26/03/2026
Kunsttherapie als flankierende Therapieform
In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, wie kraftvoll es sein kann, Kunsttherapie begleitend zur Psychotherapie einzusetzen.
Worte sind wichtig und gleichzeitig gibt es so vieles, das sich (noch) nicht sagen lässt.
Dort kann Kunst Räume eröffnen.
Wenn Patient*innen gestalten, entstehen Bilder oder Objekte für innere Zustände, für Gefühle, für Erinnerungen, Träume und Wünsche.
Dinge, die vielleicht diffus, überwältigend oder schwer greifbar sind, die noch nicht richtig verstanden werden oder in einer sehr frühen Phase des Lebens, in der Sprache noch keine Rolle spielte, stattgefunden haben, können eine Form bekommen.
Das kann entlasten, ordnen und einen (ersten) Zugang ermöglichen. Denn über Kunst, die ja sichtbar ist, über das, was man während des Schaffensprozess erlebt hat, kann man sprechen.
Und wenn man es selbst nicht kann, so war ein*e Kunsttherapeut*in dabei, die das, was sie sieht und wahrgenommen hat, in Worte fassen und spiegeln kann.
Berührend finde ich auch regelmäßig, wie über Farben, Linien und Materialien auch der Körper mit ins Spiel kommt. Spannungen können sich zeigen und manchmal auch ein Stück weit lösen. Der kreative Prozess kann entspannen, erschöpfen und auch zu Wohlbefinden beitragen.
Was ich oft beobachte, ist ein wachsendes Gefühl von Selbstwirksamkeit.
Es wird etwas Eigenes erschaffen, Entscheidungen werden getroffen, Spuren hinterlassen, Vertrauen in das eigene Tun, in Material entwickelt, Bedürfnisse können erkannt und auf symbolische Art befriedigt werden...
Gerade für Menschen mit belastenden Erfahrungen kann das sehr wichtig sein.
In der Verbindung mit Psychotherapie entsteht somit ein kreativer Resonanzraum.
Bilder können Prozesse vorbereiten, vertiefen oder nachklingen lassen. Sie eröffnen neue Perspektiven und machen Entwicklungen sichtbar. Das kann manchmal ganz zaghaft und ein bißchen versteckt sein und manchmal ist es überraschend klar und deutlich.
Für mich stellt Kunsttherapie deshalb keine Alternative dar, sondern eine wertvolle Ergänzung.
Sie kann den therapeutischen Raum um etwas erweitern, das Worte allein oft nicht erreichen können.