30/03/2026
Kohlmeisen haben in Deutschland gelernt, Buchsbaumzünslerraupen zu fressen — ein dokumentiertes Beispiel für kulturelles Lernen und Anpassung. In Gärten, in denen Meisen den Zünsler als Futterquelle entdeckt haben und nicht gespritzt wird, halten die Vögel den Befall auf einem Level, der den Buchs nicht tötet. Kein insektenfreier Garten — aber ein funktionierendes Gleichgewicht. Insektizideinsatz während der Meisenbrut unterbricht diesen Prozess. Hier ist der Mechanismus: Bacillus thuringiensis (Bt) wird als biologisches Insektizid eingesetzt, das gezielt Schmetterlingsraupen durch ein Bakterientoxin abtötet. Für Bienen gilt es als unbedenklich — daher die Bezeichnung „bienenfreundlich". Es tötet jedoch alle Schmetterlingsraupen im Kontaktbereich, nicht ausschließlich den Zünsler. Meisen, die Bt-belastete Raupen fressen, nehmen das Toxin mit dem Raupeninhalt auf und geben es an ihre Küken weiter. Acetamiprid und Thiacloprid sind Neonicotinoide. Sie wirken auf jedes Insekt, das den behandelten Buchs berührt — Wildbienen, Schwebfliegen, Florfliegen — und belasten Raupen, die anschließend von Vö**ln verfüttert werden. Ein Meisenküken wiegt sieben Gramm und frisst täglich fünfzig bis achtzig Raupen. Sind mehrere davon insektizidbelastet, nimmt ein sieben Gramm schweres Tier eine Dosis auf, die für ein Insekt berechnet wurde. Küken werden schwächer, wachsen langsamer oder sterben im Nest. In Gärten mit aktivem Meiseneintrag am Buchs empfiehlt sich vor einem Insektizideinsatz eine Beobachtungsphase: Wird der Befall aktiv abgearbeitet, kann das Gleichgewicht ohne weiteren Eingriff erhalten bleiben. Wird gespritzt, entfällt die Futterquelle für die Brut — und die Meisenpopulation, die im Folgejahr den Zünsler kontrolliert, ist kleiner. Kulturelles Lernen bei Kohlmeisen im Umgang mit Buchsbaumalkaloiden ist wissenschaftlich dokumentiert. Wo dieser Prozess ungestört abläuft, reguliert er den Zünslerbefall langfristig. 🌿