11/04/2026
Erleben wir ein Revival von L*D & Co. bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen?
Psychedelika (z.B. Psilocybin, L*D, DMT) verändern die Ruheaktivität des Gehirns grundlegend, indem sie die hierarchische Organisation des Gehirns vorübergehend "aufweichen" und die Kommunikation zwischen normalerweise getrennten Hirnarealen fördern. Dies geschieht primär durch eine Unterdrückung des sogenannten Default Mode Network (DMN), das für Ich-Bezogenheit, Selbstreflexion und Grübeln zuständig ist. Diese Veränderungen haben das Potenzial, starre Denkmuster zu durchbrechen und werden als therapeutischer Ansatz bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen erforscht.
Was bewirken Veränderungen der Ruheaktivität des Gehirns?
- Reduktion der DMN-Aktivität: Das DMN, welches aktiv ist, wenn der Geist wandert oder wir über uns nachdenken, wird gehemmt. Dies führt zu einer Reduktion von selbstbezogenen, negativen Gedanken.
- Gestörte Konnektivität: Die funktionelle Vernetzung innerhalb stabiler Hirnnetzwerke (wie dem DMN) wird vorübergehend geschwächt ("Desynchronisation").
- Erhöhte "Cross-Talk"-Aktivität: Hirnareale, die normalerweise nicht miteinander kommunizieren, zeigen verstärkte Verbindungen. Dies betrifft besonders die Kommunikation zwischen sensorischen Arealen (wie dem visuellen Kortex) und höheren kognitiven Zentren.
- Erhöhte Gehirnentropie: Die Gehirnaktivität wird insgesamt chaotischer, flexibler und weniger vorhersehbar, was oft als "Reboot" der Gedankenwelt beschrieben wird.
Folgen für die psychische Gesundheit
Die akute Störung der Ruheaktivität kann weitreichende, potenziell heilsame Folgen haben:
- Durchbrechen von Grübelschleifen: Durch die Unterdrückung des DMN können depressive Patienten aus festgefahrenen negativen Gedankenmustern ausbrechen.
- Stimmungsaufhellung und Angstlösung: Studien deuten darauf hin, dass die veränderte Konnektivität mit einer Verringerung von Angstsymptomen und einer Verbesserung der Stimmung einhergeht, oft einhergehend mit "mystischen Erfahrungen".
- Erhöhte emotionale Offenheit: Die Erfahrung kann helfen, verdrängte Emotionen zu verarbeiten.
- Langzeitfolgen: Studien (wie am Forschungszentrum Jülich) haben gezeigt, dass die veränderte Konnektivität im Gehirn, insbesondere im Hippocampus, auch Wochen nach der Anwendung noch nachweisbar sein kann, was auf eine langfristige Plastizität hindeutet.
Die Forschung weist seit Jahren auf ein grosses Potenzial bei Behandlungen von Depressionen, Ängsten und Suchterkrankungen hin, wenn die Substanzen im Rahmen einer psychedelisch assistierten Psychotherapie eingenommen werden. Wissenschaftler warnen jedoch eindringlich vor Selbstmedikation, da psychedelische Erfahrungen bei falscher Anwendung oder Vorerkrankungen schwerwiegende psychische Risiken bergen können.
https://www.aerzteblatt.de/news/langjahriger-cannabiskonsum-ist-mit-reduzierter-kortikaler-dicke-im-frontalhirn-assoziiert-301d84bb-056f-420b-ba90-f593a28ea824