26/03/2026
Gestern saß ein Mann bei uns in der Ordination. Sein Vater liegt im Sterben – nach einer langen Krebserkrankung.
Zwischen Hoffnung und Hilflosigkeit entsteht oft ein Raum voller Verzweiflung, Angst und Stress. Der Wunsch, noch „etwas tun zu können“, wird groß. Ein Arzt soll kommen, Infusionen anhängen, das Essen und Trinken wieder ermöglichen,…
Wir führen ein Gespräch über das Lebensende. Über das, was im Sterbeprozess geschieht. Darüber, dass die Natur diesen Übergang erstaunlich fein reguliert hat. Viele Menschen verspüren am Lebensende kein Bedürfnis mehr nach Nahrung oder Flüssigkeit. Der Körper stellt um. Endorphine werden freigesetzt. Prozesse laufen ab, die das Sterben erleichtern können.
Langsam verändert sich die Atmosphäre. Die Anspannung weicht. Die Angst wird leiser. Die Verzweiflung verliert an Schärfe.
Was bleibt, ist die Trauer über den nahenden Verlust. Und diese Trauer darf da sein. Manchmal besteht meine Aufgabe einfach darin, sie ein Stück des Weges mitzutragen.
Es ist schwer zu verstehen: Menschen sterben nicht, weil sie verhungern oder verdursten. Sie essen und trinken nicht mehr, weil sie sterben.
Dieses Verständnis braucht Zeit. Und es braucht die Bereitschaft, die Endlichkeit des Lebens anzunehmen.
Gespräche über das Sterben zu führen fällt vielen Menschen schwer. Aber sie können Ruhe bringen. Orientierung geben. Und Raum schaffen für das, was am Ende wirklich zählt: Nähe, Würde und Abschied.