01/01/2026
Stop trying to heal yourself!
Selbstannahme ist kein Gegenpol zur Veränderung – sie ist ihre Voraussetzung.
In psychologischen wie auch spirituellen Räumen wirkt seit Jahren ein wirkmächtiger Imperativ:
Du musst dich heilen. An dir arbeiten. Dich verbessern.
Was dabei oft unbemerkt bleibt:
Ein dauerhafter Drang zur Selbstoptimierung kann zu einer subtilen Form von Selbstabwertung werden. – getragen von der Annahme, so wie ich jetzt bin: reiche ich noch nicht, bin ich noch nicht genügend: weit, heil, spirituell, annehmend, stark, resilient, geerdet, transformiert ect.
Aus psychotherapeutischer Perspektive, insbesondere aus der humanistischen Tradition, zeigt sich ein anderes Bild:
Veränderung entsteht dort, wo das eigene Erleben angenommen werden darf. Menschen wachsen, wenn sie aufhören, sich innerlich zu bekämpfen – und beginnen, sich selbst und dem was sie fühlen zuzuwenden.
Carl Rogers beschrieb dieses Paradox mit grosser Klarheit:
„Erst wenn ich mich akzeptiere, wie ich bin, kann Veränderung geschehen.“
Auch die psychologische Forschung bestätigt diese Haltung. Ein freundlicher, annehmender Umgang mit sich selbst ist mit
– geringerer Symptomschwere,
– besserer Emotionsregulation
– und größerer psychischer Resilienz verbunden.
Nicht Selbstoptimierung wirkt regulierend, sondern die Qualität der Selbstbeziehung.
Symptome sind in diesem Verständnis keine Defizite, sondern sinnvolle, oft kreative Anpassungsreaktionen auf frühere Beziehungserfahrungen, Überforderung oder emotionale Not. Sie wollen nicht beseitigt werden, sondern gehört, verstanden und gehalten.
Heilung beginnt dort,
wo wir aufhören, uns zu reparieren,
Heilung beginnt dort wo wir mit uns und dem was wir erleben in spürbare Beziehung gehen.
Selbstannahme ist kein Stillstand.
Sie ist der nahrhafte Boden, auf dem echte, nachhaltige Veränderung wachsen kann.