12/03/2026
Lieferengpässe in der Medizin durch EU-Regel
Noah kam mit einem seltenen und schweren Herzfehler zur Welt, dem hypoplastischen Linksherzsyndrom. Schon als Baby musste er mehrere Operationen am offenen Herzen überstehen. Heute ist Noah 12 Jahre alt und kann lachen, spielen und vieles tun, was andere Kinder in seinem Alter auch tun.
Doch neben der Sorge um Noahs Gesundheit beschäftigt die Familie noch eine weitere Frage. Noahs Vater, Sebastian Kahnt, Geschäftsführer unseres Bundesverbandes, fragt sich immer wieder, ob im Ernstfall alle notwendigen Medizinprodukte verfügbar sind.
Hintergrund ist die EU-Verordnung MDR (Medical Device Regulation), die seit 2021 strengere Zertifizierungen für Medizinprodukte vorschreibt, um die Sicherheit für Patientinnen und Patienten zu erhöhen.
Kritik kommt jedoch aus der Praxis: Viele Hersteller ziehen Produkte vom Markt oder entwickeln sie nicht weiter, weil die neuen Zertifizierungsverfahren zu teuer und zu kompliziert sind. Besonders betroffen sind Nischenprodukte, die nur in kleinen Stückzahlen hergestellt werden, etwa spezielle Ballonkatheter oder Gefäßstützen für Kinder mit Herzfehlern.
Ärztinnen und Ärzte berichten deshalb von Lieferengpässen und davon, dass sie teilweise auf alternative Produkte ausweichen müssen, die eigentlich für andere Zwecke gedacht sind. Auch Kliniken in Schleswig-Holstein bestätigen Herausforderungen durch die MDR. Gleichzeitig betonen Medizinerinnen und Mediziner, dass bisher keine Patientinnen und Patienten zu Schaden gekommen seien.
Die EU-Kommission hat inzwischen reagiert und Vorschläge vorgelegt, um die Regelungen zu vereinfachen und Verfahren zu beschleunigen. Für betroffene Familien bedeutet das Hoffnung, dass lebenswichtige Medizinprodukte auch künftig verfügbar bleiben.
Zum Videobericht: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/lieferengpaesse-in-der-medizin-durch-eu-regel-aerzte-in-schleswig-holstein-besorgt,medizinprodukte-110.html
Bildquelle: NDR / Johannes Tran