04/03/2026
Von aussen sieht es aus, als würde ich nichts machen.
Ich stehe einfach nur im Wasser, manchmal stundenlang, bewegungslos oder mit kleinen, langsamen Bewegungen. Keine offensichtliche ‚Aktivität‘. Kein erkennbares ‚Ziel‘.
Leute verstehen das oft nicht.
‚Machst du da irgendwas?‘
‚Nein, ich stehe einfach nur hier.‘
Die Verwirrung in den Gesichtern. Die Fragen. Das Unverständnis. Manchmal auch Sorge: ‚Geht es dir gut?‘
In Wirklichkeit passiert so viel, das von aussen nicht sichtbar ist:
Mein Nervensystem reguliert sich. Nach Tagen (oder einer Woche) voller Reizüberflutung- Gespräche, die ich geführt habe, Blickkontakt den ich gehalten habe, laute Umgebungen, zu helles Licht, unvorhersehbare Situationen- ist mein System komplett überlastet. Wie ein überhitzter Motor, der dringend abkühlen muss.
Die sensorische Überstimulation klingt ab. Das Wasser gibt mir gleichmässige, vorhersehbare sensorische Inputs. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Die Temperatur auf der Haut. Die sanften Bewegungen. Das Gefühl von Schwerelosigkeit. All das ist beruhigend, nicht überwältigend.
Mein Gehirn kommt zur Ruhe. Die repetitiven Bewegungen des Wassers- die kleinen Welle , das Plätschern, die gleichmässige Strömung- wirken wie Stimming. Sie geben meinem Gehirn etwas, worauf es sich fokussieren kann, ohe überfordert zu werden. Es ist wie eine Meditation, die auf mein autistisches Gehirn optimiert ist.
Ich finde zurück in meinen Körper. Nach stundenlangem Maskieren, Anpassen, Funktionieren, kann es vorkommen, dass ich das Gefühl für meinen Körper verliere, Schwierigkeiten habe zu spüren, wo ich aufhöre und meine Umgebung anfängt. Das Wasser hilft mir, mich wieder zu spüren, meine Grenzen, die Grenzen meines Körpers wieder wahrnehmen zu können.
Es ist keine verschwendete Zeit. Es ist Selbstfürsorge. Es ist Regulation.
Kennst du das auch? Oder hast du andere Orte oder Aktivitäten, die dir helfen dich zu regulieren?
Folge mir für mehr Einblicke in mein autistisches Leben- die Dinge, die von aussen vielleicht seltsam aussehen, aber für mich lebensnotwendig sind.