31/07/2025
Das Immunsystem denkt mit – im wahrsten Sinne des Wortes.
Viele halten das Immunsystem noch immer für ein eigenständiges Verteidigungssystem, das unabhängig vom Rest des Körpers agiert. Doch die Forschung zeigt ein anderes Bild: Unser Immunsystem ist eng verflochten mit unserem Gehirn, unserer Psyche und unseren Sinneswahrnehmungen. Es denkt, fühlt und erinnert sich mit – psychoneuroimmunologisch eben.
So haben Wissenschaftler herausgefunden, dass unser Gehirn über ein neuronales Immungedächtnis verfügt. Im Bereich des Cortex insularis lassen sich Immunreaktionen abspeichern und bei Bedarf wieder aktivieren – eine Art „Immunerinnerung“ im Nervensystem selbst (Koren et al., 2021).
Unsere Sinne spielen dabei eine entscheidende Rolle: Sie nehmen potenzielle Bedrohungen wahr und wirken unmittelbar auf das Immunsystem ein. Was wir sehen, riechen oder hören, beeinflusst, wie unser Körper auf mögliche Gefahren vorbereitet wird. Diese sensorische Prägung immunologischer Reaktionen ist inzwischen gut dokumentiert (Casares et al., 2024).
Besonders faszinierend ist eine aktuelle Studie, die zeigt: Schon die bloße Erwartung einer Infektion – ausgelöst in einem virtuellen Szenario – reicht aus, um eine reale, messbare Immunreaktion im Körper auszulösen. Ohne tatsächlichen Erreger. Allein der Gedanke an eine Infektion genügt, um das Immunsystem in Alarmbereitschaft zu versetzen (Trabenelli et al., 2025).
Die Grenzen zwischen Körper, Geist und Immunsystem verschwimmen zunehmend. Was wir denken und wahrnehmen, beeinflusst, wie unser Körper reagiert – biologisch, neurologisch, immunologisch.
Quellen: DOI: 10.1038/s41593-025-02008-y
DOI: 10.4103/1673-5374.385874
DOI: 10.1016/j.cell.2021.10.013