24/12/2025
Auch wenn ich, beruflich bedingt, hier nicht mehr so aktiv sein kann, möchte ich Ihnen am heutigen Tag einen Moment der Wertschätzung schenken.
Weihnachten ist ein gesellschaftlich hoch aufgehängtes und emotional sehr aufgeladenes Fest. Für viele Menschen ist es jedoch die schwierigste Zeit des Jahres. Sie ist mit schmerzhaften Erinnerungen, enttäuschten Erwartungen und dem Druck, funktionieren zu müssen, verbunden. Viele kommen mit ihren unerfüllten emotionalen Bedürfnissen in Kontakt, merken was gefehlt hat oder vielleicht gar niemals vorhanden war. Es sind oft die Tage im Jahr, an denen die Vergangenheit in die Gegenwart hereinbricht.
Meine Gedanken sind daher vor allem bei vielen meiner PatientInnen, denen es in dieser Zeit nicht besonders gut geht. Einige von ihnen verbringen die Weihnachten im stationären Bereich und sollen wissen, dass sie die emotionalen Herausforderungen dieser Zeit nicht alleine meistern müssen.
Resilienz zeigt sich nicht darin, unbeeinträchtigt zu bleiben, sondern darin, trotz Belastungen weiterzugehen, innezuhalten und neue Perspektiven zu entwickeln. Jeder Schritt, auch ein kleiner, ist Ausdruck innerer Stärke. Dafür gebührt Ihnen Dank – auch sich selbst gegenüber. Unabhängig davon, wie leicht oder schwer sich die vergangenen Monate angefühlt haben, darf anerkannt werden: Sie haben sich auf Ihren Weg eingelassen, innegehalten, reflektiert und sich selbst ernst genommen. Das ist nicht selbstverständlich.
Versuchen Sie, Ihre Erwartungen an das Fest und die kommenden Tage realistisch anzugehen: was würde mir persönlich gut tun? Auf welche Rituale kann eventuell verzichtet werden? Stellen Sie Ihre eigenen inneren Ansprüche infrage. Es muss nicht immer so sein, wie Sie denken. Schenken Sie sich gegenseitig den Raum für Rückzugsmöglichkeiten.
Nehmen Sie Kontakt zu Menschen auf, von denen Sie wissen, dass sie an Weihnachten eventuell ebenfalls einsam sein werden. Wenn Sie selbst einsam sind, können und dürfen Sie vorhandene Hilfe-und Kontaktangebote nutzen.
Und bitte beachten Sie auch folgende Punkte:
• Es ist in Ordnung und manchmal auch gesünder, sich dafür zu entscheiden, die Familie nicht zu besuchen und sich zu distanzieren.
• Es ist in Ordnung, das Fest alleine zu verbringen, falls es die beste aller Alternativen ist.
• Es ist in Ordnung, nicht feiern zu wollen und nicht gut drauf zu sein.
• Es ist jedoch nicht in Ordnung, eine belastende Situation durch selbstschädigendes Verhalten noch schlimmer zu machen.
Möge das neue Jahr, neben vielen anderen Dingen, euch auch Nachsicht und Mitgefühl mit sich selbst brigen. Den Wunsch nicht zu verzweifeln, wenn man es gerade mit sich selbst oder mit anderen nicht gut aushält, traurig oder einsam ist. Die Hoffnung darf Raum finden – nicht als Erwartung von Perfektion oder Problemlosigkeit, sondern als Vertrauen in Entwicklung, Veränderbarkeit und die eigene Fähigkeit, mit dem Leben in Kontakt zu bleiben.
Frohes Fest! 🎄