21/04/2021
Frauen mit Fluchterfahrungen haben vielfach höhere Hürden, um gynäkologische Versorgungsstrukturen wahrzunehmen. Dafür gibt es verschiedenste Gründe, die leicht verkannt werden. Im Zuge der COVID-19 Pandemie kristallisieren sie sich noch deutlicher und verschlimmern sich teils dramatisch.
Dazu zählen:
Care-Aufgaben für mitreisende Kinder und Angehörige erschweren es Frauen, Angebote der medizinischen Versorgung wahrzunehmen, besonders bei fehlender Kinderbetreuung.
Die räumliche Enge und die fremde Umgebung, in der Geflüchtete in Sammelunterkünften leben, leistet sexualisierten Übergriffen und Diskriminierungen Vorschub und verhindert oftmals die Artikulierung eigener – geschlechtsspezifischer – Bedürfnisse oder gesundheitlicher Probleme.
Die gynäkologisch-geburtshilfliche Versorgung von geflüchteten Frauen ist für die Betroffenen oft nur schwer zu organisieren. Gynäkolog*innen sind nicht immer frei wählbar und zu den vorhandenen Gynäkolog*innen kann - auch aufgrund sprachlicher Verständigungsschwierigkeiten - nicht immer Vertrauen aufgebaut werden.
Für Dolmetscher*innen stehen häufig nur geringe Ressourcen zur Verfügung. Sprachprobleme erschweren die Verständigung und das notwendige Vertrauensverhältnis hinsichtlich Anamnese, Diagnose und Therapie erheblich.
Die Formalitäten zur Wahrnehmung medizinischer Versorgungsmaßnahmen und das Vergütungssystem sind nach wie vor uneinheitlich und für die Geflüchteten nur schwer verständlich. Im System mit Krankenschein entscheidet häufig das nicht-medizinische Personal auf dem Sozialamt darüber, ob Spezialbehandlungen stattfinden dürfen oder nicht. Solche Entscheidungen werden sehr häufig als willkürlich und intransparent erlebt.
Den medizinischen Autoritäten vor Ort wird mitunter nicht vertraut. Dies basiert meist auf schlechten Erfahrungen im Umgang mit Behörden und der Angst, möglicherweise wieder abgeschoben zu werden. Psychosoziale Themen, insbesondere aber auch gynäkologische Fragestellungen sind für die Frauen oft mit Scham verbunden und werden daher insbesondere gegenüber männlichem Personal nicht geäußert.