08/04/2025
Ein Museumsfund vom Wochenende: die guten alten Haarbilder. In stundenlanger kleinteiliger Handarbeit wurden aus den Haaren der Verstorbenen Erinnerungsbilder gestaltet. Die Tradition ist völlig in Vergessenheit geraten. Der Stil passt auch nicht mehr so recht in unsere Zeit. Aber in vielen Heimatmuseum hängen sie noch an den Wänden. Oft wird ihnen wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dunkel, schwer und altmodisch wirken sie.
Ein Haarbild war eine Ehrenweisung an die Verstorbenen. Ein Haarbild hieẞ aber auch, sich lange mit der verstorbenen Person zu beschäftigen. Etwas Materielles von ihr zu behalten. Etwas für sie zu gestalten, das bleibt. Beim erstellen konnte bestimmt auch viel nachgedacht werden. Wie viele Tränen, gute Erinnerungen und Wünsche wurden wohl in diese Haarbilder eingeflochten?
Tatsächlich gibt es moderne Projekte, die wieder etwas mit den Haaren der Verstorbenen gestalten. Dann werden die Haare in Glas gegossen, Teil eines Schmuckstückes oder Teil anderer Kunstwerke. Meistens sind das aber Auftragsarbeiten, die nicht von den Angehörigen gefertigt werden. Der wichtigste Aspekt, Zeit für und mit der Person zu verbringen, entfällt.
Heute wühlen wir uns eher durch Millionen digitaler Bilder. Dabei würde in der Kreativität so viel Kraft stecken. Oder was meint ihr?
# Endlichkeitswerkstatt