02/05/2020
„Toll gemacht!“ Ist für viele von uns eine ganz klassische Antwort, wenn Kinder unsere Aufmerksamkeit haben wollen für etwas, das sie erreicht haben. Eine schnell daher gesagte Floskel. Oft sogar ohne richtige Aufmerksamkeit, wenn wir ehrlich sind.
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Kinder wollen aber gesehen werden in ihrem Tun, sie wollen für einen kurzen Moment Aufmerksamkeit für das, was sie gerade geschaffen/erreicht haben. Sie wollen ihre unglaubliche Freude teilen über das, was passiert ist.
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„Ein toll gemacht!“ Ist lieb gemeint. Aber als Floskeln gibt es dem Kind nicht den Moment und die Anerkennung, die es sich wünscht. Zudem beschränken wir die Handlung des Kindes durch unser Urteil: Gut beinhaltet auch die Gegenseite - schlecht. Es vermittelt, dass Lernen nicht auch aus Irrtümern bestehen kann, sondern das Ergebnis wichtiger ist als der Prozess - aber wir wollen bei Kindern die Freude am Ausprobieren, die Neugierde erhalten und wecken. Das tun wir, wenn auch Fehler möglich und ganz normal sind. Bei vielen Lernerfahrungen zählt nicht das Ergebnis, sondern der Weg. Und als Eltern sollten wir diese Wege und Ergebnisse nicht beständig be- und verurteilen, denn nicht unser Urteil ist wichtig und soll nicht wichtig für das Kind werden, sondern das Gefühl der Selbstwirksamkeit, des eigenständigen Lernens.
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Natürlich rutscht uns ein „Gut gemacht“ und anderes Lob dennoch manchmal raus. Und manchmal ist es auch total in Ordnung und hilft dem Kind, wenn es aufrichtig und herzlich ist. An vielen Stellen können wir aber andere Worte und Sätze nutzen und so unser eigenes erlerntes Verhalten durchbrechen. Und wir sehen, wie wir durch den Versuch, es zu ersetzen, auf einmal wirklich achtsam werden für das Tun des Kindes. Das stärkt unsere Beziehung.