09/03/2026
SICH ALS MENSCHEN BEGEGNEN 🤍
Was ist eigentlich meine Aufgabe als Therapeutin?
Die Rolle von Therapeutinnen und Therapeuten wird heute oft missverstanden – manchmal von aussen, manchmal auch von uns selbst. Dabei vergessen wir leicht etwas sehr Einfaches: In erster Linie sind wir Menschen.
Menschen mit Geschichten, Erfahrungen, Stärken und Schwächen. Niemand von uns ist allwissend. Niemand steht ausserhalb des Lebens oder betrachtet es von einer höheren Warte aus. Wir alle gehen unseren Weg zum ersten Mal. Niemand von uns durchlebt dieselbe Situation ein zweites Mal auf dieser Welt.
Im Englischen gibt es einen Ausdruck, der für mich sehr gut beschreibt, worum es in der Therapie eigentlich geht: holding space – Raum halten.
Raum schaffen, damit ein Mensch sich zeigen kann. Zuhören, ohne sofort korrigieren oder lösen zu müssen.
Der Psychologe C. G. Jung hat diese Haltung einmal sehr treffend formuliert:
“Know all the theories, master all the techniques, but as you touch a human soul, be just another human soul.”
Wir können Theorien lernen und Techniken beherrschen. Doch in der Begegnung zweier Menschen verliert dieses Wissen seine Bedeutung, wenn wir vergessen, wer wir selbst sind: ein Mensch, der einem anderen Menschen begegnet.
Heilung geschieht nicht durch mich. Sie entsteht im Menschen selbst. Meine Aufgabe ist es lediglich, Impulse zu setzen – durch ein Gespräch, eine Nadel oder eine Berührung. Kleine Inputs, die etwas im System in Bewegung bringen können.
Manchmal beginnt daraus ein Prozess, der über das ursprüngliche Anliegen hinausgeht. Doch dieser Prozess gehört immer dem Menschen selbst.
Meine Rolle besteht lediglich darin, ein Stück des Weges zu begleiten – mit dem Wissen der chinesischen Medizin.
Nicht als jemand, der über anderen steht.
Sondern als Mensch, der einem anderen Menschen begegnet.
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