23/12/2025
Akuter, chronischer und chronifizierter Schmerz: warum der Unterschied entscheidend ist
Schmerz ist nicht gleich Schmerz. In der Praxis unterscheiden wir sehr klar zwischen akutem, chronischem und chronifiziertem Schmerz, weil sich diese Zustände grundlegend unterscheiden und völlig unterschiedliche Auswirkungen auf Hund, Bewegung und Verhalten haben.
>Akuter Schmerz ist ein Warnsignal. Er tritt plötzlich auf, zum Beispiel nach einer Verletzung, einer Überlastung oder einem Trauma. Der Körper meldet: Etwas stimmt nicht. Bewegung wird reduziert, der Hund schont sich, das Nervensystem reagiert klar und zielgerichtet. Wird die Ursache behoben, klingt dieser Schmerz in der Regel wieder ab.
>Chronischer Schmerz entsteht, wenn Schmerz über einen längeren Zeitraum bestehen bleibt. Oft nicht mehr laut, sondern konstant im Hintergrund. Die Bewegung verändert sich schleichend, Belastung wird umverteilt, Kompensationen entstehen. Der Hund funktioniert weiter, aber nicht mehr effizient und nicht mehr symmetrisch. Viele dieser Hunde zeigen keine deutliche Lahmheit, sondern subtile Veränderungen im Gangbild, in der Muskulatur oder im Verhalten.
>Chronifizierter Schmerz geht noch einen Schritt weiter. Hier hat sich der Schmerz im Nervensystem „verselbstständigt“. Die ursprüngliche Ursache spielt oft nur noch eine untergeordnete Rolle. Das Schmerzsystem ist dauerhaft aktiviert, Reizschwellen sind gesenkt, Stress nimmt zu. Bewegung, Emotion und Verhalten sind eng miteinander verknüpft. Diese Hunde reagieren schneller gereizt, sind schlechter belastbar, lernen anders und wirken häufig „schwierig“, obwohl sie eigentlich dauerhaft unter Belastung stehen.
Dieser Übergang ist fliessend. Akuter Schmerz kann chronisch werden. Chronischer Schmerz kann chronifizieren. Genau deshalb ist frühes Erkennen so entscheidend. Je früher funktionelle Veränderungen, Kompensationen und Belastungsmuster erkannt werden, desto besser lässt sich gegensteuern, bevor sich Schmerz im Nervensystem festsetzt.
Schmerz ist kein statischer Zustand. Er verändert sich und mit ihm der Hund. Wer diese Unterschiede versteht, kann Bewegung, Verhalten und Therapie besser einordnen und nachhaltiger begleiten.