24/05/2026
Kinder suchen instinktiv Situationen, die sie herausfordern — klettern, springen, balancieren, fallen. Was aus Erwachsenenperspektive manchmal gefährlich aussieht, ist durch die ASI-Brille betrachtet etwas anderes: es ist ein Gehirn, das sich weiterentwickelt, indem es aktiv nach der genau richtigen Herausforderung sucht.
Dr Ayres nannte das die „just right challenge” — und sie ist ein neurologisches Bedürfnis. Das Gehirn lernt durch das Ausreizen der eigenen sensomotorischen Grenzen, nicht durch Stillsitzen in der Komfortzone.
Wie erkennst du, was die genau richtige Herausforderung eines Kindes ist?
An diesen fünf Zeichen — in der Therapie, im Kindergarten, im Alltag:
① Das Kind sucht sich die Situation aktiv — ohne Aufforderung, Hinweise, Anleitung.
② Das Kind ist „intrinsisch motiviert“, sich anzustrengen, es zu schaffen. Immer wieder. Es nimmt Misserfolge als Ausgangspunkt für einen neuen Anlauf - kein Ärger, kein Geschrei, kein Abbruch. Das Kind probiert erneut, variiert, passt an.
③ Das Kind ist mit allen Sinnen bei der Sache. Es ist aufmerksam und konzentriert.
④ Das Kind hat Freude an der Aktivität und ist im Flow. Es geht ganz in der Sache auf. Und diese Sache ist in sich so lohnend, dass es dabei bleibt - ganz ohne äußeren Ansporn oder Belohnung.
⑤ Nach so einer Aktivität ist das Kind zufrieden und reguliert. Es hat seine Sinne genährt, sein Gehirn geordnet und ein Stück Selbstwirksamkeit gewonnen. Es hat neue Erfahrungen gemacht und etwas dazugelernt.
Fehlt eines davon — zu leicht, zu schwierig, zu viel Eingriff von außen — dann ist es nicht mehr die „genau richtige Herausforderung“.
-Brille