22/04/2026
🤧Kleine medizinische Weisheit für den Alltag🤧 - wieder aktuell: allergischer Schnupfen - Tipps & Tricks für den Alltag (2020)
ALLERGISCHER SCHNUPFEN
- häufig bei Pollen-, Tier-, Hausstaub- oder Schimmelallergie
Die Pollensaison ist in vollem Gange - die Nase läuft, die Augen tränen, der Hals kratzt und teils kommen Niessen und trockener Husten dazu. Alles doppelt unangenehm in Zeiten von Corona.
SYMPTOME & HINTERGRÜNDE
Allergischer Schnupfen entsteht durch eine Entzündung der Schleimhaut der Nase, welche den ganzen Hals-Nasen-Ohren-Bereich bis in die Lungen betreffen kann; wenn es die Lungen betrifft, leidet jemand auch unter allergischen Asthma.
Das heutige Thema ist der allergischen Schnupfen.
Einen allergischer Schnupfen kann leider auch mit Schlafproblemen einhergehen oder Mühe bei den normalen täglichen Aktivitäten und beim Sporttreiben; dies kann bis zu Problemen mit dem Schulbesuch oder beim Arbeiten führen.
Anders gesagt, ein allergischer Schnupfen kann die Lebensqualität deutlich einschränken - glücklicherweise ist dies nur bei anhaltender, ernster Allergie der Fall.
Ähnliche Symptome können auch ohne Allergie auftreten zB bei Schwangerschaft (durch die Hormonveränderungen verursacht), bei Schadstoffen in der Luft (Rauch, Staub) oder nach Einnahme von gewissen Medikamenten wie NSAR, Betablocker, ACE-Hemmer, längerdauerndem Gebrauch von abschwellenden Nasentropfen mit Xylometozalin oder zB Kokain.
Auch ältere Personen leiden relativ häufig an einer laufenden Nase ohne dass eine Allergie gefunden werden kann.
Vom allergischen Schnupfen ist das ORALE ALLERGIESYNDROM abzugrenzen:
dies ist ein Jucken, Brennen des Gaumens, teils mit Schwellung, eventuell auch Übelkeit und Erbrechen und der oben beschriebenen Nasenentzündung (Rhinitis). Meist tritt dies sehr kurz nach Genuss eines Nahrungsmittels auf, auf das man allergisch ist.
Kleine Kinder leiden vermehrt an Husten und Unwohlsein und erzählen erst über Nasen- und Augenbeschwerden nach nachfragen.
SIND POLLEN DIE URSACHE? EIN APP HILFT BEI POLLENALLERGIE
Sehr hilfreich, um zu wissen, ob Pollen die Ursache sein könnten und welche Pollen ist die App PollenNews - sie gibt einem aktuelle Angaben zu den Pollenkonzentrationen in den verschiedenen Regionen der Schweiz.
Ansonsten ist es hilfreich, nachzudenken in welchen Situationen (draussen, drinnen, beim Sport, ..) und bei welchen Aktivitäten (Staubsaugen, Tierversorgung, immer im Frühling draussen oder bei offenen Fenstern, bei Temperaturveränderungen, in rauchiger Umgebung..) die Symptome oft auftreten um die Ursache zu finden.
WER LEIDET AN EINEM ALLERGISCHEN SCHNUPFEN?
50 von 1000 Personen, die sich in einer Hausarztpraxis melden, leiden daran - dies sind etwas häufiger Frauen als Männer im Alter von 5-45Jahren, am stärksten sind die Symptome meistens von 19-24Jahren. Das heisst mit zunehmendem Alter nehmen die allergischen Beschwerden normalerweise langsam ab.
Man geht davon aus, dass ein Vielfaches der oben genannten Anzahl an Menschen eine Pollenallergie haben, diese aber selber behandeln mit frei käuflichen Medikamenten.
Etwa 40% der Patienten mit allergischem Schnupfen entwickeln Asthma, etwa 80-90% der Patenten mit Asthma leiden auch an einem allergischen Schnupfen.
ALARMSYMPTOME - WANN IST VORSICHT GEBOTEN?
- Wenn die Symptome immer nur die gleiche Nasenseite betreffen
- Wenn die Symptome neu sind bei älteren Menschen
- Wenn die Symptome kein Ansprechen auf die gängigen Behandlungen zeigen
In diesen Fällen ist eine ärztliche Beurteilung empfohlen
MÖGLICHE ERGÄNZENDE UNTERSUCHUNGEN
Ist durch den Verlauf nicht klar, welches die Ursache für die Beschwerden ist, kann im Blut eine Screeninguntersuchung stattfinden - für diese Untersuchung ist zumindest ein gewisser Verdacht als Ursache nötig, da gezielt gesucht werden muss zB nach Pollen oder Tieren und nicht einfach alle möglichen Ursachen gleichzeitig getestet werden. Ein negativer Test im Blut schliesst eine Allergie auf eine nicht getestete Ursache nicht aus.
Eine andere Testmöglichkeit sind Hauttests (Prik-Tests) beim Hautarzt.
WAS HILFT GEGEN ALLERGISCHEN SCHNUPFEN?
Es ist wichtig, zu verstehen, dass ein allergischer Schnupfen nach Kontakt mit dem sogenannten Allergen (zB dem Tier, den Pollen etc) entsteht - eine gute Neuigkeit ist, dass der Schnupfen nicht auftritt, wenn man den Kontakt mit dem Allergen vermeidet und eine weitere gute Neuigkeit ist, dass ein allergischer Schnupfen selten lebenslang anhält.
NICHT-MEDIKAMENTÖSE BEHANDLUNGEN SIND:
- Kontakt zu Allergenen vermeiden (ein Allergen, ist der Stoff, auf den man allergisch ist)
- Verrauchte Umgebungen meiden
- Die Nase reinigen mit physiologischen Nasentropfen (dh mit Salzwasser mit der Konzentration von 0.9% NaCl)
TIPPS UND TRICKS BEI POLLENALLERGIE:
- sich vor dem Rausgehen über die aktuelle Pollenbelastung informieren
- (Auto)Fenster bei hoher Belastung geschlossen halten
- eine Sonnenbrille tragen
- Gras nicht selber mähen
- Kleider nach dem Waschen in der Pollensaison nicht draussen trocknen lassen
- Kleider nicht im Schlafzimmer wechseln
- Ferien in einer Saison oder an einem Ort mit tiefer Pollenbelastung (in den Bergen oder am Meer)
TIPPS UND TRICKS BEI HAUSSTAUBALLERGIE, dh HAUSSTAUBMILBENKOTALLERIGE
- Bettwäsche mindestens einmal pro 2 Wochen mit 60°C waschen
- glatte Schlafzimmeroberflächen wählen, welche gut reinigbar sind
- regelmässig feucht (!) Staubwischen und Staubsaugen (wenn möglich nicht selber staubsaugen)
- NICHT MEHR EMPFOHLEN WERDEN: Matratzenhüllen, Luftfilter oder Pestizide
TIPPS UND TRICKS BEI HAUSTIERALLERGIE
- möglichst den Kontakt mit dem Tier vermeiden
- ein Weggeben des Tieres für eine kurze Zeit zur Probe ist NICHT sinnvoll, da es Monate dauert, bis die Allergene aus dem Haus verschwinden
- regelmässiges, gründliches Putzen (feucht aufnehmen und abstauben) in einer Wohnung mit möglichst glatten, gut reinigbaren Oberflächen ist empfohlen
- das Tier nie ins Schlafzimmer lassen
MEDIKAMENTÖSE BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN
Die Behandlung richtet sich nach:
- Dauer und Ernst der Symptome sowie
- Wirksamkeit und Einfachheit des Gebrauches des Medikamentes
- am besten wirken Kortisonnasenspray und Tabletten mit einem Antihistaminikum; der Kortisonnasenspray ist meist effektiver als Tabletten oder Nasenspray mit Antihistaminikum; Nasenspray gibt es inzwischen auch mit Kortison kombiniert mit einem Antihistaminikum, dieser kann teils gut helfen, wenn ein Kortisonnasenspray allein nicht genügend hilft
- Kortisonnasenspray hilft auch gegen Augenbeschwerden
- Antihistaminikumtabletten wirken i.A. schneller als der Kortisonnasenpray (Stunden anstatt Tage), dh diese Tabletten sind geeigneter für Beschwerden, die nur ab und zu auftreten und können so bei Bedarf genommen werden
- der Kortisonnasenspray ist geeigneter für eine längerfristige oder präventive Therapie
- ein Nasenspray kann bei Bedarf mit einer Tablette kombiniert werden
ANWENDUNG VON KORTISONNASENSPRAY
- vor Gebrauch Nase putzen
- Spray von der Nasenmitte wegspritzen, dh gegen die Nasenaussenwand sprayen (bei sprayen gegen die Nasenmittenwand besteht ein höheres Risiko auf Nasenbluten)
- die Anwendung des Nasensprays ist vor (!) dem Kontakt mit einem allergieauslösenden Stoff wie zB Pollen empfohlen
- während längerem Kontakt zu Allergenen wie in der Pollensaison ist ein regelmässiger Gebruch des Kortisonsprays empfohlen
- sobald die Beschwerden abnehmen, kann eine Verminderung der Kortisondosis probiert werden - wenn die Symptome dadurch zunehmen, ist ein erneutes Benutzen des Nasensprays in der tiefst effektiven Dosis für 1-2Monate empfohlen
DARF KORTISONSPRAY IN DER SCHWANGERSCHAFT BENUTZT WERDEN?
Ja, empfohlen ist die Benutzung eines Kortisonnasensprays mit Fluticason
WELCHE NEBENWIRKUNGEN SIND MÖGLICH?
Bei Tabletten mit Antihistaminikum sowie bei Kortisonnasenspray sind kaum Nebenwirkungen zu erwarten.
Nasensprays können teils zu leicht blutig tingiertem Schnupfen führen, meist zu Beginn der Behandlung und nur vorübergehend - siehe auch Anwendung von Kortisonnasenspray. Falls es zu bluten aus der Nase kommt, ist das Stoppen der Benutzung des Nasensprays für ein paar Tage empfohlen und die Spraytechnik evntuell zu korrigieren. Falls dies nicht hilft, ist ein Wechsel des Nasensprays empfohlen. Hier kann eine Beratung durch einen Arzt helfen.
Ein Loch in der Nasenscheidewand mittig (Nasenscheidewandperforation) ist eine sehr seltene Nebenwirkung und tritt bei korrekter Anwendung des Nasensprays kaum auf.
Die ältere Generation von Antihistaminikumtabletten konnte einen noch müde machen, bei der neueren Generation ist dies kaum oder kein Problem mehr.
KINDER UND KORTISON
Bei korrektem Gebrauch von Kortisonnasenspray werden keine Wachstumsprobleme gesehen - wird die maximal empfohlene Dosis überschritten oder sind gleichzeitig kortisonhaltige Inhalationen oder Tabletten nötig, kann es zu einer Wachstumsverlangsamung kommen.
WEITERE THERAPIEN
KORTISONSPRITZEN UND KORTISONTABLETTEN
- wegen den stärkeren Nebenwirkungen und den praktisch ebenso effizienten, besser erträglichen obigen Therapien wird davon heutzutage abgeraten
- Kortisonspritzen oder Tabletten können erwogen werden, wenn die Symptome sich mit obigen Behandlungen nicht beeinflussen lassen
- Kortisonspritze: Eine Kortisonspritze ist wirksamer als eine Plazebobehandlung. Eine bessere Wirkung als mit Kortisonnasenspray wurde in einer Untersuchung beobachtet (RCT), in einer anderen hingegen nicht. Eine höhere Dosis wirkt besser als eine tiefere Dosis, es wurde kein Unterschied gefunden in der Wirksamkeit zwischen den verschiedenen Kortikoiden.
Nebenwirkungen welche unter Kortisonspritzen auftraten waren: Zuckerkrankheit (Diabetes RR 1.5), Osteoporose (RR 1.2); es wurden auch Infektionen und grauer Star beschrieben (Katarakt).
- Tabletten: man geht von deren Wirksamkeit aus, hingegen gibt es keine gute Literatur dazu in Bezug auf die Behandlung von allergischem Schnupfen
DESENSIBILISATION
- eine subkutane Therapie (mit Spritzen) ist effektiver als eine sublinguale mit Tabletten oder Tropfen
- die subkutane Desensibilisation wird empfohlen bei langandauernden Beschwerden, welche auf obige Medikamente schlecht reagieren; die Indikation wird dafür meistens durch einen Haut- oder Allergiespezialist gestellt, die Durchführung kann gut beim Hausarzt stattfinden
- da eine subkutane Desensibilisation mindestens 1-3Jahre dauert, ist sie nur für motivierte Patienten empfohlen
- die Symptome nehmen nach Monaten bis Jahren ab, meistens verschwinden sie nicht vollständig, hingegen können die Beschwerden auch nach Ende der Therapie weiter abnehmen
- eine sublinguale Therapie mit Tabletten ist weniger wirksam
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Geschrieben im Mai 2020
von Dr med Esther Wiesendanger
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Januar 2020: Umlauf = Paronychia
Februar 2020: Skidaumen
März 2020: Gedanken zu Corona
April 2020: Urtikaria
Mai 2020: Allergischer Schnupfen Referenz nhg richtlijnen (Nederland)