09/01/2026
Als meine Tochter sagte: "Ich versuche es, Papa" – eine Lektion in Liebe und Verständnis
Liebe Freunde,
ich wünsche euch allen von Herzen ein gesegnetes und vertrauensvolles neues Jahr!
Ein aktueller Anlass bringt mich dazu, eine sehr persönliche Erfahrung mit euch zu teilen – eine Erinnerung, die mich auch heute noch bewegt und mich viel gelehrt hat. Es ist neun Jahre her; meine Kinder waren drei und vier Jahre alt.
An einem Abend saßen wir gemeinsam beim Abendessen. Wie es manchmal so ist, kam Unruhe auf. Meine damals vierjährige Tochter fing an zu weinen.
Ich sehe mich noch heute vor ihr stehen: Ich gehe zum Tisch und fordere sie auf, aufzuhören zu weinen – einfach, weil es mir zu laut war. Sie sah mich an und sagte: „Ich versuche es, Papa.“
Meine Frau blickte mich an und sagte: „Christian, du bist so streng mit ihr.“ Meine Antwort war: „Ja, wenn sie weint wie ein kleines Kind.“ Daraufhin entgegnete meine Frau: „Sie ist noch ein kleines Kind.“
In diesem Moment fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Es war, als würde sich ein Schleier vor meiner Wahrnehmung heben. Ich sah meine Tochter an, und das Einzige, was ich noch sagen konnte, war: „Es tut mir leid. Das war falsch von mir.“ Ich nahm sie in die Arme und spürte, wie in uns beiden Ruhe einkehrte.
Diese Situation hat mir eine tiefe Einsicht geschenkt: Unsere Kinder tun alles aus Liebe zu uns. Sie passen sich an und nehmen in solchen Momenten sogar Schuld auf sich, weil sie glauben, Mama oder Papa hätten recht. Sie versuchen, all unseren Wünschen gerecht zu werden – aus reiner Liebe, unterdrücken sie dafür ihre eigenen Gefühle.
Eine ähnliche Situation, die wir alle kennen: Ein kleines Kind, das gerade laufen gelernt hat, stolpert, fällt hin und fängt an zu weinen. Was ich oft beobachte, ist, dass die Bezugsperson gutgemeint, hingehen und sagen: „Ist doch nichts passiert!“, „Steh wieder auf!“ oder „Wegen so etwas braucht man nicht zu weinen.“
Aus der Sicht des Kindes ist es jedoch so: Es ist erschrocken. Aus diesem Schreck heraus – vielleicht verbunden mit einem kleinen Schmerz – fängt es an zu weinen. Wenn wir dann mit unserer rationalen Erwachsenen-Sicht kommen und sagen, es solle aufhören, fordern wir das Kind erneut auf, seine Gefühle zu verdrängen.
Was wäre der bessere Weg?
Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es Wunder wirkt, wenn ich in einem solchen Moment hingehe und einfach frage: „Bist du erschrocken?“ Das Kind bejaht meine Frage, und es dauert keine Minute, bis es wieder zu seiner inneren Ruhe findet. Es hilft dem Kind, dieses kleine Erlebnis mit seinen eigenen Emotionen zu verarbeiten, weil es sich verstanden und angenommen fühlt – emotional verstanden.
So hätte es auch beim Abendessen sein können: Hätte ich meine Tochter damals emotional abgeholt und auf das Bedürfnis gehört, das sie mit ihrem Weinen ausdrücken wollte.
Diese Erkenntnis habe ich durch Reflexion gewonnen. Und deshalb möchte ich euch einladen, selbst in euch zu gehen:
• Wie habt ihr es als Kind erlebt?
• Wie wurde mit euren Emotionen umgegangen?
• Haben euch eure Eltern das Gefühl gegeben, dass ihr mit euren Gefühlen richtig und willkommen seid?
• Oder wart ihr eher mit Sätzen wie „Geh in dein Zimmer, komm wieder raus, wenn du ruhig bist“ konfrontiert?
Solche Erfahrungen führen zu inneren Verstrickungen und Verwirrungen. Wenn wir in unseren Emotionen mit unserem kindlichen Unwissen alleingelassen werden, dann heilen diese wiederkehrenden Erfahrungen nicht wie eine Narbe, die zuwächst. Nein. Solange diese Emotionen nicht ausgedrückt werden konnten, gehen wir oft mit dem begleitenden Gefühl durchs Leben, alles tun zu müssen, um anderen (unseren Eltern) zu gefallen. Das hat den teuren Preis, dass wir uns selbst dabei verlieren und im Kern nicht mehr wissen, wer wir wirklich sind. Und weil wir es so von unseren Eltern gelernt haben, geben wir es oft ungewollt auch so weiter.
Solange, bis wir emotional verstanden haben, welche Schmerzen solche erzieherischen Herangehensweisen in uns selbst hinterlassen haben. Dabei geht es mir in keiner Weise darum, unsere Eltern oder uns selbst zu verurteilen. Nein! Aber es ist so: Solange wir unsere eigenen Verletzungen emotional nicht verstanden haben, wird sich in unserem Verhalten – und so in unserem Umfeld - nur sehr schwer eine Veränderung einstellen.
Ich möchte dich herzlich zu einem meiner nächsten Anlässe einladen, in denen wir solche Themen beleuchten und uns auf dem Weg zu uns selbst ein Stück näherkommen. Was dazu führt, dass wir in schweren und herausfordernden Momenten, unserem Gegenüber mit Mitgefühl vermitteln können, dass wir es emotional verstanden haben.
Hierfür biete ich verschiedene Räume an:
• Das Offene Seminar bietet eine Möglichkeit für diese Selbstbegegnung in der Gruppe – nächstes Mal am Freitag, 23. Januar 2026.
• Ab März 2026 startet eine Frauengruppe.
• Ab März 2026 biete ich eine Männergruppe an.
• Ebenfalls ab März 2026 gibt es für alle, die ein tieferes Verständnis für Psychodrama erlangen möchten, die zertifizierte Weiterbildung Identitätsorientierte Psychotraumatheorie (IoPT).
Ich wünsche dir ein friedvolles Wochenende und freue mich darauf, dich auf deinem oder auf einem meiner Wege wiederzubegegnen.
Mit Herz & Licht
Christian
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