18/10/2022
Liebe Leserinnen und Leser,
kurz bevor der Bundestag am kommenden Donnerstag über das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz und damit pro oder contra Erhöhung des Kassenabschlags entscheidet, sollen in den buchstäblich die Lichter ausgehen: In vier Bundesländern – dem Saarland, Schleswig-Holstein, Hamburg und Brandenburg schließen Apotheken am Mittwoch ab mittags die Tore, denn es wird gestreikt, um gegen die Sparpläne des Bundesgesundheitsministers zu protestieren.
Zugegeben, es ist eine Aktion in allerletzter Minute – andere Heilberufe wie die Ärzte machen ihrem Ärger über die geplanten Einschnitte bereits seit Wochen Luft, und zwar lautstark und öffentlichkeitswirksam. Und dennoch: Die Idee, mit verschlossenen Türen auf die angespannte Lage der Branche aufmerksam zu machen, ist eine gute. Es gilt, Kenntnis darüber zu vermitteln, wie es den Apotheken wirtschaftlich geht. Denn wer außer der Branche selbst ist darüber schon genau im Bilde?
Wie viele Menschen wissen, dass das Apothekenhonorar seit fast zehn Jahren auf demselben Niveau verharrt, während Ausgaben und Inflation explodieren? Wer weiß um das stetige ? Um den ? Hier müssen Zeichen gesetzt, hier muss die Öffentlichkeit gesucht werden.
Dass den Apotheken jetzt noch jährlich 120 Millionen Euro per erhöhtem Kassenabschlag gestrichen werden sollen, hat viele Apothekerinnen und Apotheker erzürnt. Alle Protestaktionen, alles Erklären und Vorrechnen fand in der Politik aber kein Gehör: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hält an seinem Plan fest. Anders übrigens als an der geplanten Streichung des Bonus-Honorars, das Ärzte für Neupatienten bekommen. Hier sieht die Bundesregierung durchaus noch Spielraum für Alternativen. Beim Kassenabschlag nicht. Das nehmen die Apotheker zu Recht nicht hin und wollen ein Zeichen setzen.
Dass sich nur vier Bundesländer an dem Streik beteiligen, ist hierbei ein Wermutstropfen. Mit einem bundesweiten Ausstand (außer bei den Notdienstapotheken) würde die Aktion sicher mehr von der Aufmerksamkeit bekommen, die die Apotheken derzeit dringend brauchen.
Cornelia Dölger
PZ-Redakteurin Politik & Wirtschaft
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