14/01/2021
Ich höre mir gerade als Hörbuch „1984“ an. Weil meine 13(!!!)jährige Tochter das für die Schule lesen muss. Das Thema fand ich ja im ersten Moment geil gewählt (so wegen big brother is watching you) aber es ist soo trist, die Sprache ist so schwierig, und vorallem: die Zusammenhänge sind so unverständlich, außer man glaubt an die reale Möglichkeit von so abgrundtief Widerlichem, Abgestumpftem und Schrecklichem. Ich mag ihr helfen, es zu verstehen, daher höre ich mir das an. Aber nur mehr zu Mittag eine halbe Stunde. Wer grad wirklich schlecht schlafen mag, der kann sich das ja am Abend reinziehen. Ich weiß nicht, ich glaub ich mag gar nicht, dass meine Tochter jetzt so was liest. Vielleicht findet sie das Buch einfach nur schwierig, weil sie noch gar keine Angst hat vor den Big Brothers ;o)...
Für mich aber ist es aufrüttelnd und erschreckend. Warum eigentlich? Warum hab ich da gar keinen Abstand mehr? Insgesamt wahrscheinlich:
Far too much information to feel good. Gesund ist das jedenfalls nicht, was ich mir da mehrmals täglich an Nachrichten aus dem Internet zumute (Zum Glück hab ich wenigstens keinen Fernseher,hahaha). Und auch die Nachrichten aus der eigenen Bubble stressen. Psycho-Immunologie, true or false? steigere ich meine Immunabwehr durch Angst und Stress oder steigere ich die Immunabwehr durch Regeneration und Entspannung?
Irgendwie nimmt der Schrecken grad nicht so richtig ab. Vielleicht warte ich auch darauf.
Also es ist ja nicht so, dass es vor dem letzten Jahr keinen verkörperten Schrecken gegeben hätte, es gab schon immer zum Teil schrecklich tiefe Wunden aus Beziehungen, Kindheit oder Unfällen. Dem gilt seit langem ein großer Teil meines beruflichen (und persönlichen) Fokus. Aber dieser AUFGEBLASENE SCHRECKEN, diese WUCHT, mit der wir da bombardiert werden durch Worte und Bilder – und wir machen mit. Wir KONSUMIEREN diesen aufgeblasenen Schrecken förmlich. Ich stelle ja die Frage nach den Motiven der uns so bombardieren Medien und Politiker und ihrer Informanten hier gar nicht (als Psychologe fallen mir da ganz schön viele Motive ein, und da hab ich wirtschaftliche Motive noch gar nicht mitdazugerechnet), aber ich frage hier schon uns alle: WIESO BITTE ZIEHEN WIR UNS DEN MIST TÄGLICH (MEHRMALS) REIN?
Dashboard, Corona-Tote(kumuliert), Fakenews, FakeFakeFakeNews, Ängste, Kinder, Malaria, Tote, Verschwörung, Arbeitslosigkeit, Klimakatastrophe, Impfkritik, Impfmanipulaion, Intensivstationen puuuuhhhhh….
Ich weiß, ich bin weder der Erste, noch das beste Vorbild, das Euch das schreibt. Ich bekenne: meine uralte ANGST, nämlich dass einfach über mich hinweg entschieden wird, dass ich einfach nichts zähle, die kommt da hoch. Und wo die hochkommt, entsteht auch gleichzeitig der Wunsch danach, das nicht mehr spüren zu müssen, und damit das Verlagen, diese Strukturen der Manipulation und Macht im Außen zu spüren. Da muss ich dann ein bissi weniger spüren, für wie klein und unbedeutend ich mich innerlich halte. Ein feiner Plan. Klingt gut, ist aber nicht gut, weil mein Organismus doppelt Angst abkriegt: die von mir verdrängte und die mir mittels Medien aufgedrängte Angst. Ich hab mich lange ganz wacker gehalten, aber in den letzten Wochen hats mich erwischt: Ich mach mir Sorgen, sehe erschreckende Bilder und Nachrichten, höre mittlerweise schon verhasste Stimmen und halte meinen Adrenalinspiegel und das Cortisol auf einem Dauerhoch. Wie praktisch.
Ich lerne gerade was ich meinen Kindern seit Jahren predige ;o). Verantwortungsvoller Umgang mit Medien. Also: STOPP. BITTE MAL INNEHALTEN UND SPÜREN: WO IN MIR IST EIN GEFÜHL, DASS AM ÄHNLICHSTEN DER WAHRNEHMUNG VON FRIEDEN KOMMT? Und mit der Aufmerksamkeit dort hin gehen. Und dort mal ein paar Mal durchatmen, mit jedem Atemzug die Schwingung dieser friedvollen Gedanken in die Teile des Körpers bringen, wo grad Aufruhr herrscht. Sanft in eine Bewegung kommen, vielleicht sanft Ausschütteln und an was anderes denken (oder an nichts ;o)).
Nächste Woche lerne ich den Browser für mehr als 12 Stunden zu schließen.
Step by step.
Ein gutes Argument könnte sein, dass mein „mich-am-Laufenden-halten des letzten Jahres auch nicht in die Lage gebracht hat, irgendwas tatsächlich Sinnvolles damit zu tun.
Der liebe Augustin fällt mir da ein. Pestüberlebender by shere ignorance, hahaha. Nein, das glaub ich nicht: Verachtung gegenüber der eigenen Vorsicht wegen drohender Gefahren ist keine Ignoranz, sondern eine Möglichkeit, eben genau nicht ignorant zu werden gegenüber dem Leben, das sich (auch in uns) unablässig entfaltet. Hui, ob ich das mal kann? Ach ja. Step by step. Ich glaub, dass alles gut ist. Und: Ab in den Wald sag ich mir.