27/12/2025
Wir sehen häufig Hunde, die über lange Zeit Schmerzen haben, ohne zunächst deutlich zu lahmen. Der Körper ist erstaunlich anpassungsfähig.
Ein Hund mit schmerzhaften Ellenbogen kann die betroffene Gliedmasse zunächst sehr gut entlasten, Gewicht verlagern und seitlich ausweichen. Nach aussen wirkt er lange Zeit unauffällig.
Erst wenn Kompensationsmöglichkeiten erschöpft sind, werden Lahmheiten sichtbar. Sie beginnt schleichend und nimmt zu, je weniger der Hund in der Lage ist, die Belastung weiter umzuleiten.
Chronifizierung bedeutet nicht nur anhaltende körperliche Beschwerden. Sie betrifft auch das Nervensystem, die emotionale Verarbeitung und das Verhalten. Hunde ziehen sich zurück, wirken ruhiger, schlafen mehr, meiden Sozialkontakte, sowohl zu Artgenossen als auch zu ihren Bezugspersonen. Oft wird dieses Verhalten als „entspannt“ oder „altersbedingt“ interpretiert, obwohl es Ausdruck eines langfristigen Anpassungsprozesses ist.
Untersucht man in solchen Fällen ausschliesslich strukturell (Röntgen, CT, etc.), findet man häufig keine auffälligen Veränderungen. Das bedeutet jedoch nicht, dass kein Problem vorliegt. Es handelt sich um eine funktionelle Störung. Veränderungen im ROM, in der Gelenkmechanik oder im Zusammenspiel der Strukturen führen zu Reizung, Schmerz und einer veränderten Nutzung der Gliedmasse.
Ohne fundierte orthopädische und neurologische Untersuchung, Erfahrung und vor allem ohne funktionelle Bewegungsdiagnostik bleiben diese Probleme oft unerkannt. Die Folge ist, dass Hunde weiter kompensieren, während sich die Situation schrittweise verschlechtert.
Unsere Form-Funktion-Schmerz-Pyramide verdeutlicht genau diesen Prozess: Sichtbare Symptome stehen an der Spitze. Darunter liegen funktionelle Veränderungen, die den Schmerz antreiben. Und unten stehen Anpassungsmechanismen, die lange unbemerkt bleiben.
Funktionelle Orthopädie mit Bewegungsdiagnostik setzt genau hier an. Sie hilft, diese Zusammenhänge früh zu erkennen, bevor aus Anpassung Einschränkung wird.