13/07/2018
Im 21. Jahrhundert soll häusliche Gewalt kein Tabuthema mehr sein! Aus Forschung und Erfahrung wissen wir, dass sich häusliche Gewalt in unterschiedlicher Dynamik und Form zeigt. Melden Sie sich bei den ersten Anzeichen bei einer Fachstelle welche Ihnen eine passende Beratung bietet. Wir engagieren uns für eine gewaltfreie Familien-Atmosphäre, mit unterschiedlichen Beratungsangeboten.
💧Gewalt..
Gewalt gegen Frauen..
Auch bei Sternentaler.
Ein gesellschaftliches Tabuthema
Eines, das Emotionen schürt
Eines, das wir jetzt wagen, aus der Dunkelheit zu holen, für eine unserer Sturmfrauen, die darüber zu schreiben als Überlebenshilfe nimmt..💧
💦Montagfrüh, alles musste so aussehen, als wäre es ein normaler Montag, als würden die Kinder zur Schule gehen, als würde ich wie gewohnt den Haushalt machen, die Tiere versorgen und wenn er dann mittags nach Hause kommt, steht wie gewohnt das Mittagessen auf dem Tisch. Wie immer nicht richtig gewürzt und die Deckel nicht auf den Töpfen, was natürlich zu Konflikten und Erniedrigungen führen wird, einmal mehr.
💦Für ihn war alles wie immer, er freute sich noch darüber, dass ich innert kürzester Zeit so viel abgenommen habe, dass dies keine Absicht war und es das Ergebnis der Sorgen war, ich kaum noch etwas essen konnte, darüber machte er sich keine Gedanken, es fiel ihm gar nicht auf. Er freute sich nur, dass ich so langsam wieder seinem Idealbild glich, an dem er seit Beginn an hart gearbeitet hat. Ich war schon längst nicht mehr ich, ich glich immer mehr dem, was er sich unter seiner „Traumfrau“ vorstellte.
💦💦Ich stand auf, machte die Schulsachen für die Kinder bereit, musste so tun, als würden sie gleich zur Schule gehen. Eine Lehrerin konnte ich frühmorgens schon per Nachricht informieren, dass eines der Kinder krank ist und nicht zur Schule kommen kann. Meinen Grossen konnte ich am Abend zuvor schon von der Schule abmelden, weil er inzwischen eingeweiht war. Meine Tochter war schon in Sicherheit.
Aber unsere Söhne, die sind noch zu klein, um das zu verstehen, um sie einzuweihen, für sie musste bis zum Schluss alles wie gewohnt weiter gehen. Ich zählte die Sekunden, bis er ging – aber er ging später als gewohnt und dann wollte sein Töff auch noch nicht anspringen. Mein Herz klopfte bis zum Hals. Was, wenn der Töff tatsächlich nicht anspringt? Was, wenn er auf halbem Weg stehen bleibt und zurückkommt? Was, wenn er mich anruft, dass ich ihn holen muss?
Plötzlich hatte ich solche Angst und hätte mich fast selbst blockiert.
Doch dann war er weg, ich sah noch seinen Töff am Ende der Strasse ums Eck biegen. Und dann funktionierte ich nur noch. Ich fuhr das Auto auf den Hof, damit nicht jeder mitbekommt, dass ich die wichtigsten Sachen grad einpacke. Mein Grosser lud das Auto ein, ich übergab unsere Katzen mit all ihren Sachen einer ganz lieben Frau, die ihr Haus so einrichtete, dass die Beiden dort Ferien machen dürfen. Dann rief ich in der Schule von unserem Sohn an, um ihn krank zu melden, musste ihn dann ganz fest beruhigen, weil er die Welt nicht mehr verstand. Für jedes Kind ist so eine Situation kaum zu verstehen, aber für ihn, mit seinem Handicap, ist das noch viel schwieriger. Er reagierte panisch, ich selbst war in einem Ausnahmezustand, wollte mich und die Kinder schnellstmöglich in Sicherheit bringen, musste ihn beruhigen, weiter dafür sorgen, dass das Wichtigste mitkommt und wir endlich gehen können.
💦Dann stiegen wir ins Auto, verliessen Haus und Garten, keiner blickte zurück – mein Blick war von Tränen verschleiert, Erleichterung war da, Angst, Ungewissheit – aber keine Zweifel, nicht mehr.
💦Ich fuhr an einen sicheren Ort auf einen Parkplatz und rief im Frauenhaus an, mein Anruf wurde schon erwartet. Auf einem öffentlichen Platz trafen wir uns und wurden in Sicherheit gebracht. Kamen in das Frauenhaus, von dem ich keine Vorstellung hatte, was mich da erwartet, wie es weitergeht.
Und darüber musste ich mir vorerst auch keine Gedanken machen, wie es weitergeht, denn das Wichtigste war, dass wir in Sicherheit waren. An einem Ort, wo Hochsicherheitstüren Schutz und Sicherheit bieten, wo rund um die Uhr Betreuer da sind, die sich liebevoll um uns kümmern, ich egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit über meine Sorgen reden darf.
Endlich waren wir alle in Sicherheit – NIE mehr müssen wir zurück in das alte Leben – das alte Leben ist und bleibt Geschichte, eine traurige Geschichte, die uns geprägt hat. Aber trotz Allem lassen wir uns den Glauben an ein schönes, liebevolles Leben nicht nehmen, das jeder verdient hat.💦