12/01/2026
Genanalyse eröffnet neue Wege zur Diagnose schwer erkennbarer Tuberkulose
Wie tickt das Immunsystem bei Tuberkulose (TB), wenn die Infektion mit dem Bakterium Mycobacterium tuberculosis Organe außerhalb der Lunge befällt? Diese Form der Erkrankung – die sogenannte extrapulmonale Tuberkulose (EPTB) – betrifft weltweit bis zu ein Drittel aller TB-Patientinnen und Patienten. Sie kann Organe wie Lymphknoten, Knochen oder sogar das Gehirn befallen. Die Diagnose ist oft schwierig, weil die Erreger nicht wie bei Lungentuberkulose durch eine Probe aus den Atemwegen nachgewiesen werden können. Häufig ist dafür eine Gewebepunktion nötig.
Ein Forschungsteam des DZIF, des DZNE, der Uniklinik Köln und des LIMES-Instituts der Universität Bonn hat erstmals detaillierte immunologische Muster im Blut von EPTB-Betroffenen entschlüsselt. Dabei nutzten die Forschenden eine Kombination moderner Multi-Omics-Methoden, mit denen Gene, Proteine und weitere zelluläre Informationen gleichzeitig analysiert werden können, um die immunologischen Vorgänge zu verstehen. Unter anderem kam die Einzelzell-RNA-Sequenzierung zum Einsatz, die aufzeigt, welche Gene in einzelnen Immunzellen aktiv sind und welche Kommunikationswege das Immunsystem nutzt, um Entzündungen zu steuern und Krankheitserreger zu bekämpfen.
Die Analyse ergab drei klar unterscheidbare Immunotypen – also verschiedene Muster der Immunreaktion auf die Infektion reagiert. Diese Muster stehen im Zusammenhang mit unterschiedlichen Krankheitsverläufen. Besonders auffällig waren bestimmte Signalwege, beispielsweise die von Interferon und Interleukin-1, welche die Abwehr von Krankheitserregern durch Zellen aktivieren. Außerdem wurde eine Aktivierung von T-Zellen und Natürlichen Killerzellen beobachtet, die direkt infizierte Zellen bekämpfen. Die Erkenntnis, dass EPTB nicht nur ein einheitliches Krankheitsbild ist, sondern unterschiedliche Immunprofile umfasst, eröffnet neue Möglichkeiten für individuell zugeschnittene Therapien.
Darüber hinaus entdeckte das Team erstmals bestimmte Blut-Biomarker – also messbare Hinweise im Blut –, die dabei helfen, zwischen extrapulmonaler und pulmonaler Tuberkulose zuverlässig zu unterscheiden. Das bedeutet: Statt riskanter und schmerzhafter Gewebeprobenentnahmen könnte in Zukunft eine einfache Blutuntersuchung ausreichen, um EPTB zu erkennen. So würde die Diagnose deutlich sicherer, schneller und schonender – und die Versorgung vieler Patientinnen und Patienten erheblich verbessert.
Mehr dazu auf der Webseite der DZG unter https://deutschezentren.de/news/genanalyse-eroeffnet-neue-wege-zur-diagnose-schwer-erkennbarer-tuberkulose/