17/12/2025
Warum wir das Licht heute NICHT ausmachen:
Bereits 2023 haben wir zusammen mit vielen anderen KollegInnen der Apotheken vor Ort gegen die Unterfinanzierung von Apotheken protestiert, sogar die Apotheke für einen Tag komplett geschlossen. Wir sind zu Demonstrationen gefahren, haben lautstark und sichtbar auf ein real existierendes Problem hingewiesen. Immer wieder. Mit Plakaten, Flyern, Trillerpfeifen, Schreiben an diverse Politiker. Mit und ohne Unterstützung von Kammern und Verbänden. Mit sehr viel Engagement und Herzblut.
Passiert ist: Nichts! Die Gerüchte halten sich hartnäckig, Apotheken seien wahre Goldgruben, Apotheker trügen goldene Nasen (seit der Pandemie eigentlich sogar welche aus Platin), mit der kompletten Abschaffung aller Apotheken ließe sich viel, viel Geld im Gesundheitswesen einsparen und die Versorgung der Bevölkerung auf dem Land wäre ohnehin viel besser, wenn einfach alles über den Versandhandel käme. Das ist unfassbar ermüdend.
Neu hinzugekommen ist die politische Spielart, die Leistungserbringer im Gesundheitswesen auch noch gegeneinander aufzustacheln – Ärzteschaft gegen Krankenhäuser gegen Apotheker gegen Altenpflege gegen Krankenpflege gegen Therapeuten gegen ehemalige Gesundheitsminister – alle gegen alle. Keiner blickt mehr durch. Und ganz wichtig: immer wieder die Apotheken bashen. Geht ja ganz einfach, denn die Apotheke ist eine der wenigen Stellen im Gesundheitswesen, wo ich bewusst für meine Genesung auch noch bezahlen muss. Aus meinem eigenen Geldbeutel, zusätzlich zu meinem Krankenkassenbeitrag. Im Gegensatz zum Arzt- oder Krankenhausbesuch, wo ich gar nicht so genau mitbekomme, welche Kosten diese Konsultation grade verursacht.
Heute soll also eine weitere Protestaktion der Apotheken stattfinden: Aktion „Blackout“. Vor nicht einmal zwei Wochen von unserer Standesvertretung, der ABDA, mehr schlecht als recht und irgendwie hilf- und ambitionslos initiiert. Wir sollen eine Stunde das Licht ausmachen, als Zeichen unseres Protestes darüber, dass die im Koalitionsvertrag zugesagte Erhöhung unseres staatlich festgelegten (!) Honorars erneut nicht zu Stande kommt. Zum x-ten Mal wieder nicht zustande kommt. Weiterhin sollen wir für ein Gehalt arbeiten, das 2004 als damals schon nur kostendeckend festgelegt und in über 20 Jahren nur einmal um ganze 25 Cent (oder drei Prozent) erhöht wurde, während allein in den vergangenen 13 Jahren die Kosten der Apotheken durch Lohnsteigerungen, neue Auflagen und so weiter laut ABDA-Zahlen um mehr als 60 Prozent gestiegen sind.
Ganz ehrlich – wir sind müde. Auf der einen Seite mangelnde Wertschätzung unserer Qualifikation und regelmäßiges Aufkochen einer vollkommen substanzlosen Neiddebatte oder sogar schamlose Fehlinformationen und Rufmordkampagnen von Seiten der Politik. Auf der anderen Seite mangelnde Vertretung unserer Interessen und ewiges, devotes Wegducken von unserer Standesvertretung und zahnlose Hilflosigkeit von unseren Verbänden (bis auf wenige Ausnahmen). Immer wieder die alte Leier. Und wir Apotheken vor Ort? Zwischen allen Stühlen und voll an der Front. Wir sollen und müssen den ganzen Mist ausbaden.
Falls sich jetzt also jemand von der ABDA fragt, wieso wir heute nicht mitziehen und in unserer Apotheke das Licht nicht ausschalten, sondern nur „meckern“, hier die einfache Auflösung: „Es ist dumm, immer dasselbe zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten“. Das sagte angeblich schon Albert Einstein. Nochmal zur Erinnerung: das mit Streiken, Flyern, Aufklärungsgesprächen und Flatterband hatten wir schon am 14.06.2023.
Und falls jetzt irgendwer anderes feixt und sagt: „Na ja – kann ja dann nicht so schlimm sein, wenn sie nicht mal protestieren“, dann sei demjenigen gesagt: „Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.“ Bloß, die Apotheken in Deutschland haben schon gar keinen Krug mehr. Wir tragen das Wasser in der hohlen Hand und geben alles, was wir können. So lange, bis auch der letzte Tropfen durch die Finger geronnen und damit der letzte Idealist in der Realität angekommen ist. Das kann nicht mehr lange dauern.