06/07/2021
Zeitlos dieser Text von Dr. M.S. Jus. Besonders folgende Punkte:
"Kein Patient sollte wegen dem Ego seines behandelnden Arztes oder Therapeuten leiden müssen. Jede Therapieform hat ihre Grenzen."
"Wenn ein Patient an einer viralen Pneumonie erkrankt ist, bei der die Schulmedizin keine spezifischen Medikamente verschreiben kann, warum überweist man diesen Patienten nicht zu einem Homöopathen?"
"In der Diskussion untereinander sollte die Kernfrage sein: “Was ist das Beste für den Patienten?“ und nicht „Welches System ist besser?“"
"Rabindranath Tagore, ein indischer Poet und Philosoph sagte: „Bei dem Streit um die Wahrheit bleibt der Streit die einzige Wahrheit“."
"Wir alle, Homöopathen, Ärzte, Krankenschwestern und Therapeuten sollten für das gleiche gemeinsame Ziel arbeiten, das heisst, “am gleichen Strick ziehen”, um die Gesundheit wiederherzustellen - umfassend und mit möglichst wenig Nebenwirkungen, die das Leben stören oder belasten."
Editorial Simila 93 - Mohinder Singh Jus
Ich erinnere mich gut an das Jahr 1964. Ich war Student im 1. Jahr am Calcutta Homoeopathic College. Die Vorlesungen von Dr. B.K. Bose erschienen meinem jungen Geist unstrukturiert und seltsam. Aus diesem Grund schwänzte ich sie meistens. Eines Tages traf mich der Meister im Treppenhaus, er lief nach oben ins Klassenzimmer, ich nach unten. Er schaute mich streng an und fragte mich wohin ich wollte, ich sollte ihm folgen! Mit gesenktem Haupt nahm ich im Klassenzimmer Platz. Und dann geschah es, plötzlich verstand ich die Weisheit hinter der Zweideutigkeit seiner Wörter, alles machte Sinn und faszinierte mich. Von da an, war ich nicht nur vom Virus der Homöopathie unheilbar infiziert, sondern ich hatte auch meinen Mentor gefunden. Nach dem Studium und anschliessender Assistenzzeit im Spital, nahm ich schweren Herzens Abschied von Dr. Bose, um meine eigene Praxis in Delhi zu etablieren. Am 9. Dezember 1977 erhielt ich die Nachricht, dass Dr. Bose auf dem Sterbebett liege. Ich flog sofort nach Kalkutta und besuchte ihn. Er lag im Halbkoma, ich schüttelte ihn und forderte ihn auf, mit mir zu reden. Er berührte meinen Bart und sagte: „Ah, du bist es… trage Sorge zur Homöopathie“. Es ist mir seither eine Ehre gewesen, seinen letzten Wunsch als mein Lebensziel zu erfüllen.
1985 kam ich in die Schweiz mit dem Ziel, die von Dr. Bose erlernte Homöopathie bekannt zu machen und die Homöopathie als eigenständige Medizin zu etablieren. Seit Beginn meiner Praxistätigkeit war mir die Zusammenarbeit mit schulmedizinischen Kollegen eine Selbstverständlichkeit. Hier in der Schweiz wurde ich oft missverstanden. Da ich mich vehement für die Homöopathie einsetze und nie müde bin, die nachteilige Wirkung der Unterdrückung von Symptomen auf die Gesundheit zu erläutern, schlossen viele daraus, ich sei ein Gegner der Schulmedizin.
In Wahrheit bin ich immer für die Zusammenarbeit mit schulmedizinischen Ärzten. Viele meiner besten Freunde sind Schulmediziner. Zusammenarbeit hilft nicht nur dem Patienten, auch dem Arzt und Homöopathen. Indem wir unser Wissen weitergeben und teilen, erweitern wir auch unseren Horizont und verbessern und steigern unsere Fähigkeiten.
Kein Patient sollte wegen dem Ego seines behandelnden Arztes oder Therapeuten leiden müssen. Jede Therapieform hat ihre Grenzen. Ein Arzt oder Homöopath sollte immer das Beste für seinen Patienten tun. Auch wenn es manchmal gegen die eigenen Dogmen und Glaubenssätze geht. Wenn ein Patient an einer viralen Pneumonie erkrankt ist, bei der die Schulmedizin keine spezifischen Medikamente verschreiben kann, warum überweist man diesen Patienten nicht zu einem Homöopathen? Viele Frauen konnten durch eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Gynäkologen und dem Homöopathen vor einer Operation bewahrt werden. Die Lebensqualität unzähliger Patienten, zB. Bei fortgeschrittener Polyarthritis, chronischem Asthma oder Herzproblemen, kann durch eine sinnvolle Zusammenarbeit beider Therapien verbessert werden. Betrachten wir die Kinder mit einer Neigung zu rezidivierenden Tonsillitiden, so können die meisten Kinder von dieser Neigung durch die Homöopathie befreit werden. Die Kinder die nicht auf die Homöopathie ansprechen, sollte man überweisen. Hier kann die Chirurgie dann helfen. In der Diskussion untereinander sollte die Kernfrage sein: “Was ist das Beste für den Patienten?“ und nicht „Welches System ist besser?“ Kein Kind sollte wegen der Arroganz seines Arztes leiden. Rabindranath Tagore, ein indischer Poet und Philosoph sagte: „Bei dem Streit um die Wahrheit bleibt der Streit die einzige Wahrheit“. Arroganz macht uns Menschen intolerant, engstirnig, stolz und überheblich. Demut und der Wunsch zu helfen sollten bei der Behandlung von Kranken überwiegen. Wir alle, Homöopathen, Ärzte, Krankenschwestern und Therapeuten sollten für das gleiche gemeinsame Ziel arbeiten, das heisst, “am gleichen Strick ziehen”, um die Gesundheit wiederherzustellen - umfassend und mit möglichst wenig Nebenwirkungen, die das Leben stören oder belasten.
http://www.homoeosana.ch/default.asp?prono=1432