Seit meiner frühen Kindheit bin ich dem Pferdevirus verfallen, und seitdem stehen diese faszinierenden Tiere für mich an erster Stelle. Mit bereits 7 Jahren entwickelte sich bei meinen unzähligen Reitstunden eine Leidenschaft, die ich durch die Reitbeteiligung von zwei temperamentvollen Araber Hengsten ausleben konnte. Im Alter von 9 Jahren erfüllte sich für mich ein lang ersehnter Traum…ein eigenes Pony! Mit meinem Deutschen Reitpony „Speedy“ bewies ich schon sehr früh Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein und bestritt erfolgreich kleinere Reitturniere. So verbrachte ich meine komplette Jugend auf dem Reiterhof und eignete mir immer mehr Wissen über die Pferde und deren Anatomie und Biomechanik an. Von Speedy musste ich mich leider aus Zeitmangel während meiner Schulzeit trennen.
Im Alter von 20 Jahren kaufte ich mir dann das erste eigene Pferd Namens „Sandy“. Es war Liebe auf den ersten Blick.
Mit dieser charakterstarken 8 jährigen Stute hatte ich das Gefühl, noch einmal ganz von vorne anfangen zu müssen. Eine sehr große Herausforderung stellten Exterieur bedingte Probleme und andere Altlasten dar.
Mein Interesse war geweckt, weshalb ich mich 2012 für eine Ausbildung zur Pferdephysiotherapeutin beim Deutschen Institut für Pferdeosteopathie (DIPO) entschied.
Um mein medizinischen Fachwissen auszubauen, setzte ich noch eine Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten (Fachbereich Pferd) oben drauf. Dies machte das Paket komplett, und bereichert mich sehr bei meiner Arbeit als Pferdephysiotherapeutin.
Warum Pferdephysiotherapie?
Menschen, die die meiste Zeit im Büro am Schreibtisch verbringen oder viel und lange am Steuer eines Autos sitzen, kennen das: Muskelverspannungen, Nacken- und/oder Rückenschmerzen, Kniebeschwerden, allgemeine Steifheit …..
Und genauso geht es vielen unserer Pferde auch!
In der freien Natur ist das Pferd ein „Wandertier“, das ca. 16 Stunden am Tag in Bewegung ist, beim Fressen den Hals weit nach unten dehnt und damit auch den langen Rückenmuskel und alle Gliedmaßen in Bewegung hält. In den wenigsten Fällen können wir unserem Sport- oder Freizeitpartner-Pferd auch nur annähernd Vergleichbares bieten.
So wie uns Menschen dann hin und wieder eine gute Physiotherapie oder Massage mehr als wohl tut, geht es auch unserem Partner Pferd. Erst Recht nach sportlicher Anstrengung oder Rekonvaleszenz nach einer Verletzung.
Bei beiden ist die Physiotherapie also sowohl als aktive Vorbeugung, wie auch als Unterstützung von Heilungsprozessen empfohlen.
Dabei konzentriert sich die Behandlung auf die Funktionserhaltung und Verbesserung von:
Muskeln, Bändern, Sehnen, Faszien und Gelenken.
Die Beweglichkeit der Gelenke und die Muskelfunktionen sind abhängig voneinander. Einschränkungen der Beweglichkeit oder Überforderungen führen zu einer Anhäufung von Stoffwechselschlacken, zur Ermüdung der Muskulatur und damit zu erhöhtem Verletzungsrisiko. Die (Pferde)Physiotherapie setzt deshalb diverse manuelle Mobilisierungstechniken und Muskeldehnungen zur Lockerung von Gewebestrukturen ein. Dem Pferd wird dabei wieder zur optimalen Beweglichkeit verholfen, die Durchblutungsfähigkeit wird gesteigert und Schmerzen werden gelindert.
Grundlage der physiotherapeutischen Behandlung ist eine ganzheitliche Betrachtung der Funktionen des Pferdekörpers, um nicht rein symptomatisch, sondern ursachengerecht und gezielt zu behandeln.
Präventive und akute Pferdephysiotherapie dient also der Gesunderhaltung ihres Partners mit dem Ziel dauerhaft mehr Freude und Motivation an der gemeinsamen Arbeit zu haben.
Ganz besonders angeraten ist die Therapie bei:
•Muskelverhärtungen und Atrophien
•Lahmheit mit unklarem Befund
•Taktfehler, Rittigkeitsmängeln
•Mangelnder Losgelassenheit, Schwunglosigkeit
•Gurtzwang und/oder Berührungsempfindlichkeiten
•Bei Leistungsabfall
•Steifheit, sehr langer Lösungsphase
•Schiefhaltung von Kopf und/oder Schweif
•Vor- und nach grösseren (sportlichen) Beanspruchungen
•Rehabilitationsunterstützung
•Prophylaxe
Um Erfolge der Behandlung noch nachhaltiger zu gestalten, sollte der Reiter/Besitzer nach Einweisung durch den Therapeuten einige Übungen vor oder nach dem Reiten bei seinem Pferd anwenden.
Im Pferdesport ist die regelmäßige physiotherapeutische Behandlung heute bereits nicht mehr weg zu denken.