann besteht ein psychopathologischer Verdacht, der bei Bestätigung behandlungsbedürftig ist. Affektive Störungen, Traumafolgestörungen, Störungen aus dem schizophrenenen Formenkreis, Persönlichkeitsstörungen, medikamentöse Nebenwirkungen, neurologische Ursachen,...können dahinter stecken.

Wir nehmen wieder Klinische PsychologInnen, PsychotherapeutInnen und Lebens- & SozialberaterInnen ins Team auf! Die neue...
20/03/2026

Wir nehmen wieder Klinische PsychologInnen, PsychotherapeutInnen und Lebens- & SozialberaterInnen ins Team auf! Die neue Zweigstelle der Gemeinschaftspraxis STADTNEURoTiKER befindet sich in der Gentzgasse 44, 1180 Wien. Auf 115qm erstrecken sich 3 Therapieräume, ein geräumiger Wartebereich für KlientInnen, eine vollausgestattete BehandlerInnenküche mit angrenzender Lounge, ein großzügiges Badezimmer in dem auch ein Wickeltisch anzutreffen ist (außerdem kann man dort Leo, unseren Praxis-Oktopus besuchen). Ebenso gibt es zwei abschließbare Abstellkammern (mit Regalen), in denen Arbeitsmaterialen verstauet werden können. Drucker und Internet sind vorhanden.

Raum "Weißer Riese": Neben der liebevoll gestalteten Rauminstallation aus einem weiß lackierten Apfelbaum findet sich auch die klassische Therapiecouch hier wieder. Wir haben sie neu interpretiert und unsere eigenen Ideen sowie Erfahrungen mit einfliesen lassen. (1 Couch, 1 BehandlerInnensessel, Schreibtisch inkl. Stuhl)

Raum "Seele baumeln lassen": Viele Pflanzen. In allen Größen und Formen. Ergänzt aus einem spannenden Mix aus selbstgebauten Möbeln, harmonisierenden natürlichen Farbtönen und als Highlight lädt eine große Indoorhängematte zum Verweilen ein. Dieser Raum lässt sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Gruppenraum umgestalten. (2 KlientInnensessel, 1 BehandlerInnensessel, Schreibtisch inkl. Stuhl, Hängematte)
Raum "Kunstfisch": Orange und Türkis beleben diesen Kreativtherapieraum und finden sich in unterschiedlichsten Elementen wieder. Hier eine begrünte Rauminstallation, da ein großes Gemälde, darunter verweilt die Walfisch Skulptur... es gibt viel zu entdecken. In einem angrenzenden Zweitraum befindet sich eine große Malwand, wo sich Träume auf Papier bringen lassen. (2 KlientInnensessel, 1 BehandlerInnensessel, Schreibtisch inkl. Stuhl, Malwand)

Fehlende Kindheitserinnerungen Liegt keine somatische Ursache für einen Erinnerungsverlust hinsichtlich Teilen des Leben...
16/12/2025

Fehlende Kindheitserinnerungen

Liegt keine somatische Ursache für einen Erinnerungsverlust hinsichtlich Teilen des Lebens vor, kommt in Therapien häufig der Verdacht auf eine Traumatisierung auf (u.a. Dissoziative Amnesie). Es muss jedoch keine PTBS gegeben sein, um dies zu erleben.

Oftmals besteht im Hintergrund ein Bindungstrauma einschließlich schwachem episodischem Gedächtnis. Verantwortlich kann hierfür emotionale Vernachlässigung sein, indem Bezugspersonen nicht dazu in der Lage sind, Emotionen adäquat zu spiegeln und geringe Mentalisierungsfähigkeiten aufweisen. Wird Erlebtes im Geschehen sowie der Narrative kaum emotional eingebettet, wird auch die zugehörige Erinnerung wenig affektiv enkodiert. Ohne emotionalen Bezug werden die Erinnerung als nicht bedeutsam eingeordnet und können schwieriger reproduziert werden. Beobachten lässt sich dies insbesondere bei unsicheren Bindungsstilen sowie Persönlichkeitsstörungen mit starkem Fokus auf Leistung und Kontrolle (z.B. zwanghafte/narzisstische Anteile). Mitunter besteht eine Alexithymie, wodurch die geringe Affektdifferenzierung zu genereller Detailarmut an Erinnerungen führt.

Bei Neurodivergenz werden ebenfalls oftmals Gedächtnislücken beobachtet. Dies liegt an Schwierigkeiten in der Strukturierung, dem Abruf sowie der Einordnung von Bedeutungen.
Auf dem Autismus-Spektrum liegt der Fokus häufig auf dem semantischen Gedächtnis. Durch Einbußen im Ich-Bewusstsein rückt das episodische Gedächtnis in den Hintergrund und autobiographische Erinnerungen zeigen sich in der Narrative wenig verfügbar.
Bei ADHS steht die fluktuierende Aufmerksamkeit häufig in Zusammenhang mit Schwierigkeiten in der Enkodierung sowie Desorganisation der Zeitspanne. Insbesondere neutral gefärbte Erfahrungen werden oftmals nicht abgespeichert. Mitunter entstehen dadurch gering zusammenhängende Erinnerungsausschnitte.
Alexithymie zeigt sich ebenfalls im Rahmen der Neurodivergenz (siehe oben).

Schlussendlich sollten vorübergehende Erinnerungslücken nicht per se pathologisiert, jedoch ernst genommen und abgeklärt werden. Nicht selten zeigen sich Überforderung oder hohe Belastung als ursächlich.

Intrusionen Wir alle kennen sie, sich unerwartet aufdrängende, unwillkürliche unangenehme Gedanken. Sie reichen von Kata...
02/10/2025

Intrusionen

Wir alle kennen sie, sich unerwartet aufdrängende, unwillkürliche unangenehme Gedanken. Sie reichen von Katastrophenphantasien über aggressive o.seggsuelle Gedanken bis hin zu wiederkehrenden Selbstzweifeln. Typischerweise gehen sie mit intensiven Emotionen wie Angst, Scham, Schuld o.Ekel einher. So unangenehm sie erscheinen, drücken sie meist keinen Wunsch aus. Dennoch können sie zunächst irritieren&Befürchtungen schüren. Daher ist es hilfreich, zu verstehen, wie es dazu kommt...

Von Zeit zu Zeit schweifen wir ab, unser Gehirn betreibt "mind wandering". Dies geschieht im Ruhezustand unseres Gehirns, während unsere Konzentration nicht erfordert ist. Im "default mode network" kommen wir ins Tagträumen.

Interne&externe Reize aktivieren Netzwerke, so dass assoziierte Inhalte u.a. als Intrusionen ausgelöst werden. Handelt es sich dabei um Erinnerungen, ist der Hippocampus zuständig für den Abruf.

Zwingende Reize aus der Umgebung werden als Warnung verstanden. Dazu gehören z.B.plötzliche Geräusche, grelle Farben o.intensive Gerüche. Sie aktivieren unmittelbar unsere unwillkürliche Aufmerksamkeit.

Intrusionen sind u.a. für die Sicherung unseres Überlebens zuständig, indem sie  Scanprozesse der Umgebung auslösen. Spielen wir Situationen vorweg durch, können wir Lösungsstrategien entwickeln. Oftmals stehen die Gedanken im Gegensatz zu den Bedürfnissen. Z.B. können elterliche Sorgen durch aggressive Gedanken repräsentiert sein&tatsächlich einen intuitiven Sicherheitsauftrag ausdrücken.

Emotionale, oftm. belastende Ereignisse werden durch ähnliche Reize (Trigger) ausgelöst. Die Amygdala verknüpft die Erinnerung mit den dazugehörigen Emotionen, wodurch sie wahrscheinlicher als Intrusion auftreten. Diese Prozesse sind ebenso typisch für das Wiedererleben von Traumata im Kontext einer PTBS (als Intrusionen/Flashbacks).

Der präfrontale Kortex entscheidet darüber, jene Gedanken festzuhalten o.vorbeiziehen zu lassen. Die Inhibition greift bei Gesunden gut, bei Personen mit u.a.PTBS, Zwangsstörungen o. Depressionen bleiben sie länger präsent.

Handlungsbedarf besteht erst, wenn die Intrusionen zu einer Belastung werden&die Abgrenzung misslingt.

Autonomie vs. Bindung im Kontext queerer Beziehungen Beziehungen sind geprägt von einem Wechselspiel aus dem Streben nac...
05/06/2025

Autonomie vs. Bindung im Kontext queerer Beziehungen

Beziehungen sind geprägt von einem Wechselspiel aus dem Streben nach Autonomie und der Sehnsucht nach Bindung.
Ich möchte mich verbunden und sicher fühlen, aber gleichzeitig frei sein und selbstbestimmt handeln.
Menschen in queeren Beziehungen sind der geeigneten Balance zwischen Autonomie und Bindung besonders ausgesetzt. Das hat unterschiedliche Gründe...

In einer konservativen Gesellschaft können queere Menschen Abwertung erleben. Bleibt die Wertschätzung der eigenen Person aus, kann die Bindungssicherheit geschwächt und sich bereits vorhandene unsichere Bindungen verstärken. Vertritt die persönliche Umgebung ebenfalls jenes heteronormative Gedankengut, können Bindungen durch "Bindungsverletzungen" -in diesem Kontext Diskrimininierung und Outing- erschüttert werden. Durch die ungünstigen Erfahrungen kann Bindung mit Unsicherheit assoziiert werden, jedoch gleichzeitig einem internalisiertem Bedürfnis entsprechen.

Aufgrund häufiger Gegenwehr sind Personen aus dem LGBTQIA+-Bereich häufiger früher zu einer Loslösung und Abgrenzung ihres Umfeldes gezwungen. Gelingt ein erfolgreicher Umgang damit, lernen sie, sich autonom zu positionieren. Die errungene Freiheit und Selbstbestimmung wird zum Selbstschutz vehement verteidigt und dient als Lebensstrategie. In Beziehungen entwickelt sich dadurch oftmals die Sorge davor, sich selbst zu verlieren und den eigenen Bedürfnissen nicht gerecht zu werden.

Im Laufe unserer Entwicklung erlernen wir Skripte, Abläufe geläufiger Situationen (z.B. Einkaufen, Restaurantbesuch). Beziehungsskripte sind in vielen Fällen heteronormativ geprägt. Sie bieten oftmals rigide Lösungen für den Balanceakt zwischen Autonomie und Bindung und werden abgelehnt. Dahingegen sind in vielen Fällen queere Beziehungsskripte wenig verfügbar oder fehlen.

Insbesondere polygame Beziehungsformen zeigen eine Dynamik, in welcher Vereinbarungen immer wieder aufs Neue getroffen werden und im Hintergrund eine hohe Reflexionsfähigkeit und Eigenverantwortung erfordern. Allgemeingültige Vorgaben der Balance Autonomie-Bindung bleiben aus.

Wie kann sich aus einem unsicheren Bindungsstil eine Persönlichkeitsstörung entwickeln? Teil 3 Ein desorganisierter Bind...
24/04/2025

Wie kann sich aus einem unsicheren Bindungsstil eine Persönlichkeitsstörung entwickeln? Teil 3

Ein desorganisierter Bindungsstil stellt sich ähnlich dem Unsicher-ambivalentem Bindungsstil dar, ist jedoch von Grund auf instabil und widersprüchlich. Dieser Bindungsstil tritt in der Regel im Kontext multipler Traumatisierung auf. Aus diesem kann sich ebenfalls eine Borderline PS sowie Antisoziale PS entwickeln.
Bei ersterer wird Nähe gesucht und ist gleichzeitig mit tiefer Angst verbunden.
Die Emotionsregulation gelingt lediglich durch den Einsatz starker Strategien (wie selbstverletzendem Verhalten). Es entsteht irrationales Misstrauen sowie schwarzweiß-Denken.
Entsteht zu späterer Zeit eine Antisoziale Persönlichkeitsstörung zeigen sich die
Bezugspersonen unberechenbar, sie vermitteln Angst & Misstrauen, Liebe & Fürsorge sind nicht vorhanden. Durch die oftmalige Vernachlässigung lernt das Kind auch hier, sich lediglich auf sich selbst verlassen zu können, alleine zu kämpfen. Es entsteht die Ansicht, Bindungen seien schädlich und Gewalt legitimiert um die Kontrolle zu bewahren.

Wie kann sich aus einem unsicheren Bindungsstil eine Persönlichkeitsstörung entwickeln? Teil 2 Der Unsicher-ambivalente ...
17/04/2025

Wie kann sich aus einem unsicheren Bindungsstil eine Persönlichkeitsstörung entwickeln? Teil 2

Der Unsicher-ambivalente Bindungsstil beinhaltet auf der einen Seite Nähe & Fürsorge und auf der anderen Ablehnung & Distanz. Ursächlich ist hierfür der Fokus auf die eigene Bedürfnisbefriedigung der Bezugspersonen bzw. Überforderung. Kinder können dieses Verhalten nicht einschätzen und sich nicht darauf verlassen.
Die inkonsistente emotionale Reaktion führt bei Entwicklung einer Borderline Persönlichkeitsstörung dazu, die eigenen Emotionen ebenso wenig regulieren zu können. Nähe entspricht keinem Anker von Sicherheit, so dass sich Verlustängste ausbilden. Auf der einen Seite entsteht Bindungsangst, auf der Anderen klammerndes Verhalten und der Wunsch nach Verschmelzung. Weder ist ein Verlass auf die Bezugsperson, noch auf sich selbst gegeben und das Selbstbild entwickelt sich diffus.
Bei späterer Entstehung einer histrionischen Persönlichkeitsstörung, zeigt sich die inkonsistente emotionale Reaktion derart, dass auf die Bedürfnisse und Emotionen des Kindes eingegangen wird, wenn diese intensiv ausgeprägt auftreten. Das Kind lernt, auffallen zu müssen um Fürsorge und Nähe zu erfahren. Auch hier entspricht Nähe keinem Anker von Sicherheit, jedoch Idealisierung. Es entsteht Selbstinszenierung um Bestätigung zu erfahren und den eigenen Wert zu rechtfertigen.
Entwickelt sich im Verlauf eine abhängige Persönlichkeitsstörung zeigt sich die Erziehung überbehütend bis ängstlich. Die Selbstständigkeit wird dabei gehemmt. Das Kind interpretiert folglich Eigenständigkeit mit einem Näheentzug. Es orientiert sich an der Beziehung anstatt den eigenen Bedürfnissen, da ansonsten Ablehnung droht. Sicherheit entsteht somit durch Anpassung.

Wie kann sich aus einem unsicheren Bindungsstil eine Persönlichkeitsstörung entwickeln? Teil 1 Während ein sicherer Bind...
16/04/2025

Wie kann sich aus einem unsicheren Bindungsstil eine Persönlichkeitsstörung entwickeln? Teil 1

Während ein sicherer Bindungsstil in der Kindheit keine Persönlichkeitsstörung im Erwachsenenalter bedingt, sind unsichere Bindungsstile prädestinierend für die Entwicklung einer PS. Ein unsicher-vermeidender Bindungsstil ist mit Ausbildung einer Schizoiden/Narzisstischen/Anankastischen PS verbunden. Ein Unsicher-ambivalenter Bindungsstil kann eine Borderline/Histrionische/Abhängige PS bedingen. Ein desorganisierter Bindungsstil ist ebenso mit einer Borderline sowie Antisozialen PS assoziiert.

Ein unsicher-vermeidender Bindungsstil stellt sich dar, wenn Eltern den Emotionen&Bedürfnissen der eigenen Kinder mit Gleichgültigkeit, Abwertung oder Bestrafung entgegen und sich gegebenenfalls (bei Überforderung) selbst zurückziehen. Insbesondere Schwäche erfährt durch Bezugspersonen eine stark negative Bewertung. Häufig besteht dabei ein streng autoritärer Erziehungsstil. Folglich lernen die Kinder sich vor Zurückweisung zu schützen indem sie ihre Bedürfnisse&Emotionen nicht länger zeigen. Ich darf keine Schwäche zeigen, sondern muss mich kontrollieren lernen. Verlassen kann ich mich lediglich auf mich selbst. Daraus kann sich einerseits eine schizoide oder narzisstische PS entwickeln. Bei ersterer werden zwischenmenschliche Beziehungen in der Folge vermieden bzw. bei zweiterer akribisch ausgewählt und häufig als Mittel zum Zweck eingesetzt. Im Fokus steht die vermeintliche eigene Autonomie, es entsteht ein verzerrtes Selbstbild mit teils überhöhtem Selbstwert nach außen hin. In der narzisstischen PS sprechen wir hier von Überkompensation, da der dahinter liegende bedürftige und brüchige Selbstwert abgespalten wird.
Andererseits entsteht auch die anankastische PS aus dem gleichen Prinzip. Sowohl hier als auch bei der narzisstischen PS kann Fürsorge&Nähe vereinzelt bestehen, jedoch an Bedingungen (v.a.Leistung) geknüpft sein. Bei der anankastischen PS steht die Struktur in der Kindheit über dem spielerischen Verhalten. Selbstkontrolle und Disziplin wird bestätigt und es entwickelt sich ein hohes Kontrollbedürfnis und Rigidität.

Religion in der Therapie BehandlerInnen sollten sich -wie auch in anderen Bereichen- die eigene Haltung bewusstmachen. W...
26/03/2025

Religion in der Therapie

BehandlerInnen sollten sich -wie auch in anderen Bereichen- die eigene Haltung bewusstmachen. Wie stehe ich zum Thema Religion? Was macht es mit mir, mit bestimmten Aussagen konfrontiert zu werden? In welchen therapeutischen Situationen bin ich besonders geneigt meine persönliche Ansicht einzustreuen, obwohl ich das nicht sollte? Wenn ich mich damit auseinandersetze, kann ich adäquat darauf reagieren.

Mir persönlich begegnet das Thema Religion in der Privatpraxis neben dem Tod verhältnismäßig wenig, vorwiegend im Zusammenhang religiöser Erziehung & seggsueller Orientierung. Es geht um die Bearbeitung dieses Konfliktes, die Fronten in Einklang zu bringen, Entscheidungen zu treffen oder sich von festgefahrenen Vorstellungen zu lösen.

Weit häufiger war und ist das Thema für mich im forensischen Kontext relevant.
Einerseits wenn es um Delikte geht, die vor dem Hintergrund dogmatischer bis hin zu fanatischen Glaubenssätzen verübt wurden. In dem Fall steht die Religion ganz klar im Konflikt zur Behandlung. Eine Verschiebung unterliegt einem langwierigen -mitunter endlosem Prozess. Eine Identifikation mit dem/der BehandlerIn durch den/die KlientIn (Vorbildsfunktion; religiöser & kultureller Hintergrund, Geschlecht) sehe ich als notwendig an um den Prozess erfolgreich zu gestalten. Leider zeigt sich das in der Realität selten umsetzbar.
Andererseits begegnet mir das Thema im forensischen Kontext mit Impulsdurchbrüchen in Folge religiös geforderter Abstinenz, vor allem im seggsuellen Bereich. Therapeutische Elemente wie die Erarbeitung eines adäquaten Umgangs (u.a. Integration eigener Bedürfnisse) stehen hier oftmals in Konflikt zu den Glaubenssätzen.

Grundsätzlich kann Religion hingegen eine Ressource darstellen, die Halt und Orientierung (z.B. Sinngebung) gibt. In der Regel ist sie eingebettet in ein soziales förderliches Netz und vermittelt gewisse ethische Werte. Verbreitete therapeutische Techniken entstammen zudem teilweise Religionen (z.B. Achtsamkeit & Meditation aus dem Buddhismus).

Ob Religion eine Förderung oder Behinderung der Therapie darstellt, kommt schlussendlich auf den Einzelfall an.

Wenn aus Abgrenzung emotionale Abstumpfung wird Ich erinnere mich an die Worte einer Kollegin: "Ich muss das hier verlas...
11/03/2025

Wenn aus Abgrenzung emotionale Abstumpfung wird

Ich erinnere mich an die Worte einer Kollegin: "Ich muss das hier verlassen, sonst stumpfe ich ab." Gemeint war der Maßnahmenvollzug. Sie studierte noch einmal und schlug eine andere Richtung ein.

Abgrenzung ist in sämtlichen Berufen eine notwendige Bedingung um die hereinprasselnden belastenden, entsetzlichen und grausamen Erfahrungen und Erlebnisse "auszuhalten". Sei es als Einsatzkraft, im sozialen und Gesundheitsbereich, der Justiz oder bedingt im Service. Sie dient als bewusste Strategie um uns selbst zu schützen.

Gelingt es uns hingegen nicht mehr, diesen Schutzmechanismus zu kontrollieren und er greift auf unser allgemeines Leben über, sprechen wir von emotionaler Abstumpfung. In diesem Zustand ist es uns nicht mehr möglich, in einer üblich angemessenen Art und Weise emotional auf Menschen und Ereignisse zu reagieren - weder auf negatives noch auf positives. Wir vermeiden unsere eigenen und die Emotionen anderer, können uns nicht in unser Gegenüber einfühlen und entfremden uns von unserer Umgebung. Nach außen hin kann auch eine Affektverflachung sichtbar werden.

Emotionale Taubheit ist ebenso als Schutzmechanismus zu verstehen, der jedoch erst dann einsetzt, wenn wir die Kontrolle über das Erlebte nicht mehr tragen können. In der Folge können sich somatische als auch psychische Begleitetscheinungen entwickeln. Die Symptomatik ist typisch für Affektive Erkrankungen, Traumafolgestörungen sowie vereinzelte Persönlichkeitsstörungen. Beruflich bedingte emotionalen Taubheit tritt insbesondere im Kontext von Depressionen, PTBS, jedoch auch teilweise Suchterkrankungen und Essstörungen auf.
Wichtig ist eine laufende Auseinandersetzung mit dem Erlebten und dessen Verarbeitung sowie eine tiefgreifende Selbstfürsorge. Wer sich selbst wahrnimmt, Veränderungen ernst nimmt und darauf reagiert, kann sich auch langfristig schützen.




Dissoziative Identitätsstörung: Verschiedene Diagnosen der Persönlichkeitsanteile Die Persönlichkeitsanteile einer Disso...
25/02/2025

Dissoziative Identitätsstörung: Verschiedene Diagnosen der Persönlichkeitsanteile

Die Persönlichkeitsanteile einer Dissoziativen Identitätsstörung nehmen häufig entgegengesetzte Pole ein. Dann co-existieren z.B. das 8-jährige ängstlich unsichere Kind, die extrovertierte selbstständige 35-Jährige, die 20-jährige selbstsabotierende Frau mit dem selbstverletzenden Verhalten und die 75-jährige fürsorgliche Großmutter gemeinsam mit der Hauptperson. Nachdem diese verschiedenen Persönlichkeitsanteile ein eigene Denk-/Empfindungs-/Verhaltensweise mit sich bringen, können sie ebenso eigene Diagnosen aufweisen.

Das stellt sowohl die Diagnostik als auch Behandlung vor einige Herausforderungen. In schweren Fällen sind die Persönlichkeitsanteile voneinander abgekapselt, so dass keine Interaktion zwischen ihnen besteht bis hin zu einer Unwissenheit über ihre Existenz an sich. Ein vollständiges Bild ist hingegen unabdingbar für eine Differentialdiagnostik und die Anpassung der medizinischen und psychischen Behandlung.

Besitzt ein Anteil eine bipolare affektive Störung während ein anderer einen SSRI (Selektiven-Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) verabreicht (z.B. bei depressiver Episode/Angstörung), ist das Auslösen einer manischen Phase möglich. Wird eine Bedarfsmedikation in Form von Benzodiazepinen verabreicht um gegen Hochspannungszustände (BPS/k-PTBS) zu wirken, können die Dissoziationen verstärkt werden.

Die Persönlichkeitsanteile können miteinander kooperieren oder auch gegeneinander ankämpfen. Ist letzteres der Fall, können Interventionen von einem oder mehreren abgewehrt werden, so dass die Behandlung stagniert. Gewisse Anteile sind wenig greifbar, da sie selten "übernehmen" und können dennoch hoch riskant sein (z.B. bei Selbst-/Fremdgefährdung).

Neben den gängigen Traumaeckpfeilern wie Stabilisierung, Exposition, Integration und oftmals Struktur wird eine Kooperation zwischen den Anteilen angestrebt. In manchen Fällen ist auch eine Fusion aller Persönlichkeitsanteile langfristig möglich. Auf die Belastung der einzelnen muss parallel eingegangen werden.

Trauma ohne PTBS Betroffene von Traumata werden meist automatisch mit der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) in ...
30/01/2025

Trauma ohne PTBS

Betroffene von Traumata werden meist automatisch mit der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) in Zusammenhang gebracht. Je nach bestehenden Bedingungen (u.a. Resilienz) muss eine traumatische Erfahrung nicht unbedingt eine psychische Erkrankung mit sich bringen.
Besteht hingegen eine Belastung, rechnen Betroffene häufig mit der klassischen PTBS-Diagnose. Stellt sich mittels Diagnostik keine heraus, fühlen sich viele unverstanden und in ihrem Leid nicht gesehen. Als würden die Traumata bagatellisiert, verharmlost werden...
Jedoch resultieren auch die schwerwiegendsten multiplen Traumata nicht zwangsweise in einer PTBS. Eine Traumabiographie kann sich auf unterschiedliche Weise zeigen, als Affektive Störung, Angst- oder Zwangsstörung, als Essstörung, Somatoforme oder Seggsuelle Funktionsstörung sowie auch Persönlichkeitsstörung,...
Nachdem die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (k-PTBS) im ICD-10 noch nicht gesondert klassifiziert wird, ist ihre Diagnostik vielen nicht bekannt und wird daher nicht selten mit der PTBS in einen Topf geworfen. Von einer k-PTBS Betroffene weisen allerdings nicht zwangsweise die Symptome einer PTBS auf, wodurch es häufig zu falsch-negativen Diagnosen kommt. Dies ist z.B. bei Bindungstraumata oftmals der Fall. Ebenso können Personen mit schwerwiegenden multiplen Traumata eine Dissoziative oder Konversionsstörung entwickeln, die von einer (k-)PTBS begleitet werden kann, aber nicht muss.

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