04/04/2026
Warum soll Andersartigkeit falsch sein?
Ich habe ein neurodivergentes Kind.
Und vielleicht wäre ich es auch, wenn ich mich testen lassen würde.
Was mich immer wieder berührt:
Ich begleite Menschen, die sich selbst hinterfragen, sich anpassen, sich zurücknehmen und irgendwann glauben, sie seien nicht richtig, so wie sie sind.
Und ich frage mich:
Wer hat eigentlich definiert, was „richtig“ ist?
In meiner Arbeit erlebe ich oft etwas anderes.
Ich sehe Menschen mit feiner Wahrnehmung, mit einem klaren Blick für Zusammenhänge, mit Gedanken, die tief gehen und Sinn machen.
Und trotzdem zweifeln genau sie an sich.
Nicht, weil sie falsch sind.
Sondern weil sie in Strukturen leben, die nicht auf sie ausgerichtet sind.
Gerade im Schulsystem wird das sichtbar.
Kinder mit so viel Potenzial und doch haben viele das Gefühl, nicht zu genügen.
Vielleicht nicht, weil sie nicht können.
Sondern weil sie anders lernen, anders wahrnehmen, anders funktionieren.
Und ich frage mich oft:
Warum fällt es uns so schwer, dafür Raum zu schaffen?
Wir leben in der Schweiz mit so vielen Möglichkeiten.
Und doch bleiben viele Strukturen sehr starr.
Eine freie Schulwahl wäre vielleicht kein kompletter Wandel,
aber ein erster Schritt.
Und die Volksschule darf dabei genau so bestehen bleiben, wie sie ist, für all jene, für die sie passt.
Freie Schulwahl bedeutet nicht, etwas wegzunehmen.
Sondern Möglichkeiten zu erweitern.
Mehr Raum, damit Kinder dort lernen dürfen, wo sie sich entfalten können.
Ich fühle, dass gerade in der Andersartigkeit auch eine Chance liegt.
Eine Einladung, tiefer hinzuschauen, sich selbst besser zu verstehen und neue Wege zu gehen.
Viele Menschen müssen das vielleicht nie,
weil sie funktionieren.
Und solange alles funktioniert, wird selten hinterfragt.
Und gleichzeitig ist mir bewusst:
Dieser Weg ist nicht immer leicht.
Und dieser Gedanke nicht für alle tröstlich.
Vielleicht geht es gar nicht darum, in ein System zu passen.
Sondern darum, Systeme zu schaffen, in denen Menschen wachsen können.
Vielleicht beginnt Veränderung genau da,
wo wir anfangen, Andersartigkeit nicht mehr als Problem zu sehen,
sondern als Teil von uns.
Was denkst du?
Herzgruss