16/05/2026
Warum Vitamin C in der Futtergabe von Pferden so wichtig sein kann, sehr spannend 😊
So wie eben schon angekündigt.
Ein total interessantes Nebenthema der Unterschiede zwischen natürlicher und synthetischer Supplementierung und erklärt auch etwas was ich immer wieder gefragt werde:
Warum die Surf& Turf Mineralien Hagebutten und/oder Sanddorn enthalten
Vitamin C beim Pferd:
Was der Körper wirklich braucht – und warum die Leber dabei entscheidend ist.
Pferde können Vitamin C selbst herstellen, aber was den wenigsten bekannt ist: Diese Eigenproduktion hängt vollständig von einer gesunden Leber ab.
Und wie wir ja wissen, ist ja insbesondere die Leber bei den meisten Pferden heutzutage chronisch überlastet.
Was das bedeutet und warum natürliche Quellen wie Hagebutten und Sanddorn so wichtig sind und warum synthetisches Vitamin C das Problem nicht löst, sondern sogar verschlimmern kann.
Was Vitamin C im Körper leistet
Vitamin C – chemisch Ascorbinsäure – hat im Körper Aufgaben, die weit über den bekannten Immunschutz hinausgehen. Es ist an mehreren lebenswichtigen biochemischen Prozessen beteiligt, von denen einige beim Pferd besonders bedeutsam sind:
Kollagenaufbau – die wichtigste Aufgabe
Kollagen ist das häufigste Protein im gesamten Körper (und das nicht nur bei Pferden). Es macht ein Drittel aller Körperproteine aus. Es bildet die Grundstruktur von Sehnen, Bändern, Knorpel, Knochen, Gefäßwänden, Haut und Darmwand.
Ohne Vitamin C kann kein Kollagen aufgebaut werden.
Der Grund:
Kollagen besteht zu einem großen Teil aus Hydroxyprolin – einer besonderen Form der Aminosäure Prolin, die erst durch ein Enzym namens Prolyl-Hydroxylase gebildet wird. Dieses Enzym benötigt Vitamin C als unverzichtbaren Kofaktor. Fehlt Vitamin C, bleibt das Kollagen strukturell schwach, denn die typische Dreistrang-Struktur des Kollagens (Trippelhelix) kann sich nicht richtig ausformen.
Das Ergebnis:
Sehnen und Bänder werden weniger reißfest, Wunden heilen schlechter, Gelenke werden instabil.
Die Folgen sind vielfältig. Neben direkten Schäden an Sehnen und Bandapparat treten auch Folgeschäden an den Gelenken auf.
Denn fehlende Stabilität bedeutet ein höheres Verletzungsrisiko und eine dauerhafte Reizung kann sowohl zu akuten Entzündungen sowie degenerative Veränderungen wie Arthrose führen. .
Auch bietet dies einen potentiellen Erklärungsansatz für manche typische moderne Phänomene wie der Zunahme von Tragerschöpfung und Hyperflexibiltät.
Selbst die Entstehung von Hufrehe und hier insbesondere die gefürchteten Strukturschäden mit Hufbeinsenkung und Rotation können durch diese Mechanismen gefördert werden.
Wenn Pferde schwächere Sehnen, instabilere Gelenke oder eine schlechte Wundheilung zeigen, lohnt es sich daher immer, auch an die Vitamin-C-Versorgung zu denken.
Weitere Aufgaben im Überblick
→ Natürliches Vitamin C schützt Zellen vor oxidativem Stress – aber, und das ist entscheidend, auf eine an den tatsächliche Bedarf angepasste Weise:
Es reagiert selektiv auf den Schaden, ohne die kleinen physiologischen Signalradikale zu blockieren, die der Körper für seine Anpassungsprozesse braucht:
Antioxidativer Schutz
→ Unterstützt die Funktion von Immunzellen und die Bildung von Antikörpern: Immunsystem
→ Verbessert die Resorption von pflanzlichem Eisen im Darm – relevant bei Pferden mit hohem Heuanteil in der Ration
→ Nebennieren benötigen Vitamin C für die Produktion von Stresshormonen – bei chronisch gestresstem oder krankem Pferd steigt der Bedarf erheblich:
Stresshormon-Synthese
→ Vitamin C reaktiviert verbrauchtes Vitamin E – beide arbeiten als Team: Regeneration anderer Antioxidantien
Das Pferd ist kein Mensch – es kann Vitamin C selbst herstellen
Der wichtigste Unterschied zwischen Pferd und Mensch in Bezug auf Vitamin C:
Menschen, Meerschweinchen und einige wenige andere Spezies können kein Vitamin C selbst synthetisieren – sie sind auf die Zufuhr über die Nahrung angewiesen.
Das Pferd dagegen besitzt ein Enzym, das Menschen so nicht haben:
L-Gulonolakton-Oxidase (GLO) – das Schlüsselenzym
In der Leber des Pferdes wandelt die L-Gulonolakton-Oxidase (kurz: GLO) Glukose in Ascorbinsäure um.
Das Pferd kann damit seinen gesamten Vitamin-C-Bedarf selbst decken. Aber nur wenn die Leber gesund ist und dafür ausreichend Kapazität hat und dazu mit genug Glukose versorgt ist.
Diese Eigenproduktion ist bedarfsgesteuert:
Steigt der Bedarf (wie bei Stress, Krankheit, Verletzung oder Belastung ) steigt auch die Produktion.
Das klingt zunächst so, als wäre die Vitamin-C-Versorgung beim Pferd kein Thema.
Und unter natürlichen Bedingungen mit gesundem Darm und intakter Leberfunktion stimmt das auch. Aber genau diese Voraussetzungen sind unter modernen Fütterungs- und Haltungsbedingungen häufig nicht erfüllt.
Wenn die Leber nicht mehr mithält
Die GLO-Aktivität – also die Fähigkeit der Leber, Vitamin C herzustellen – hängt von zwei Dingen ab: einer funktionierenden Leber und ausreichend Glukose als Ausgangssubstrat. Beide sind beim modernen Pferd häufig eingeschränkt.
Was die Leber des modernen Pferdes belastet
→ Bakteriengifte aus dem Leaky Gut durch Dysbiose erreichen die Leber über die Pfortader und lösen chronische Entzündung aus:
LPS (Lipopolysaccharide)
→ Toxine hemmen CYP-Enzyme der Leber – die Entgiftungskapazität sinkt, die Leber ist dauerhaft mit der Entgiftung beschäftigt:
z.B. Glyphosat
→ Präformiertes Vitamin A aktiviert Lebersternzellen (hepatische Stellatuszellen), mss dort gespeichert und entgiftet werden und fördert Fibrose; synthetisches D3 verstärkt die Calciumbelastung:
Synthetische Vitamine A und D3
→ Ammoniak aus dem dysbiosegeschädigten Hinterdarm muss in der Leber entgiftet werden. Entgiftung allgemein verdrängt alle anderen Leberfunktionen: Hyperammonämie
Wenn die Leber mit all diesen Aufgaben beschäftigt ist, bleibt für die GLO-Aktivität und damit die Vitamin-C-Produktion schlicht weniger Kapazität.
Gleichzeitig sinkt auch die Glukoseverfügbarkeit, weil die Gluconeogenese (Glukoseherstellung aus Fettsäuren) bei Dysbiose und Propionat-Mangel (Propionat ist eine freie Fettsäure, die vom Darmmikrobiom gebildet und als Baustoff und Energieträger fungiert) eingeschränkt ist.
Beides wird für die Vitamin-C-Eigensynthese benötigt.
Was das klinisch bedeutet
Vitamin C wird beim Pferd als 'nicht-essentielle' Verbindung klassifiziert – weil der Körper es selbst herstellen kann. Aber diese Klassifizierung gilt unter der Bedingung einer gesunden Leber. Beim Pferd mit chronischer Leberbelastung und Dysbiose wird Vitamin C bedingt essentiell:
Der Körper kann nicht mehr ausreichend produzieren, und genau dann steigt gleichzeitig auch der Bedarf (Entzündungen, Stress, Geweberegeneration).
Warum Stress den Bedarf zusätzlich erhöht
Unter Belastung, Krankheit oder chronischem Stress steigt der Vitamin-C-Verbrauch erheblich: Die Nebennieren verbrauchen große Mengen für die Stresshormon-Produktion, das Immunsystem zieht Vitamin C aus dem Blut, und der oxidative Stress durch Entzündungen verbraucht es als Antioxidans.
Bei einem Pferd, das ohnehin schon an der Grenze der GLO-Kapazität produziert, kann das zu einem echten Versorgungsengpass führen . Auch wenn im Labor kein offensichtlicher Mangel feststellbar ist, weil auch Vitamin C sich primär in Geweben, nicht im Blut, manifestiert.
Natürliches Vitamin C vs. synthetische Ascorbinsäure – ein wichtiger Unterschied
Viele Mineralfutter für Pferde enthalten synthetisches Vitamin C wie Ascorbinsäure als Zusatzstoff.
Das klingt zunächst unproblematisch – schließlich ist das Molekül dasselbe. Aber es gibt mehrere Gründe, warum synthetisches und natürliches Vitamin C nicht gleichwertig sind:
Synthetische Ascorbinsäure :
→ Isoliertes Einzelmolekül ohne Begleitstoffe
→ Hochdosiert – übersteigt physiologischen Bedarf
→ Supprimiert nachweislich die GLO-Aktivität der Leber
→ Blockiert möglicherweise physiologische ROS-Signale
→ Kein Synergismus mit sekundären Pflanzenstoffen
→ Stabile Lagerfähigkeit, aber biologisch weniger aktiv
Natürliches Vitamin C (Hagebutten, Sanddorn):
Eingebettet in biologische Matrix mit Bioflavonoiden
→ Bedarfsgerecht durch natürliche Konzentration und geregelte Aufnahme
→ Supprimiert GLO-Aktivität nicht
→ Lässt physiologische Signalradikale passieren
→ Synergismus mit OPC, Carotinoiden, Terpenen
→ Natürlich stabilisiert und optimale Bioverfügbarkeit durch Begleitstoffe
Das GLO-Suppressions-Problem-ein entscheidender Unterschied;
Hochdosiertes synthetisches Vitamin C hemmt nachweislich die GLO-Aktivität in der Leber.
Der Körper misst, dass er 'genug' Vitamin C hat und drosselt daraufhin die Eigenproduktion.
Was aber passiert, wenn die Supplementierung aufhört oder der Bedarf plötzlich steigt:
Die GLO-Kapazität muss erst wieder hochgeregelt werden. In der Zwischenzeit besteht ein Versorgungsengpass.
Das ist ein auffälliges Muster, das wir z.B. auch von synthetischem Vitamin E kennen:
Exogene Antioxidantien in hohen Dosen hemmen körpereigene Bedarfsanpassungsmechanismen.
Die kurzfristige Versorgung wird sichergestellt, die langfristige Eigenregulation aber untergraben.
Was über den genauen Mechanismus bekannt ist
Ob die GLO-Suppression durch einen klassischen Feedback-Mechanismus (Leber 'misst' Ascorbat-Spiegel) oder über ROS-Signalwege (die GLO-Reaktion produziert als Nebenprodukt Wasserstoffperoxid, das selbst ein Signalmolekül ist) geschieht, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt.
Beim Menschen ist belegt, dass synthetisches Vitamin C gemeinsam mit Vitamin E trainingsbedingte Anpassungssignale in Muskelzellen blockiert.
Da der Signalweg (AMPK/PGC-1alpha) bei allen Säugetieren identisch ist, gilt das auch für das Pferd.
Sanddorn und Hagebutten: Warum natürliche Quellen besser sind
Hagebutten und Sanddorn sind natürliche hochkonzentrierte Vitamin-C-Quellen für Pferde.
Aber sie liefern mehr als nur Vitamin C:
Hagebutten – Vitamin C mit antientzuendlicher Wirkung
Inhaltsstoff Funktion
Ascorbinsäure (Vitamin C) In biologischer Matrix – wird bedarfsgerecht resorbiert ohne GLO zu supprimieren
Bioflavonoide (Rutin, Quercetin) Schützen und stabilisieren Vitamin C, wirken selbst antioxidativ und antientzündlich
Carotinoide (Beta-Carotin, Lycopin) Pflanzliche Vorstufe von Vitamin A , wird bei Bedarf aktiviert , keine Leberbelastung wie durch präformiertes Vitamin A
Galactolipide (GOPO) Besonders gut untersucht bei Gelenkentzündungen – hemmen Arachidonsäure-Kaskade
Pektin, Fruchtsäuren Unterstützen Darmgesundheit und Mikrobiom
Sanddorn– Vitamin C plus Omega-7
Inhaltsstoff Funktion
Ascorbinsäure (Vitamin C) Hoch konzentriert, aber in pflanzlicher Matrix dadurch optimal bioverfügbar ohne Suppressionseffekt
Omega-7-Fettsäuren (Palmitolsäure) Unterstützen die Regeneration von Schleimhäuten z.B. in Darm, Magen und Atemwegen
Carotinoide (über 40 verschiedene) Breites natürliches Antioxidantien-Spektrum
Tocopherole (natürliches Vitamin E) RRR-alpha-Tocopherol – natürliche direkt verwendbare Form, kein all-rac-Effekt
Flavonoide, Terpene Synergistisch antientzündlich mit Vitamin C
Natürliches Vitamin C aus Hagebutten und Sanddorn ist nicht mit synthetischer Ascorbinsäure vergleichbar. Es kommt in einer Form und mit Begleitstoffen vor, die der Körper kennt und versteht.
Warum Frisches Gras die beste Quelle ist – und warum Heu nicht reicht
Frisches Weidegras enthält viel Vitamin C – aber es ist sehr instabil. Sobald das Gras geschnitten wird und Hitze, Licht und Sauerstoff ausgesetzt ist, zerfällt das Vitamin C rasch.
Heu – selbst bestes Heu – enthält nach dem Trocknungsprozess kaum noch messbares Vitamin C.
Das bedeutet: Ein Pferd ohne ausreichend Weidegang auf frischem Gras wird allein aus dem Grundfutter nicht nennenwert mit Vitamin-C versorgt.
Das ist kein Problem, solange in der Leber die GLO-Eigensynthese läuft. Aber es zeigt, warum bei Pferden mit eingeschränkter Leberfunktion insbesondere wenn kein Weidegang erfolgt natürliche Vitamin-C-Quellen in der zusätzlichen Fütterung sinnvoll sind.
Was das für die Fütterung deines Pferdes bedeutet
→ Dein Pferd kann Vitamin C selbst herstellen – aber nur wenn die Leber gesund und gut mit Vorstufen und Energie versorgt ist
→ Chronische Leberbelastung durch Dysbiose, Umweltgifte und synthetische Vitamine schränkt diese Eigenproduktion ein
→ Synthetische Ascorbinsäure als Zusatzstoff kann die GLO-Aktivität hemmen und möglicherweise physiologische Signalwege beeinträchtigen
→ Natürliche Quellen wie Hagebutten und Sanddorn liefern Vitamin C in biologischer Matrix – mit Bioflavonoiden, Carotinoiden und Omega-7 als Begleitstoffe
→ Frisches Weidegras auf naturnaher pestizidfreier Weide ist nach wie vor die beste Vitamin-C-Quelle – Heu liefert kaum noch aktives Vitamin C
→ Die Leber zu entlasten ist der effektivste Weg, die Vitamin-C-Eigenproduktion zu fördern – Darm- und Leberunterstützung sind hier der primäre Ansatz