26/02/2026
Immer wieder...
Immer wieder, wenn wir zu den Patienten unterwegs sind, stellt sich uns die Frage, was uns jetzt erwarten wird. Welche Situation wir vorfinden werden. Welche Belastungsmomente uns erwarten werden. Welche Einblicke wir gewinnen dürfen. Denn es ist ein Dürfen. Es sind geschenkte Momente, ob in der jeweiligen Tiefe gewollt oder nicht, die uns die Patienten da entgegenbringen. Denn ohne deren Wollen und Einverständnis könnten wir gar nicht da sein und helfen.
Ob diese Geschenke dann als positiv, gut und erfüllend wahrgenommen werden können, oder eher als negativ, belastend und zehrend: Wir wissen es meist erst im Nachhinein. Das Ganze manchmal auch erst Stunden später, wenn erst nach einem schnellen Funktionieren vor Ort Zeit bleibt, alles das auch inhaltlich und emotional zu sortieren. Denn dann ploppen vielleicht im heimischen Umfeld die Parallelen erst so richtig auf. Dann vielleicht, wenn wir ein schönes Telefonat mit Freunden, den Eltern oder Kindern beenden können und uns mit einem Mal bewusst wird, welcher gnadenvolle Moment dahinter steckt, dies tun zu können, während die Familie, die wir vielleicht am Morgen besucht haben, vielleicht kein weiteres Gespräch mehr führen wird, weil der Angehörige einfach nicht mehr telefonieren oder reden kann, im Sterben liegt oder gar gestorben ist.
Diese Parallelen lassen oft erst Stunden oder Tage ihre wahre kraftkostende Energie frei. Oft in stillen Momenten. Oft erst als leichte Verschattung, später als große Schatten und - irgendwann und schwerstenfalls – als den Tag und am Ende das gesamte Leben in Dunkelheit stürzendes Erleben. Was also das alles aushalten. Wie helfen wollen, ohne der nicht möglichen Unerschöpflichkeit nicht selbst zum Opfer zu fallen. Zu viele Bespiele gerade auch aus meinem beruflichen Umfeld zeigen, welchen schmalen Ritt wir nicht zu selten vollziehen im täglichen Geben. Niemand ist unerschöpflich. Niemand unkaputtbar.
Das Arbeiten am Rand der auch eigenen Endlichkeit bringt immer wieder ein neues Bewusstsein für diese so besonderen Momente. Für diese Geschenke des Zwischenmenschlichen. Aber auch für den ganz besonderen Kontakt zu sich selbst. Sich selbst und seiner ganz eigenen Grenzen und Bedürfnisse bewusst zu sein, ist mehr als nur ein blanker formaler Schutz. Es ist die Liebe zum Leben. Auch, und ja bitte, auch zum eigenen.
Danke Bernd Oelsner, Danke WOBLA, für Euer Interesse an diesem Thema.
Einen guten Moment beim Lesen wünsche ich Euch. Zu finden ist das Interview in Print in der aktuellen Ausgabe und als Vollversion online unter: https://wobla.net/dr-joerg-cuno/