16/04/2026
In den letzten Tagen ist viel über Patrick Fischer geschrieben worden, den wohl erfolgreichsten Eishockey-Nationaltrainer, den die Schweiz je hatte und einen der wenigen im Spitzensport, der mentale Stärke wirklich verstanden und gelebt haben. Er hat sein Team nun über Jahre grandios unterstützt und extrem viel geleistet.
Ausgerechnet dieser Trainer wird jetzt, so wenige Wochen vor einer Heim-WM, per sofort entlassen, weil Köpfe im Hintergrund entschieden haben, dass eine alte Geschichte plötzlich nicht mehr tragbar ist. Eine Entscheidung, die auf dem Papier konsequent wirken soll, in der Praxis aber ein ganzes System erschüttert: Spieler, Staff, Vorbereitung, Erwartungen im ganzen Land.
Mir tut es von Herzen leid für einen grandiosen Typ und einen supercoolen Trainer, einen, der so viel gegeben hat, der sein Team gepushed, motiviert und mit ihm Grosses erreicht hat. Dass er dieses Kapitel nicht zu Ende schreiben kann, obwohl klar war, dass er danach sowieso abgetreten wäre, tut mir ehrlich weh. Und ja, ein Teil in mir würden gewissenhafte Entscheidungsträger in diesem Moment liebend gern kräftig in den Hintern treten, auch wenn ich mir genau das hier verkneife zu erwähnen (huupsi.. habs ja doch geschrieben)
Wer denkt darüber nach, was es mit einem Team macht, wenn der Coach so kurz vor einer Heim-WM einfach weg ist? Was das mit Vertrauen, Sicherheit, Fokus und Zusammenhalt macht? Wir reden im Sport ständig von mentaler Stärke, von Resilienz und von Führung, aber wenn es darauf ankommt, werden Entscheidungen getroffen, als gäbe es diesen psychologischen Faktor gar nicht.
Viele tun so, als wäre eine alte Geschichte plötzlich ein aktueller moralischer Skandal. Sie bestrafen nicht nur das, was damals in einem extremen Kontext passiert ist, sondern vor allem das Bekenntnis dazu, Jahre später. Und sie blenden aus, welche massiven Auswirkungen solche Entscheidungen auf ein ganzes System haben: auf ein Team, auf Mitarbeitende, auf eine Nation, die sich auf eine Heim-WM freut.
Jetzt zum Kontext, den viele in den Kommentaren laut diskutiert haben:
Patrick Fischer hat in dieser speziellen Zeit ein Zertifikat genutzt, das nicht der Realität entsprach, in einer Phase, in der man ohne ein solches Dokument faktisch von grossen Teilen des Lebens und des Berufs ausgeschlossen war.
Ich möchte diese spezielle Zeit gar nicht neu aufrollen. Ich habe damals beide Seiten verstanden, die Angst vor der Krankheit und die Angst vor den Massnahmen. Beide waren real, aber nicht beide wurden gleich ernst genommen (ich musste es am eigenen Leib erfahren, wie es ist, nicht "mitzuspielen", keine Maske, keine Imfpung, doch immer gesund, meine Angst war vielen egal). Dieses Kapitel hat genug mit uns gemacht. Ich selbst musste zum Glück nie ein Zertifikat vorweisen. Wäre ich aber in der Rolle von Patrick Fischer gewesen, mit diesem Druck und dieser öffentlichen Verantwortung, hätte ich genauso gehandelt.
Er hat seine Strafe bezahlt, die Sache war rechtlich erledigt. Der eigentliche „Fehler“ aus meiner Sicht war nicht dieses Dokument, sondern höchstens, dass er die Geschichte überhaupt öffentlich gemacht hat. Nicht, weil Ehrlichkeit falsch wäre, sondern weil wir in einer Gesellschaft leben, die zwar Transparenz fordert, aber selten gnädig reagiert, wenn jemand wirklich ehrlich ist.
Als jemand, der tagtäglich mit mentaler Stärke arbeitet, sehe ich hier ein viel grösseres Thema als nur ein Zertifikat oder eine Episode aus der Vergangenheit. Es geht darum, wie wenig viele bereit sind, ganzheitlich zu denken. Wie schnell einige Menschen opfern, um ein Zeichen zu setzen. Wie selten jene den Mut haben zu fragen: Was richtet das auf der menschlichen Ebene an und ist es das wirklich wert?
Ich wünsche der Schweizer NationalMannschaft von Herzen, dass sie diese WM rockt, für sich, füreinander und für Patrick Fischer!! Tut es für all die Arbeit, all die Emotionen, all die Jahre, die in diesem Weg stecken. Ihr habt es verdient, er hat es verdient und ich glaube fest daran, dass ihr dieses Turnier gewinnen könnt.