06/07/2015
Lymphödem
ist eine Erkrankung des Lymphgefäßsystems, hat einen chronischen Verlauf und führt unbehandelt zur fortschreitenden Schwellung. Wenn das Lymphgefäßsystem mit der anfallenden Flüssigkeit überfordert wird tritt es ins Gewebe aus und führt zur Schwellung – dem Lymphödem. Meistens sind Arme oder Beine vom Lymphödem betroffen, kann jedoch am ganzen Körper auftreten. Allein in Österreich leiden ca. 30.000 Menschen an einem Lymphödem.
Wir unterscheiden zwei Arten: Primäre und Sekundäre Lymphödeme
Primäre Lymphödeme
Entstehen durch angeborene Fehlbildungen oder Funktionsstörungen im Lymphsystem.
Sie können sich auch erst spät im Alter bemerkbar machen
Sekundäre Lymphödeme
Kommen vor allem nach chirurgischen Eingriffen (Lymphknotenentfernung in Achsel oder Leiste bei Tumorerkrankungen, bzw. Narben) und Strahlentherapien vor.
Können jedoch auch als Folge von Verletzungen, Entzündungen, Insektenstichen, Parasiten und Pilzerkrankungen aber auch durch Medikamente (Blutdrucksenker, nichtsteroidale Antiphlogistika und Hormone) ausgelöst werden.
Die Ausprägung des Lymphödems wird in vier Schweregrade eingeteilt – danach richtet sich auch die Therapie.
Stadium 0
Dabei besteht ein gestörter Lymphabfluss ohne sichtbare oder tastbare Schwellung.
Die Ausbildung eines erkennbaren Lymphödems kann u.a. durch Insektenstiche, Prellungen, Verstauchung oder Überlastung der betroffenen Extremität ausgelöst werden. Durch Hochlagerung der Extremität wird eine vollständige Rückbildung erreicht.
Stadium I
Es besteht ein Ödem von weicher Konsistenz.
Die Schwellung geht durch Schonung und Hochlagern der betroffenen Extremität zurück.
Häufig besteht eine abendlichen Schwellung und Schweregefühl der betroffenen Extremität, diese Symptome bilden sich in der Regel über Nacht zurück.
Stadium II
Ödem hat eine deutlich verhärtete Konsistenz und die Schwellung bildet sich nicht mehr von selbst zurück.
Stadium III – Elephantiasis
Durch die Schwellung des betroffenen Körperteils entsteht ein Spannungsgefühl, das bei starker Ausprägung sehr schmerzhaft ist
Das Gewebe verhärtet sich durch narbige Umbildung des Fettgewebes.
Die zunehmende Schwere und Schwellung des betroffenen Armes oder Beines bzw. des gesamten Körpers führt zu zunehmender Bewegungseinschränkung bzw. Behinderung z.B. bei Alltagstätigkeiten wie Zähneputzen, Anziehen, Gehen, Einkaufen oder Autofahren.
Weitere Probleme die Patienten mit bestehenden Lymphödem häufig zusätzlich belasten sind: Erysipel – Rotlauf, Ekzeme, Lymphogenes Ulkus (offene Wunden), Hautpilzerkrankungen.
Die Therapie eine bestmögliche Normalisierung des Lymphtransports, Verringerung des Schweregrades der Erkrankung und eine nachhaltige Linderung der Beschwerden zu erreichen.
Die Behandlung eines Lymphödems erfordert Geduld, sie ist aufwendig und langwierig und unter Umständen sogar lebenslang notwendig. Häufig müssen verschiedene Verfahren kombiniert eingesetzt werden um eine Verbesserung zu erzielen.
Die primäre Therapie des Lymphödems besteht aus konservativen, d.h. nicht chirurgischen Verfahren, dazu zählen - manuelle Lymphdrainage, Kompressionstherapie, komprimierende Wechselbandagen bzw. medizinischen Kompressionsstrümpfe,
Entstauende Bewegungsübungen, sportliche Aktivitäten (Walking, Radfahren, Schwimmen, Langlauf, medizinische Trainingstherapie /Krafttraining). Der Hautpflege zur Vorbeugung von Hauttrockenheit und Hautrissen mit natürlichen und hautverwandten Fette und Öl kommt eine wichtige Bedeutung zu.
Operation – Rekonstruktive Lympödemchirurgie
Wenn konservative Maßnahmen den gewünschten Erfolg nicht oder nur unzureichend bewirken, kann durch verschiedene Operationen eine Verbesserung des Lymphstroms erreicht werden bzw. bestehende Beschwerden gelindert werden.
Je länger das Lymphödem besteht, desto geringer sind die Behandlungschancen.
Eine möglichst frühe Diagnose und Therapie ist wichtig um die richtigen Behandlungsschritte einzuleiten.
Welche Operationen werden eingesetzt.
Oft kann die Entfernung von Narbengewebe in der Achsel oder Leiste eine Verbesserung erzielen bzw. die Aufwertung der lokalen Situation mit frischem Gewebe (z.B. Lipofilling oder Gewebetransfer).
Stadium 1 und 2
Lympho-venöse Anastomosen
Bei dieser Operation werden an der betroffenen Extremität Verbindungen zwischen Lymphgefäßen und winzigen Venen durchgeführt.
Dabei handelt es sich um einen mikrochirurgischen Eingriff, der den Lymphabfluss über das Venensystem wiederherstellt.
Stadium 2 und 3
VLNT – freier Lymphknotentransfer
Bei diesem Eingriff werden Lymphknoten mit Haut und Fettgewebe als freier mikrochirurgischer Transfer durchgeführt.
Der Gewebeblock mit Lymphknoten kann in der Leiste, am seitlichen Brustkorb (Thorax) oder Hals entnommen werden und in die Achsel, den Arm oder das Bein je nach Notwendigkeit transferiert werden.
Stadium 3
Bei dieser ausgeprägten lymphatischen Schwellung, die bereits mit bindegewebigem Umbau des Fettgewebes einhergeht und eine bereits ausgeprägte Bewegungseinschränkung und Schwere der Extremität vorliegt kann eine spezielle Technik der Liposuktion eine Linderung der Symptomatik erreichen.
Wesentlich für den Erfolg der Behandlung ist eine frühzeitige Diagnose, genaue Evaluierung, Untersuchung und Therapieplanung, mikro- und supermikrochirurgische Erfahrung und ein komplettes Repertoire aller plastisch rekonstruktiven Operationen.
Eine wichtige Differenzialdiagnose zum Lymphödem ist das Lipödem. Das Lipödem tritt in der Regel symmetrisch auf, betrifft hauptsächlich Frauen, ist eine diffuse symmetrische Vermehrung von Fettgewebe und stellt eine chronische Funktionsstörung des subcutanen Fettgewebes an den Extremitäten vor allem Beinen dar. Es tritt nach der Pubertät, nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren auf auch eine genetische Prädisposition wird angenommen. Ein Lipödem ist Resistent gegenüber Diäten und Sport und es bestehen Berührungs-, Druck- und Spannungs-Schmerzen. Die Differenzialdiagnose kann im Rahmen einer genauen Untersuchung ermittelt werden und auch ein Behandlungskonzept erstellt werden. In bestimmten Fällen werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen – ich berate Sie gerne und werde Sie bei entsprechender medizinischer Indikation dabei unterstützen.