24/05/2026
Pfingsten und der Geist der Veränderung
Wir genießen die freien Tage, machen, was wir lieben, und freuen uns an der Schönheit der herrlichen Pfingstrosen. Aber was war da eigentlich an Pfingsten?
Warum feiern Christen das Pfingstfest?
Fünfzig Tage nach dem Tod Jesu am Kreuz sitzen die Jünger in Jerusalem zusammen, als plötzlich ein gewaltiger Wind das Haus erschüttert: „Sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in anderen Sprachen“, steht in der Bibel. Von nun an hören die Menschen die Jünger in ihrer jeweiligen Muttersprache sprechen. Darin besteht laut der Bibel das Pfingstwunder: Gott schenkt seinen Geist allen, die an ihn glauben. Pfingsten als Symbol für einen Neuanfang, für die göttliche Kraft der Veränderung und Kreativität.
Vielleicht ist genau das der tiefere Gedanke des Geistes: Dass in uns etwas lebt, das sich bewegen, wachsen und verwandeln will. Ein innerer Funke, der uns immer wieder antreibt, weiterzugehen, neu anzufangen und schöpferisch zu werden.
Man mag nun Christ sein oder nicht, manchmal brauchen wir einen Neuanfang, weil das, was ist, nicht mehr tragfähig ist. Dann brauchen wir die Kraft zur Veränderung, um aus dem Loch herauszukommen, in dem wir feststecken, um einen Verlust zu überwinden, uns neu zu erfinden und weitergehen zu können. Das ist nicht leicht.
Veränderung zuzulassen bedeutet, sich auf Neues einzulassen.
Es bedeutet, unbekanntes Terrain zu betreten, ohne zu wissen, wie es dort aussieht, was uns erwartet oder wie alles ausgehen wird. Weil wir so voller Angst vor dem Ungewissen sind, fürchten sich viele Menschen vor Veränderung. Das ist absolut menschlich. Und es gibt die, die gehen - mit der Angst vor dem Ungewissen, die, die ihr Leben radikal ändern, die das Vertraute verlassen um in einem fremden Land einen Neuanfang zu manchen, wie mein Sohn, der jetzt in Vietnam lebt. Möge ihm sein Neuanfang gelingen. Und mir der meine, ohne meinen Lieblingsmenschen an der Seite.
Also was wollen wir tun, wenn wir uns verändern müssen?
Wenn das Leben einen radikalen Schnitt macht zwischen dem Gestern und dem Heute? Wenn es plötzlich unmöglich wird, einfach so weiterzumachen wie bisher?
Wollen wir erstarren und gelähmt sitzen bleiben? Wie ein Kind unter die Bettdecke kriechen und glauben, man sieht uns nicht – und weil man uns nicht sieht, seien wir in Sicherheit? Es gibt keine Sicherheit, schon gar nicht unter der Bettdecke.
Die Veränderung holt uns ein, egal, was wir tun, weil sie zum Leben gehört. Nichts bleibt für immer, auch wir nicht. Wenn wir es nicht ändern, ändert sich für uns.
Alles geht vorüber, und jedem Ende folgt ein neuer Anfang.
Und wie dieser Anfang aussehen wird, können wir mitgestalten – mit unserer Kreativität, unserer Haltung und Kraft unseres Geistes, der "Trotzmacht des Geistes", wie es Viktor Frankl formulierte.
Denn Geist bedeutet nicht nur Denken.
Geist ist Lebendigkeit. Bewegung. Bewusstsein. Die Fähigkeit, uns innerlich aufzurichten, selbst dann, wenn das Leben uns niederdrückt. Vielleicht ist der Geist genau das in uns, was sich nicht brechen lassen will.
Auch wenn wir Angst haben, es darf weitergehen. Es sei denn, wir entscheiden uns aufzugeben – und auch das ist eine Form der Veränderung. Ich habe erlebt, wie Menschen an der Angst vor Veränderung zerbrechen. Wie Verzweiflung so groß werden kann, dass sie keinen Ausweg mehr sehen. Und ich habe erlebt, wie Menschen versuchen, ihre Angst mit Alkohol zu betäuben, bis ihnen irgendwann die Kraft fehlt, noch irgendetwas im Leben zu verändern. Auch das ist Veränderung – allerdings eine, die ins Unheilsame führt.
Wie wir auf die Veränderungen des Lebens antworten liegt an uns. Wir können uns dem was ist, zunächst hingeben, es akzeptieren und dann nach Lösungen suchen. Oder wir verweigern uns dem, wozu uns das Leben herausfordert. Doch wenn wir nichts aktiv verändern werden wir zum Spielball der Umstände und fühlen uns machtlos. Wir fühlen uns als Opfer und ergeben uns in das, was ist und wir verlieren den Glauben an die Kraft unseres Geistes.
Manche Menschen haben diesen Glauben und die Kraft nicht.
Ihr Geist lässt es nicht zu, ihr Körper ist zu schwach oder ihre Seele ist todmüde. Das ist unendlich traurig. Darüber dürfen wir nicht urteilen, denn wir gehen nicht in ihren Schuhen.
Aber solange wir noch Kraft haben, solange wir hoffen und das Leben trotz all dem Unguten, was es auch in sich trägt, lieben, können wir immer wieder neu beginnen. Jeden Tag. Nur für heute. Denn aus jedem Heute, das wir annehmen und im besten Falle bewusst gestalten, wird ein neues Morgen.
So wie die Sonne jeden Morgen neu aufgeht, können auch wir unseren Geist immer wieder neu ausrichten und uns auf unsere Kreativität besinnen, um das zu verändern, was verändert werden will.
Und ja, manchmal dürfen wir auch müde sein von den ewigen Veränderungen des Lebens und uns sagen: F**k it. Tu heute nichts, ruh dich aus – und versuch es morgen wieder.
Schöne Pfingsten, Ihr Lieben.
Angelika Wende
Kontakt: aw@wende-praxis.de